Rheinlandtheater Neuss auf der Bühne der Begegnungsstätte

Von: Johannes Bindels
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„Geliebte Aphrodite“-Aufführung mit Grundschwäche: Lenny im Rotlicht-Etablissement bei der Hure Linda. Foto: Johannes Bindels

Heinsberg. „Geliebte Aphrodite“ hieß die Aufführung des Rheinlandtheaters Neuss in der Begegnungsstätte Heinsberg. Die Film-Komödie „Mighty Aphrodite“ von Woody Allen, die als Vorlage für die Bühneninszenierung von Peter Wallgram diente, löste nicht nur wegen der Diskrepanz zwischen Anspruch und Umsetzung beim Publikum großen Zwiespalt aus.

Zweideutige Anmerkungen und eindeutige Utensilien bedienten eher Klischees und ein Niveau, das keineswegs den eigensinnigen Humor eines Woody Allen auf die Bühne transportieren konnte.

„Die Herausforderung liegt darin, dem Stück eine Berechtigung für die Bühne zu geben: ebenso leichtfüßig und humorvoll auf der guten Seite des Geschmacks theaterwirksam zu sein“, lautete eine herausgehobene Erläuterung von Peter Wallgram auf der Begleitinformation fürs Publikum. Ein eindeutiger Hinweis auf den Versuch zur positiven Einstimmung des Publikums. Aber ebenso ein indirekter Hinweis auf die ambivalent vorhandene Grundschwäche der Aufführung – dass Anspruch und Inszenierung der Bühnenfassung auseinanderklafften. „So was Albernes“, lautete des Öfteren die Zwischenbemerkung eines älteren Ehepaares, das mit dieser Meinung wohl nicht alleine stand.

Was war inhaltlich und darstellerisch auf der Bühne zu sehen? Der Sportjournalist Lenny Weinrib (gespielt von Rainer Scharenberg) und seine Frau Amanda (Linda Riebau), Kunstgaleristin, gehören zur besseren Gesellschaft New Yorks. Da es schick ist in ihren Kreisen, ein Kind zu haben, äußert Amanda diesen Wunsch. Eine Schwangerschaft kommt aber für die Karrierefrau nicht in Frage. Die ständige Zigarette in ihrer Hand kennzeichnet wohl den geschäftigen Erfolgsmenschen, wie auch ein Kind zu haben eher als Schmuck denn als wirkliches Mutterbedürfnis zu werten ist. Max heißt das adoptierte Kind, zu dem Lenny positive Gefühle aufbaut. Seine Nachforschungen, wer die wirklichen Eltern sind, führen ihn zur Mutter.

Linda Ash (Juliane Pempelfort), die leibliche Mutter, ist eine naive Prostituierte, die sich mehr schlecht als recht auch schon in Pornofilmen verdingt hat. Weil Lenny nicht will, dass sein Kind Max dies erfährt, versucht er Linda aus dem Rotlichtmilieu freizukaufen und ihr einen ebenso einfach gestrickten Boxer, der Sehnsucht nach Landleben und traditionellem Familienleben hat, als Ehemann schmackhaft zu machen. Seine Zwiesprache, wenn er Zweifel hat, führt er mit einem seltsamen Chor (Hergard Engert, Philipp Alfons Heitmann, Johanna Freya Iacono-Sembritzki, Bernhard Glose und Andreas Spaniol) aus griechischen Sagengestalten von Teiresias, dem Seher, Jokaste, Mutter des Ödipus, bis zur Unheil verkündenden Kassandra. Der Bezug zur Antike – auch in der Namensgebung Aphrodite, die Schaumgeborene, angedeutet – wirft die Frage auf, ob das Thema der Befreiung der Hure Linda nun gleich einer griechischen Tragödie wie die des Ödipus zu werten ist, oder doch nur ein flacher Hollywood-Klamauk ist. Lennys Plan geht in erwarteter Komödienverwicklung schief...

Das Ensemble holte schauspielerisch das Beste aus dem Inszenierungsrahmen raus. Starke Leistungen boten Lenny (Rainer Scharenberg) und Linda (Juliane Pempelfort) in den Szenen, in denen sie sich selbst hinterfragten oder sich umeinander bemühten und ihre wachsende Zuneigung und den Respekt entwickelten. Dramaturgisch geschickt wechselten die Bühnenbilder mit wenigen Handgriffen fließend während der Übergänge zu den nächsten Szenen.

Die Überzeichnung von Personen und Utensilien ist zwar das Element der Komödie. Aber etwa ein Schnurtelefon als Verbindung zum Göttlichen, oder ein übergroßer Plastikpenis – einmal als Symbol für den gekauften Sex, ein andermal als Sandsack für den Boxer dienend – ist jedoch der schmale Grat zwischen Überzeichnung und Albernheit. In letztere musste das Abrutschen daher zwangsläufig erfolgen.

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