Römische Münze entfacht ein Feuer, das nicht mehr erlischt

Von: anna
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Oliver Hermanns mit der Scherbe eines Tellers. Foto: anna

Wassenberg. Schon in der Schule gehörten Erdkunde und Geschichte zu den Lieblingsfächern von Oliver Hermanns aus Birgelen. Daraus wurde eine Leidenschaft für alles Historische, was sich so finden ließ.

„Wassenberger Funde aus Feld und Flur – Von den Römern bis ins Dritte Reich“ heißt eine Ausstellung im Rathaus, bei der Hermanns jetzt in zwei Vitrinen, seinen Beitrag zur Geschichte seiner Heimat dokumentiert.

„Seit ich im Alter von zehn Jahren der seinerzeit in Köln ausgestellten, weltberühmten goldenen Totenmaske des ägyptischen Pharaos Tutanchamun gegenüberstand, faszinieren mich antike Objekte“, erzählt der 44-Jährige, der im Hauptberuf Fleischer ist. Ende der 1990er Jahre kaufte er sich eine römische Münze. „Da sprang ein Funke über, dessen Feuer bis heute lodert“, beschreibt der Hobby-Archäologe seine Leidenschaft.

„Auf den Feldern zwischen Steinkirchen und Effeld las ich die ersten Scherben auf“, erinnert er sich. Das war im November 2000. Auf den Feldern könne man meist nur Scherben finden, weil die Funde durch das Pflügen oft zerstört würden. Bald gehörte ein einfaches Metallsuchgerät zu seiner Ausrüstung. So konnte er auch erste Metallfunde bergen.

„Da ich mir hinsichtlich der Datierung meiner Funde unsicher war, veröffentlichte ich sie in einem fachbezogenen Internetforum“, erzählt Hermanns. Dort wurde seine Vermutung bestätigt. „Es handelte sich überwiegend um römische Artefakte.“ Mit dieser Gewissheit meldete er seine Funde dem Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege in der Außenstelle Wollersheim. Der damalige Leiter Paul Wagner habe sich Zeit genommen, ihm all seine Stücke zu erklären und sie zu datieren.

Es sei ihm wichtig, dass alle seine Funde wissenschaftlich ausgewertet würden. So könne er ein kleines Mosaiksteinchen zur Geschichte seiner Heimat hinzufügen, sagt er. Und so fand er zum Beispiel in der Nähe von Orsbeck Scherben und Teile von Gefäßen, die aufgrund ihrer Größe darauf schließen lassen, dass ich hier einmal eine Taverne befand. So wird vermutet, dass sich unweit des Orsbecker Rurübergangs einmal ein römisches Straßendorf, ein sogenannter Vicus, befunden hat.

Das vermutete Straßendorf habe an einer Römerstraße gelegen, die wahrscheinlich eine nicht unwichtige Nebenstrecke der Nord-Süd-Verbindung war, so der Hobby-Archäologe. „Wie viele Soldaten, Händler und auch reiche Edelherren werden wohl diese Furt passiert haben?“, denkt er sich laut in die Geschichte zurück. Im vierten und fünften Jahrhundert nach Christus seien die Römer jedoch aufgrund von Germaneneinfällen wieder abgezogen. Die zurückgelassenen Gebäude seien wahrscheinlich von den danach herrschenden Franken als Baustoff abgetragen worden.

Alle Funde, die Hermanns im Rathaus zeigt, stammen aus der Zeit von 2000 bis 2010. Weniger materiell aber für ihn und auch für den Wassenberger Heimatverein ideell wertvolle Funde sind da zum Beispiel ein Kochtopfdeckel oder ein Mühlstein. Auch über „Kleinigkeiten“, die dem unbedarften Betrachter der Funde auf Anhieb auffallen, kann der Sammler ganz spannend erzählen, etwa über die antike Bohrung in dem Fragment eines römischen Dachziegels oder über den Fingerabdruck, den ein römischer Töpfer in einer anderen Tonscherbe hinterlassen hat.

Einen ganz besonderen Fund hat Hermanns allerdings auch in seiner Sammlung: ein Teil eines gläsernen, blauen Armreifs aus der Zeit um 100 vor Christus. Davon zeigt er im Rathaus nur ein Foto. „Das ist mir zu wertvoll!“, sagt er.

Zu sehen sind die Funde von Oliver Hermanns im Rathaus zu den Öffnungszeiten, montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr sowie montags, dienstags und donnerstags von 14 bis 16 Uhr. Jeden zweiten Samstag im Monat ist das Rathaus auch von 10 bis 12 Uhr geöffnet.

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