Schafhausen feiert seine „Geburtsstunde“ vor 800 Jahren

Von: Johannes Bindels
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Das beeindruckende Panorama zeigt zum feierlichen Auftakt der Jubiläumsveranstaltungen anlässlich des 800-jährigen Bestehens von Schafhausen die Teilnehmer an der Andacht im Genhof. Foto: Bindels
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Das Trommlercorps „Einigkeit“ Schafhausen und das Bläsercorps „St. Donatus“ Schafhausen mit einem musikalischen Beitrag beim Festabend.
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In der Fotoausstellung des Heimatvereins Schafhausen erkennt man sich wieder.

Heinsberg-Schafhausen. Der Dreiklang aus sorgfältiger Planung, ehrenamtlichem Engagement und Zusammenarbeit der Vereine ließ das Großereignis der 800-Jahre-Jubiläumsfeier und des 29. Stadtmusikfestes im kleinen Ort Schafhausen erfolgreich gelingen.

Höhepunkte der dreitägigen Feierlichkeiten waren der Festabend mit dem Gastredner Dr. Arie Nabrings, die Ausstellungen „Von der Ähre bis zum Brot“ und die historische Fotoausstellung des Heimatvereins Schafhausen in der Festhalle sowie die musikalischen Auftritte der Teilnehmer zum Stadtmusikfest.

Mit einer ökumenischen Andacht am Kreuz im Genhof mit Propst Markus Bruns und Pfarrer Sebastian Walde demonstrierten auch die beiden Kirchen den gelebten Zusammenhalt. Gemeinsam mit der stellvertretenden Vorsitzenden des Heimatvereins, Dr. Ulla Louis-Nouvertné, wurden mit Gebeten und Fürbitten ganz im ökumenischen Geist die Feierlichkeiten eröffnet.

Die historischen Bezüge zur bäuerlichen Kultur sowie das Entstehen und die Fortentwicklung Schafhausens waren gleich am Ort der Andacht für die Teilnehmer sichtbar. Der Lanz Bulldog-Verein West aus Hückelhoven hatte mit den ausgestellten Exponaten und Maschinen das Thema „Von der Ähre bis zum Brot“ anschaulich nachvollziehbar gemacht.

Eröffnet wurde der Festabend durch die beiden Vorsitzenden, Dr. Ursula Gellissen vom Heimatverein Schafhausen und Thomas Krichel vom Trommlercorps „Einigkeit“. Den zahlreichen Gästen aus Politik, Wirtschaft, den Heimatvereinen aus dem Kreis Heinsberg und der Bürgerschaft bot sich ein abwechslungsreiches Programm aus musikalischen Beiträgen und Reden. Den Song „ A thousand Miles“ interpretierte Maria Randerath überzeugend, begleitet von Theo Krings am Piano von der Jugendmusikschule Heinsberg.

Ob beim Auftritt der Gemeinschaft der Kirchenchöre Schafhausen und Unterbruch oder bei den gemeinsamen Beiträgen des Trommlercorps „Einigkeit“ mit dem Bläserchor „St. Donatus“ und dem Trommler- und Pfeifercorps aus Randerath, die gute Zusammenarbeit der Vereine durchzog wie ein roter Faden den Abend.

Mit einem emotionalen Beitrag bereitete der Schirmherr und Ortsringvorsitzende Matthias Lambertz den inhaltlichen Höhepunkt des Festabends durch den Gastredner Dr. Arie Nabrings, Historiker und Leiter des „Rheinischen Archivs“ (LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrums in Brauweiler) vor.

„Erstmalig wird der Name Schafhausen (Schaphusen) in einer Urkunde von 1217 erwähnt“, begann Nabrings seinen Vortrag. In der Urkunde übertrage Dietrich I., ein Nachkomme der Herren von Heinsberg und Wassenberg, die Zinse und Kurmede des Lehnsguts „Hof Schafhausen“ an das Prämonstratenser Kloster von Heinsberg und sichere damit die wirtschaftliche Grundlage des Klosters.

Der Schafhausener Hof stelle den Ursprungskern der Gemeinde Schafhausen dar, erläuterte Nabrings. Die Zusammensetzung der Worte Schap (Schaf) und Husen (Siedlung) ergäbe den Hinweis auf eine Siedlung, in der man sich der Schafzucht verschrieb. Im Jahr 1666 entstand dann die Schreibweise Schafhausen.

In seinem Vortrag ging Nabrings auf die Verwaltungsgliederung, auf die Entwicklung der Infrastruktur und der Bevölkerungszahl, aber auch auf die Kirchengründung und Vereinsgründungen ein. Zuletzt richtete er seinen Blick auf statistische Zahlen zu Wahlen und auf die NS-Zeit, die auch beeinflussend Teil der Ortsgeschichte seien.

„Schafhausen war über lange Jahrhunderte ein einzeiliges Straßendorf gewesen“, erläuterte Nabrings. Dieses Faktum der Infrastruktur habe die Ortsentwicklung geprägt. Dies sei auch an der Einwohnerschaft ablesbar. 1852 habe der Ort nur 94 Gebäude und rund 500 Bewohner gehabt. Mit der Gründung der Glanzstoffwerke um 1900 sei ein Bevölkerungswachstum auf rund 1000 Einwohner zu verzeichnen gewesen.

Nach den zwei Weltkriegen und mit der Ausweisung von Bauland sei ein kontinuierliches Wachstum bis zum heutigen Tag feststellbar. Die Straßenbauten der L228 Ende des 19. Jahrhunderts und die Trassenführung der B221n förderten diese Entwicklung. Auch die Schulgründung 1822 und die Erweiterungen der Schule in den Jahren 1878, 1911 und 1958 seien Belege für die Ortsentwicklung, die im Bildungsbereich mit dem Bau des Kindergartens 1996 ein vorläufiges Ende erreicht habe.

Das Vereinsleben, das mit der Gründung des Männergesangvereins 1879 begonnen wurde, sei ständig erweitert worden und habe über viele Jahrzehnte bis heute Bestand gehabt und sei zuletzt im Jahr 2015 mit der Gründung des Heimatvereins bestätigt worden. Bemerkenswert sei auch die Beständigkeit bei den Wahlen und politischen Vorstellungen.

So habe der Ort sich mit nur einer geringen Zustimmung zur NSDAP ausgewiesen. 1932 habe die Partei Hitlers lediglich 14,9 Prozent der Stimme erhalten. Selbst nach der Gleichschaltung im März 1933 sei die Zustimmung nur auf rund 34 Prozent gestiegen. Die Mehrheit habe immer die Zentrumspartei und nach dem Krieg die CDU gewählt, beendete Gastredner Nabrings mit dem Blick auf die politische Einstellung der Ortsbevölkerung seinen Vortrag.

Was mit dem Festabend begann, setzte sich an den beiden folgenden Tagen fort, deren Schwerpunkte auf Kirmes und Handwerkermarkt sowie Führungen durch den Ort lagen. Erfolgreich angenommen wurde die Fotoausstellung, die manchem Gesprächsanlass über alte Zeiten diente.

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