Saharahitze beschert der Freibad- und Seesaison keine Rekorde

Von: Nicola Gottfroh
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Ein Bild aus heißen Sommertagen: Im Juli wollten viele Menschen im Freibad bei Temperaturen wie in der Sahara im kühlen Nass plantschen. Diese vier entschieden sich wie weitere 57 996 Besucher zu einem Gang ins Gangelter Freibad. Fotos (2): Gottfroh Foto: Gottfroh
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Der Wasserspiele-Park in der Amici Bay am Effelder Waldsee hat an den heißen Tagen des Sommer viele Besucher angelockt, allerdings hätten es nach Meinung der neuen Pächter noch mehr sein können. Foto: Gottfroh

Kreis Heinsberg. „Der Sommer war heißer, aber die Becken leerer.“ Ralf Weingarten, der technische Leiter des Freibads Kirchhoven, packt nun, wo der Sommer sich endgültig dem Ende zuneigt und die letzten Bäder und Seen allmählich ihre Tore geschlossen haben, seine Sommerbilanz in diesen einen Satz.

Denn trotz des Rekordsommers mit Saharahitze und vielen Sonnentagen ziehen die meisten Betreiber der Freibäder und Badeseen in der Region eine durchwachsene Bilanz für die Saison 2013.

„Letztes Jahr war nach dem verregneten Sommer die Saison schon schlecht – doch immerhin haben wir im vergangenen Jahr in Oberbruch noch deutlich mehr Besucher gezählt als in diesem guten Sommer in Kirchhoven“, bedauert Weingarten. Der technische Leiter hatte nach einem verregneten Start in die Saison im Mai und einem zu Beginn fast herbstlichen Juni kaum damit gerechnet, dass die Gäste noch einmal ins Bad strömen würden. Als als der Sommer Mitte Juni mit extremer Hitze kam, strömte nur der Schweiß, nicht die Besucher. Zum einen, weil der Sommer fast zeitgleich mit den Ferien eintraf und viele Familien in den Urlaub verabschiedeten. „Viele Familien haben sich das Eintrittsgeld vermutlich aber auch gespart und es stattdessen in einen Quickpool investiert. Die sind dann zu Hause im Garten geblieben und fehlten uns“, so Weingarten.

Die meisten Besucher lockte in diesem Jahr der 21. Juni ins Freibad – übrigens auch an den Brachelener Baggersee. 1580 Gäste tummelten sich an diesem Sonntag auf den Liegewiesen und den Becken des Freibads, 2200 Besucher am Brachelener Baggersee. Während Silke Otrzonsek vom für den Baggersee zuständigen Schulverwaltungs- und Sportamt Hückelhoven mit diesem Tagesergebnis und auch der gesamten Jahresbilanz vollkommen zufrieden ist – immerhin hat sich die Zahl der Seebesucher mit 18498 um fast 3000 gesteigert – zeigt sich Weingarten eher frustriert, dass in Kirchhoven nicht mal der Tagesrekord des Vorjahres geknackt werden konnte. „Die Besucherzahl am besten Tag des Jahres ist vergleichsweise niedrig. Im vergangenen Jahr haben wir am 22. Juli 2500 Gäste an einem Tag gezählt“, sagt er. „Vor zehn Jahren hatten wir an heißen Tagen in Oberbruch und in Kirchhoven jeweils 4000 Besucher“, erinnert er sich.

Dennoch: insgesamt 30.100 Freibadgäste haben in diesem Sommer den Weg nach Kirchhoven gefunden. Das sind einige Tausend mehr als an den Effelder Waldsee gekommen sind. Dennoch sind die beiden neuen Pächter Henry Maessen und Maurice Bonné mit ihrer ersten Saison am Waldsee recht zufrieden. „Wir hatten zwei Spitzentage, an denen rund 2500 Gäste an einem Tag da waren, und sechs bis sieben gute Tage“, sagt Maurice Bonné. Während der Juli fantastisch gewesen sei, habe der August enttäuscht, bilanziert er. Das soll sich im kommenden Jahr, wenn das Angebot noch stärker erweitert werden soll, ändern. Immerhin: 15.000 bis 18.000 Besucher, so schätzt Maurice Bonne, seien am Effelder Waldsee in der Amici Bay zu Gast gewesen. „Unterm Strich ein guter Start“, findet der Pächter.

Zufriedenheit in Erkelenz

Einen guten Start legte auch das Erka-Bad hin. Nachdem es im letzten Jahr keine Liegewiese im Außenbereich gab und dann auch noch wegen Reparaturarbeiten über den Sommer geschlossen werden musste, konnten die Verantwortlichen in diesem Jahr einen richtig guten Schnitt machen. Das Wetter spielte mit und den Sonnenanbetern konnte rechtzeitig zur Sommersaison das gesamte Außenareal als Liegewiese zur Verfügung gestellt werden. Das begeisterte: 42.000 Besucher wurden allein in den Monaten Juli und August im Erka-Bad begrüßt. „Wir freuen uns wahnsinnig über diese gute Bilanz. Vor allem die Sonnentage zu Schulbeginn, als die meisten Seen und Bäder ihre Tore schon geschlossen hatten, hat bei uns noch einmal für einen echten Andrang gesorgt“, sagt Badleiter Hasan Gülan.

Weniger begeistert, sondern vielmehr ein wenig enttäuscht von den Besucherzahlen im Saharasommer ist man im Gangelter Freibad. Dabei wurden mit 58.000 Gästen in diesem Jahr 5000 mehr gezählt als 2012. „An das Rekordjahr 2003 kommen wir aber auch mit dieser Steigerung noch lange nicht ran“, bedauert Gangelts Bürgermeister Bernhard Tholen. Damals strömten in einer Saison unglaubliche 116.000 Schwimmer aufs Gelände. „Klar ist: Um die Kosten zu decken, reichen die Besucherzahlen in diesem Jahr auf jeden Fall nicht“, so Tholen. Immerhin gab es zwei kostenintensive Faktoren: Zum einen waren die Heizkosten durch den kalten Mai und Juni verhältnismäßig hoch. „Von Mitte Juni bis August haben es unsere Solaranlagen problemlos geschafft, das Wasser im Becken aufzuheizen. Im Mai aber kratzten die Temperaturen zumindest nachts noch an der Null-Grad-Grenze. Die Wassertemperatur dann zu halten – das schaffen die Solaranlagen dann nicht. Und dann wird es teuer“, so Tholen. Als es endlich dann Mitte Juni warm wurde, habe eine Sicherheitsfirma, die im Bad für Ordnung sorgen sollte, weitere Kosten verursacht.

Ob die Gegenwart des Sicherheitsdienstes zudem Einfluss auf die Besucherzahlen genommen hat – positiv oder negativ – lasse sich nicht sagen, sagt Tholen. Sicher sei aber, dass die restliche Saison dadurch ruhiger und mit weniger Problemen durch alkoholisierte und Krawallmacher abgelaufen sei. So konnten am bestbesuchten Tag des Jahres, dem 28. Juli, 3400 entspannt baden.

Auch wenn die Tore der meisten Seen und Freibäder jetzt schließen, für die Mitarbeiter ist die Saison noch lange nicht zu Ende. Jetzt geht‘s ans aufräumen und winterfest machen der Anlagen. Und das wird sicher noch ein paar Wochen in Anspruch nehmen. Erst dann ist der Sommer wirklich zu Ende – bis der nächste kommt und seinem Namen hoffentlich alle Ehre macht.

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