Schauspiel „Marquise von O....“ trifft Geschmack der Zuschauer

Von: hl
Letzte Aktualisierung:

Erkelenz. Mit dem Schauspiel „Die Marquise von O….“ nach einer Novelle von Heinrich von Kleist ist in der Stadthalle die Theatersaison 2015/16 zu Ende gegangen.

Die Geschichte um eine ominöse Schwangerschaft und den daraus sich ergebenden Folgen wurde von Silvia Armbruster, die auch Regie führte, dramatisiert. In einer Co-Produktion mit dem Theater Wahlverwandte und dem Stadttheater Lindau brachten die Kempf-Theatergastspiele Grünwald dieses Stück auf die Bühne. Die Theateradaption von Kleists Vorgabe hielt sich weitgehend an das Original, was unter anderem auch in der Sprache deutlich wurde. Denn vor gut 200 Jahren hat man anders miteinander gesprochen als heute.

Die Handlung spielt während eines der zahlreichen Kriege der europäischen Großmächte Ende des 19. Jahrhunderts und lässt sich inhaltlich so zusammenfassen: Die verwitwete Marquise von O…. wird vor der Vergewaltigung durch russische Soldaten von einem russischen Offizier, dem Grafen F…., gerettet und sieht ihn (zunächst) als ihren Engel.

Nach einiger Zeit stellt sich heraus, dass sie schwanger ist, aber nicht weiß, wie dies hätte passieren können. Von der Familie verstoßen, entschließt sie sich zu einem ungewöhnlichen Schritt: Sie veröffentlicht eine Annonce, in der sie den unbekannten Vater bittet, sich zu melden. Dieser erscheint dann auch: Es ist Graf F., der aufrichtig seine Tat bereut.

Nach einigen Turbulenzen um die Frage, wie es weitergehen soll, kommt es zum Happy End: Die beiden heiraten und bekommen noch viele „Russenkinder“. Das Ganze wird ausgeschmückt durch Hausmusik, die in der vornehmen Gesellschaft von damals eine große Rolle spielte.

Gewöhnungsbedürftig

Lisa Wildmann spielt die von ihren Gefühlen zerrissenen Marquise; ihre Mutter, manchmal liebevoll, manchmal äußerst hartherzig, Ursula Berlinghof; der knarzige Vater, der eigentlich den Patriarchen und Beschützer verkörpern soll, wird von Christian Kaiser dargestellt; der russische Offizier Graf F. wird von Sebastian Strehler verkörpert.

Alle vier brachten die ihnen zugedachten Rollen mit großer Intensität und Überzeugungskraft zum Ausdruck. Im Stück geht es nicht nur um eine bestimmte Handlung, sondern viel mehr um die Darstellung einer Gesellschaft mit ihren Idealen, wobei diese im Gegensatz stehen können zu familiären Beziehungen.

Zu diesen Prinzipien der Bürgerlichkeit gehört auch die Rücksichtslosigkeit, mit der Mütter von unehelichen Kindern behandelt werden.

Ob Orgasmus-Schreie, direkt akrobatische Untersuchungsmethoden durch den Arzt oder eine Kölsch sprechende Hebamme den Humor eines Stückes fördern, mag dem Geschmack der Besucher überlassen sein.

Auch die extreme Lautstärke bei Unterhaltungen oder beim Schlagzeug oder an Besessenheit grenzende Tanzeinlagen waren gewöhnungsbedürftig.

Die Frage, was Heinrich von Kleist zur Bühnenfassung seines auch damals umstrittenen Werkes sagen würde, kann nicht beantwortet werden. Der überwiegende Teil des Publikums war mit dieser Fassung sehr zufrieden. Es gab Ovationen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert