Kreis Heinsberg - Schlammlawinen überfluten die Straßen im Kreis Heinsberg

Schlammlawinen überfluten die Straßen im Kreis Heinsberg

Von: her/disch/sit
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Wohin mit dem Matsch? Vor dieser Frage stehen die Menschen in Nierstraß (Foto). Auch die Asternstraße in Randerath wurde zum Teil durch das Wasser der Wurm überflutet. Das Unwetter hatte Unmengen von Erde auf Straßen und in Garagen, Keller und Wohnungen gespült. Foto: Simone Thelen
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Kaum waren die ersten Keller leergepumpt, brannte in Randerath ein Dachstuhl. Foto: Oliver Krings
Unwetter Gangelt
Mit Traktoren und Radladern konnten die Schlammmassen von den Straßen geschoben werden. Foto: Oliver Thelen/Feuerwehr Gangelt
Unwetter Gangelt
Das Wasser musste von den Straßen abgepumpt werden.
Unwetter Geilenkirchen
Das Unwetter über Geilenkirchen hat Andreas Fucke, ein Leser unserer Zeitung, aufgenommen. Das Bild zeigt die Blitze über der Konrad-Adenauer-Straße. Foto: Andreas Fucke
Unwetter Geilenkirchen
Das Unwetter über Geilenkirchen hat Andreas Fucke, ein Leser unserer Zeitung, aufgenommen. Das Bild zeigt die Blitze über der Konrad-Adenauer-Straße. Foto: Andreas Fucke

Kreis Heinsberg. Ein Unwetter hielt in der Nacht zum Montag die Feuerwehrkräfte in weiten Teilen des Kreises Heinsberg in Atem. Die Leitstelle im Feuerschutzzentrum in Erkelenz verzeichnete kreisweit ab 23.30 Uhr bis 7 Uhr am Morgen insgesamt 170 Einsätze mit den Schwerpunkten in den Kommunen Heinsberg, Geilenkirchen und Gangelt.

Bis zum Nachmittag erhöhte sich die Einsatzzahl sogar auf mehr als 200. „Kurz nach Mitternacht gingen bei der Feuerwehr Heinsberg nach heftigen Regenfällen und Gewitter die ersten Notrufe ein“, erklärt Pressesprecher Oliver Krings.

Kurze Zeit später habe sich die Zahl der Anrufe dermaßen verstärkt, dass sich der Gesamteinsatzleiter Hans-Leo Schreinemachers für einen Vollalarm in der Stadt Heinsberg entschied. Somit wurden alle Löschgruppen der Feuerwehr Heinsberg zusammengezogen und von der Feuerwache Heinsberg aus koordiniert.

Dachstuhl in Flammen

Kaum waren die ersten Keller leergepumpt, habe aus Randerath die Meldung eines Kaminbrandes die Aufmerksamkeit der Einsatzkräfte verlangt. Der Löschzug Stadtmitte machte sich laut Krings umgehend auf den Weg und musste vor Ort feststellen, dass es sich um einen Dachstuhlbrand handelte. Der Löschzug wurde von der Einheit Dremmen unterstützt. Durch den Brand entstand erheblicher Sachschaden. Über die genaue Ursache konnte am Montag noch keine Aussage getroffen werden. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Während dessen arbeiteten die anderen Einsatzkräfte quasi im Akkord der Reihe nach die ankommenden Notrufe ab. Einsatzleiter Schreinemachers zählte in den frühen Morgenstunden über 50 alleine im Stadtgebiet Heinsberg. Da die Feuerwehrleute bereits über acht Stunden im Einsatz waren, wurde die Bereitschaftsgruppe vom Kreisverband DRK zur Verpflegung der Einsatzkräfte in die Heinsberger Feuerwache gerufen.

Kurz nach 6.30 Uhr entschärfte sich dann die Situation und die Zahl der Einsatzkräfte konnte zurückgefahren werden – doch dies sollte nicht von langer Dauer sein. Denn um 7.21 Uhr ging ein Notruf aus einem Kindergarten in Oberbruch auf der Straße Hofbruch ein. Hier brannte es in einem Lagerraum.

Alle Personen hatten sich zum Glück umgehend ins Freie gerettet, so konnte die Feuerwehr direkt mit der Brandbekämpfung beginnen. Das Feuer war dann schnell unter Kontrolle. Im Anschluss wurden umfangreiche Lüftungsmaßnahmen eingeleitet. Leider entstand ein erheblicher Sachschaden. Die Ursache muss noch ermittelt werden. Der Kindergarten blieb am Montag geschlossen.

Im Verlauf des Tages trudelten weitere Notrufe wegen Wasserschäden bei der Feuerwehr ein. Die Heinsberger waren mit über 120 Kräften mehr als zwölf Stunden im Einsatz. Einige Anwohner sorgten sich um die Einsatzkräfte und stellten Kaffee und Kaltgetränke zur Verfügung.

Ein Rückhaltebecken am Ortsrand von Nierstraß, welches bei dem heftigen Regenfall seine eigentliche Aufgabe, nämlich das Wasser zurückzuhalten, nicht mehr erfüllen konnte, sorgte für arge Probleme in Geilenkirchen. Mit dem Wasser kam die Erde von den frisch gepflügten und eingesäten Feldern aus Richtung Geilenkirchen. Durch das weitläufige Gefälle kannten die Massen nur ein Ziel: Nierstraß. Und auch in Gillrath mussten die Straßen bis in den Montag hinein gesperrt und freigeräumt werden. Ebenso die L 42 zwischen Trips und Kogenbroich.

So wie den Bewohnern dieser Orte ging es vielen Menschen in Geilenkirchen und der Umgebung. Überflutete Keller waren die Hauptursache für die insgesamt 33 Einsätze, die die Feuerwehr Geilenkirchen in der Nacht und bis in den Tag hinein gefahren hat. 140 Kräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Malteser Hilfsdienst waren hier im Einsatz.

Für 42 Fahrgäste der Regionalbahn von Mönchengladbach nach Aachen endete ihre Reise gegen 0.30 Uhr bei Würm, als die Bahn mit einem auf die Gleise gestürzten Baum kollidierte. Alle Passagiere wurden vorübergehend im Gerätehaus Würm untergebracht und medizinisch untersucht. Sie konnten anschließend aber ihre Reise mit dem Taxi fortsetzen. Der verunglückte Zug musste abgeschleppt werden.

Noch bis zum Mittag machte der Geilenkirchener Feuerwehr der hohe Pegelstand der Wurm vor allem im Bereich des Geilenkirchener Krankenhauses zu schaffen. Es wurden vorsorglich Sandsäcke aufgeschüttet, aber der Scheitelpunkt war am Vormittag erreicht, ohne dass der Fluss über die Ufer getreten ist.

Gangelt war von dem Unwetter ebenfalls stark betroffen. Die ersten Einheiten wurden gegen 23.45 Uhr zur Beseitigung von Sturmschäden alarmiert. Aufgrund der Vielzahl an Notrufen ließ Einsatzleiter Gemeindebrandinspektor Günter Paulzen eine Koordinierungsstelle für die Gemeinde Gangelt am Feuerwehrgerätehaus Birgden einrichten. Von hieraus wurden die 75 Einsatzkräfte der Feuerwehr Gangelt gezielt zu den Einsatzstellen im gesamten Gemeindegebiet entsendet.

Der Schwerpunkt der Aufgaben lag dabei wie überall in der Regel auf überschwemmten Kellern und Fahrbahnen. Oftmals folgten Schlammmassen dem Wasser und sorgten für rutschige Fahrbahnen. Daher mussten unter anderem die Bundesstraße im Ortsteil Stahe, die B56 n sowie die K13 zwischen Gangelt und Breberen für die Dauer der Einsätze gesperrt werden. Besonders von den Unwetterschäden betroffen waren Birgden und Stahe, wo die Wassermassen größere Mengen Schlamm auf die Fahrbahnen spülten. Bei der Beseitigung wurde die Feuerwehr tatkräftig vom Gangelter Bauhof unterstützt.

Mit Traktoren und Radladern wurde der Schlamm von der Straße geschoben. Auf der B 56n kam zwischen Birgden und Waldenrath zudem ein Radlader des Technischen Hilfswerkes zum Einsatz. Hier hatte sich ein Erdrutsch ereignet. Auf der K13 standen weite Teile der Fahrbahn zwischen Vinteln und Schümm unter Wasser. Mit fünf Pumpen gelang es der Feuerwehr schließlich, den Wassermassen Herr zu werden.

Nachdem sich die Lage weitestgehend beruhigt hatte, konnten gegen 5 Uhr morgens die ersten Einheiten ihren Rückweg antreten. Letztlich mussten die 75 Einsatzkräfte der Feuerwehr Gangelt rund 30 Einsatzstellen in Angriff nehmen.

Wirklich beendet war der Arbeitstag für die Feuerwehrleute allerdings noch nicht. In den Gerätehäusern mussten die Fahrzeuge zunächst wieder einsatzbereit gemacht werden, Kraftstoff in den Wagen und den Stromerzeugern oder Pumpen musste aufgefüllt und die nassen Schläuche getrocknet werden. Für viele Einsatzkräfte lohnte es sich erst gar nicht mehr, noch zu Bett zu gehen, denn für die Ehrenamtler begann im Anschluss der reguläre Berufsalltag.

 

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