Heinsberg - „Richtig leben“: Lesung und Talk mit Jürgen Domian

„Richtig leben“: Lesung und Talk mit Jürgen Domian

Von: Johannes Bindels
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Bemerkenswerte Lesung: Gastgeber Marcus Mesche und Autor Jürgen Domian. Foto: Johannes Bindels

Heinsberg. Nicht um Mitternacht, sondern zur besten Sendezeit folgten mehr als 120 Zuhörer dem bekannten Radio- und TV-Moderator Jürgen Domian bei der Lesung zu seinem Buch „Richtig leben“ in der Buchhandlung Gollenstede in Heinsberg. In mehr als 20.000 nächtlichen Telefongesprächen seit 20 Jahren hat Domian die ganze Bandbreite menschlichen Lebens bis hin zu den unvorstellbaren Abgründen kennengelernt.

In seinem Buch formuliert der Autor Orientierungsansätze für den Weg in ein richtiges Leben. Die Auseinandersetzung mit der ZEN-Philosophie und der religiösen Mystik sowie als Gegenpol die sieben Todsünden Hochmut, Gier, Neid, Zorn, Wollust, Völlerei und Trägheit sind der rote Faden seines Buches.

Abarten und Grausamkeiten

„Mein Buch ist kein Ratgeber-, aber wohl ein Gedankengeberbuch“, stellt Domian gleich eine Einordnung seines Buches vor. „Erst lesen, dann talken, dann wieder lesen“, informiert er das Publikum gleich am Anfang über den Ablauf des Abends. Dass Menschen Orientierung brauchen, weiß er auch aus beruflicher Erfahrung. Wie lebt man richtig? Nicht nur in seinen nächtlichen Telefongesprächen werde er konfrontiert mit allen Abarten der Egozentrik – vom abstoßenden Sexualfetisch bis zu geplanten Grausamkeiten gegen das eigene oder fremde Leben.

Auch im öffentlichen Bewusstsein sei bekannt, dass jeder sich als Zentrum der Welt empfinde. Eitelkeit als Ausdruck des Zeitgeistes. Jeder wolle ein Star sein. Jugend und Schönheit stehen im Zentrum des Denkens und Handelns der Menschen, befeuert von den Medien und der Werbung. Alter und Krankheit werden ignoriert. Demut, Selbstlosigkeit, Bescheidenheit und Mitgefühl seien verloren gegangen. Sieht so richtiges Leben aus? Sätze, die gleich im ersten Kapitel in die Probleme der heutigen Gesellschaft einführen und Themen seines Buches sind.

An einem exemplarischen Beispiel aus einem seiner Gespräche wird modernes Leben nachvollziehbar. „Immer habe ich nur meine Karriere im Auge gehabt. Habe die Gefühle der anderen beiseite geboxt. Berufliche Termine waren mir wichtiger als der Besuch bei meiner sterbenden Mutter. Freiheit wichtiger als Familie. Ich habe immer nur an mich gedacht, deshalb denkt jetzt, wo ich bald sterben werde, niemand an mich“, heißt es darin. Spätestens im Angesicht des Todes erwachen viele. Gibt es etwas Schlimmeres, als auf dem Sterbebett erkennen zu müssen, dass man falsch gelebt hat?

Philosophen und Mystiker

Jürgen Domian zitiert den Philosophen Immanuel Kant an einer Stelle im Buch, der mit seinen Fragen: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch? und der Suche nach einer Antwort darauf den Menschen eine Handlungsanleitung geben könnte. Neben der Reise zu einigen Philosophen wie Seneca, Marc Aurel, Friedrich Nietzsche und Albert Camus und deren Antworten auf die Fragen zieht Domian auch Vergleiche zu den großen Mystikern wie Meister Eckhart und der Zen-Philosophie, wenn er sich mit den Todsünden der christlichen Lehre beschäftigt und dabei den derzeitigen Zeitgeist kritisch beleuchtet.

Fragen aus dem Publikum wie: „Wissen Sie jetzt, wie man richtig lebt?“ beantwortet er souverän damit, dass jeder Tag wie ein kleines Leben sei. Und jeden Tag neu anfangen zu dürfen, sei eine Chance für alle. Er lässt keinen Zweifel daran, dass er immer Respekt mit den Opfern habe, aber keinen mit den Tätern, die keine Reue zeigen würden. Für ihn selber biete ZEN, was wie eine schwebende Wolke am Himmel sei, eine Orientierung. Es gebe ihm die Stille, die er suche, auch bei seinen Wanderungen in Lappland.

Schluss mit dem Nacht-Talk

Und an diesem Abend lässt Jürgen Domian auch seine Fans wissen, dass er Ende 2016 mit der Sendung Domian aufhöre. Auch weil er Lust habe, mal wieder nachts zu schlafen und ein normales Leben zu führen. Das sei sein Weg, ein richtiges Leben zu führen.

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