Schildkröten waren doch nicht „wild”

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen/Heinsberg. Im Wirtschaftstrafverfahren gegen einen Heinsberger Tierhändler, seinen Gehilfen und zwei Beamte der unteren Landschaftsbehörde zeichnete sich am Freitag eine Wende zugunsten der Angeklagten ab.

Weil der Tiergroßhändler Norbert L. (45) zwischen 2002 und 2005 bis zu 1200 illegal gefangene Schildkröten der Gattung Testudo graeca und Testudo hermanni aus Slowenien eingeführt haben soll und die zuständige Kreisbehörde für diese Tiere falsche Bescheinigungen ausgestellt haben soll, waren damals umfangreiche Ermittlungen des Landeskriminalamtes und einer Ermittlungsgruppe im Umweltministerium angelaufen.

Der Vorwurf lautete dann: Die sichergestellten Schildkröten, die meistens zwischen 10 und 13 Zentimeter maßen, seien aufgrund ihrer Größe und ihres Alters aus illegalen Wildfängen und eben nicht aus der Zucht einer bekannten slowenischen Zuchtanlage, aus deren Beständen sie hätten kommen sollen und als die sie zertifiziert waren.

Den Beamten der Kreises Heinsberg, darunter ein Biologe, warf der Frankfurter Gutachter Rudolf Wicker vor, unrichtige Zertifikate für die einzelnen Tiere ausgestellt zu haben. Die Feststellungen des Frankfurter Zoologen wurden allerdings von drei weiteren Schildkröten-Experten massiv erschüttert. Sie waren im Detail völlig gegensätzlicher Meinung, wie sich bei der Begutachtung von 600 Einzelfällen durch das Gericht (Vorsitz Richter Harald Brandt) ergab.

So wurden nur wenige Tiere als „Wildfänge” identifiziert, was gegen eine systematische Vermischung von Zucht- und Wildtieren der beliebten, weil gemütlichen Reptilien spricht. Hinzu kommt, wie Verteidiger Thomas Koll bestätigte, dass selbst die Einfuhrbescheinigung des Bundesamtes für Naturschutz offenbar falsch war. An der Basis habe man also kein Chance gehabt, war das Fazit der Verteidigung. Der Prozess geht Dienstag weiter.
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