Ruhrpott-Alltag: „Schantall, tu ma die Omma winken!“

Von: anna
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Ein bisschen Comedy war auch in Heinsberg dabei, als Kai Twilfer dem Publikum seine Fotosammlung ausgefallener Tattoos zeigte. Foto: anna

Heinsberg. Ein Autor belletristischer Schriften, nein, so fühlt sich Kai Twilfer sicher nicht. Ein trockenes Sachbuch ist das Werk aber auch nicht, das ihm den Ruhm eines Jahres-Bestsellers 2013 beschert hat.

Es war eher ein Zufall, der ihn dazu brachte, seine Ruhrpott-Beobachtungen einfach aufzuschreiben. Das erfuhren die Besucher der Lesung in der Heinsberger Buchhandlung Gollenstede von ihm persönlich.

Eigentlich ist Twifler, 1976 in Gelsenkirchen geboren und echtes Ruhrpott-Kind, ein Wirtschaftswissenschaftler. Schon während seines Studiums gründet er seine erste Firma. Heute ist er Chef eines Großhandels für Produkte aus dem Ruhrpott. Seine Beobachtung: Die Postkarte mit der Aufschrift „Schantall, tu ma die Omma winken!“, ging besonders gut.

So gab‘s den Titel vor dem Buch, in dem Twilfer, der sich selbst einen „Lachbuchautor“ nennt, seine Beobachtungen skurrilen Ruhrpott-Alltags in eher bildungsfernen Familien aufgeschrieben und dabei vielfach stark satirisch unterfüttert hat.

Warum er in seiner roten Mappe gleich zwei Leseexemplare, mit vielen Zettelchen und Markierungen darin, bei sich hat, erklärt er auf Nachfrage auch gerne. „Das eine ist das Lesebuch, das andere das Bühnenbuch“, erklärt er. Twilfer nicht nur als Lesung, sondern auch als Comedy-Abend gibt‘s nämlich mittlerweile auch schon. Aber heute ist die Lesung dran, nachdem der Autor ausführlich die Ruhrpott-Aussprache vor allem englischer und französischer Vornamen all der „Schajenns, Schakkelines und Tschastins“ präsentiert hat.

Einfach sei es nicht gewesen, das Buch auf den Markt zu bringen, räumt Twilfer ein. Von 20 angeschriebenen Literaturagenturen hätte es nur eine genommen, von 19 Verlagen hätten dann 18 abgesagt.

Im Laufe dieser Entwicklung sei dann auch erst der Sozialarbeiter Jochen hinzugekommen, der sich um Schantall und ihre Familie, die Pröllmanns kümmere, die in Bochtrop-Rauxel lebt. „Ich wollte ja nicht auch noch eine Stadtverwaltung verärgern“, bemerkt er zu der Wahl eines fiktiven Ortes.

Mit seiner Lesung startet Twilfer schließlich in Kapitel fünf von zehn und berichtet unter dem Titel „Beruf kommt von Berufung“ von Schantalls Praktikum als Friseurin.

Zurück zu Kapitel vier folgt die Satire einer Wohnungsbeschreibung, überschrieben mit „My home is my castle“. Das „Kopfkino“ solle angeregt werden, erklärt Twilfer bei der übertriebenen Beschreibung der 18-sitzigen Sofagarnitur und der gerade einmal zwei Quadratmeter großen Küche im elften Stock.

Schließlich lässt Kai Twifler die Besucher seiner Lesung in Heinsberg teilhaben an einem Kirmesbesuch der Pröllmanns, den er kurzerhand auf den Erkelenzer Lambertusmarkt verlegt. Höhepunkt dabei ist, dass Mutter Pröllmann ganze 197 Euro ausgegeben hat, um eine kleine Grünpflanze fürs Wohnzimmer in der Losbude zu ergattern.

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