Heinsberg - Schiedsmann hört auf: Stadt sucht Nachfolger

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Schiedsmann hört auf: Stadt sucht Nachfolger

Von: Rainer Herwartz
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Wenn zwei sich wortlos gegenüberstehen, ist schon viel verloren – bei Streit am Gartenzaun hilft oft nur gegenseitiges Verständnis. Dies zu erreichen, ist Aufgabe der Schiedspersonen. Foto: dpa
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Über zehn Jahre hat Hans-Joachim Heller versucht, als Schiedsmann die Wogen bei Streitigkeiten zu glätten. Foto: Herwartz

Heinsberg. Wirklich erinnern kann sich Hans-Joachim Heller an den Streitgrund bei seinem ersten Fall nicht mehr, aber das gute Gefühl, den beiden Parteien dabei geholfen zu haben, ihren Disput endlich beizulegen, ist immer noch präsent. „Zehn Jahre und sieben Monate“, sagt er, ohne auch nur einen Augenblick überlegen zu müssen, auf die Frage, wie lange er denn schon als Schiedsmann in der Stadt Heinsberg tätig sei. Doch mit 66 Jahren soll nun Schluss sein.

Und die Stadt sucht einen geeigneten Nachfolger. „Ich höre auf, weil ich seit gut eineinhalb Jahren pensioniert bin, seit April meine Frau auch. Wir wandern gern, haben zwei Hunde und reisen mit dem Wohnwagen.“ Genau das wollen die Hellers jetzt auch ausgiebig in die Tat umsetzen.

Über 38 Jahre arbeitete Heller als Steuerfahnder in Düsseldorf. „Ich war quasi prädestiniert dafür, mich mit Rechtsanwälten zu streiten“, sagt der 66-Jährige und lacht verschmitzt. Der verstorbene CDU-Ratsherr Michael Lowis habe ihn seinerzeit angesprochen und gefragt, ob er sich nicht auf die vakante Position bewerben wolle. Zur Ehrenrettung der Anwälte schiebt er noch gleich nach: „Von 20 Fällen, bei denen Anwälte beteiligt waren, kam es 18 Mal zu einer guten Einigung. Die Anwälte waren immer bemüht, eine Schlichtung herbeizuführen.“

90 solcher Schlichtungsverfahren seien im Laufe der Zeit über seinen Tisch im Amtsraum der alten Hülhovener Schule gegangen, sagt Heller. Schiedspersonen kommen gemeinhin zum Einsatz, wenn das öffentliche Interesse der Staatsanwaltschaft an der Strafverfolgung nicht gegeben ist und eine gerichtliche Auseinandersetzung vermieden werden soll, zum Beispiel bei Hausfriedensbruch, Beleidigungen, Verletzungen des Briefgeheimnisses, harmlosere Fälle von Körperverletzung, Bedrohung, oder Sachbeschädigung. Hellers Erfolgsquote lag nach eigenem Bekunden bei 65 Prozent.

„Der Gang zum Schiedsmann ist meist das Ergebnis langwieriger Differenzen, die sich schon über Jahre erstrecken“, erklärt der Grebbener. Aber es gebe auch andere Fälle. „Da haben sich zwei schon seit Jahren geduzt, doch plötzlich wird die Hecke was zu breit und dann fliegen die Fetzen. Und nach dem Termin bei mir gehen beide zusammen in die Kneipe ein Bierchen trinken.“

Nahezu alle Streitigkeiten entstünden – zumindest im übertragenen Sinn – am Gartenzaun, weiß Heller. Meist gehe es um bellende Hunde, Abfall, wuchernde Pflanzen, Geruchsbelästigungen durch vermeintlich zu nie-drig gebaute Schornsteine, Lärm oder ähnliche Dinge. „Ich habe es schon erlebt, dass Nachbarn bei mir in zwei Stunden zehn Jahre aufgearbeitet und beschlossen haben, zukünftig erst miteinander statt mit dem Ordnungsamt zu reden.“ Die meisten Streithähne hätten sich schon bei der Stadt beklagt, bevor sie beim Schiedsmann landen. Der Versuch, miteinander ins Gespräch zu kommen, um ein Problem aus der Welt zu schaffen, werde überraschender Weise oftmals gescheut. „Als Schiedsmann sitzt man dann da als Vermittler, als Moderator, als jemand, der versucht, den zerstrittenen Parteien mit Fingerspitzengefühl den Weg zu einer wieder guten Nachbarschaft zu ebnen.“

Die Stadt biete dazu auch Fortbildungsseminare an in Verhandlungsführung mit Rollenspielen oder in der Vermittlung von Rechtsgrundlagen. „Aber der Schiedsmann versucht nicht, nach Gesetzesnorm Menschen zu einer Einigung zu bewegen, sondern er setzt auf Herz, Bauch und Verstand. Man sollte Ruhe und Souveränität ausstrahlen und rhetorisch sattelfest sein. Wer es machen will, muss Spaß daran haben, Streithähne wieder zusammenzuführen. Wie er das macht, entscheidet er allein. Der eine weist auf die Rechtslage hin, der andere sagt, reißt euch am Riemen, ihr müsst ja auch noch länger miteinander auskommen.“ In den letzten Jahren gelinge das immer häufiger schon am Telefon, hat Heller festgestellt. Das kostet die Streithähne dann übrigens nichts. Ansonsten ist ein Vorschuss zu berappen von 50 Euro. Darin enthalten ist eine Einigungsgebühr von 25 Euro. Kurios: Klappt der Friedensschluss nicht, wird es für die Streithansel billiger – zunächst jedenfalls. Denn dann beträgt die Gebühr nur 10 Euro.

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