Rückzug: Schiedsmann Brandes legt Amt nieder

Von: hewi
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Der Beigeordnete Dr. Hans-Heiner Gotzen, Bürgermeister Peter Jansen und Dr. Gregor Kral (rechts), stellvertretender Direktor des Amtsgerichts Erkelenz, verabschiedeten Schiedsmann Frank-Detlef Brandes. Foto: Koenigs

Erkelenz. Es gibt kaum schlimmere Zeitgenossen als die Nachbarn. Das hat auch Frank-Detlef Brandes erlebt. Denn zehn Jahre lang war er als Schiedsmann in Erkelenz für das Amtsgericht tätig, um Streitereien zwischen Nachbarn zu schlichten und ein Verfahren am Gericht durch eine Einigung abzuwenden. Nun hat er sein Ehrenamt niedergelegt und zieht sich aus dem Streit-Business zurück.

Grund genug für Bürgermeister Peter Jansen und den stellvertretenden Direktor des Amtsgerichts, Dr. Georg Kral, Brandes für seine Arbeit zu danken. Der 1939 in Berlin geborene Kaufmann ist den meisten Erkelenzern wohl als Kaufmann bekannt, denn bis 2001 war er Inhaber und Namensgeber eines Schuhhauses am Markt. Erst nach dem Rückzug aus dem Schuhgeschäft, das er seit 1970 in Erkelenz betrieb, zog Brandes nach Erkelenz.

Als Schiedsmann wurde er im März 2003 vereidigt. Bei seiner Arbeit habe er sich oft an die TV-Serie „Königlich-Bayerisches Amtsgericht“ erinnert gefühlt, erklärte der Geehrte schmunzelnd.

Zu seiner Verhandlungsstrategie gehörte, dass die Streithähne erst einmal ordentlich Dampf ablassen konnten, bevor er mit ihnen eine Einigung erarbeitete und diese dann auch protokollarisch festhielt. Dabei habe er oft mit dem Irrglauben aufräumen müssen, dass er „Recht sprechen“ könne. „Dazu war ich ja nicht berufen“, betonte er. „Ich war zum Schlichten und nicht zum Richten da.“ So sei seine Aufgabe gewesen, eine Einigung zu erzielen, bevor es zu einer Verhandlung kommt. „Die Fälle, mit denen ich mich befasst habe, waren oft über Jahre und Jahrzehnte zu dem herangewachsen, was mir dann präsentiert wurde“, erinnerte er sich. Rechtsverbindlich waren seine Vorschläge nicht. Vielmehr bekamen sie durch die Bereitschaft der Beteiligten ihre Wirksamkeit. Er selbst nahm seine Aufgabe sehr ernst. „Erfolglosigkeit in der Sache habe ich als persönliche Niederlage betrachtet“, betonte er. Die Sitzungen fanden im familiären Rahmen in seinem Privatbüro und bei Tee und Gebäck statt.

„Er war und ist eine Institution in Erkelenz“, erklärte Bürgermeister Jansen anerkennend über Brandes. „In den Streitfällen, die er schlichtete, hat er sich immer durch Ideen und lösungsorientierte Vorschläge eingebracht.“

Auch der Jurist Kral betonte, dass die Aufgabe des Schiedsmannes sehr wichtig sei, da sie zur Entlastung des Gerichts führe. Bei der großen Mehrheit, den sogenannten „Tür- und Angelfällen“ konnte Brandes vermitteln, ohne ein Fallprotokoll erstellen zu müssen. Die „echten“ und protokollierten Fälle beliefen sich auf bis zu 18 pro Jahr. Was da ausgehandelt wurde, war nach der Einigung der Kontrahenten rechtskräftig, denn Brandes war de facto eine „dienstsiegelführende Behörde“. Sich an ihn oder seine beiden in Erkelenz ebenfalls aktiven Schiedskollegen zu wenden, ist mit 40 Euro preiswerter als es auf eine Gerichtsverhandlung ankommen zu lassen.

Bei der Bevölkerung genießt Brandes einen guten Ruf und wurde nach eigener Aussage wegen seiner Tätigkeit noch nie angefeindet.

„Die meisten Menschen wollen ja mit ihren Mitmenschen in Frieden leben“, lautet sein Resümee. Dazu habe er durch seine Arbeit beigetragen. Dass er nach zehn Jahren aufhört, bedeutet nicht, dass er sich aufs Altenteil zurückzieht. Vielmehr ist er noch in der Objektbetreuung und Hausverwaltung aktiv.„ “ „ “

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