Retter sind für den Ernstfall gerüstet

Von: Anna Petra Thomas
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Jetzt ist schnelles Handeln angesagt: Nach dem fiktiven Zusammenstoß mit dem Auto kommt der Triebwagen der Bahn erst 120 Meter weiter im freien Gelände zum Stehen. Erstmals kommt jetzt die neue Arbeitsplattform aus dem „Gerätewagen Bahn“ zum Einsatz. Damit können Fahrgäste in freiem Gelände aussteigen und Verletzte geborgen werden. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. 12.58 Uhr. Wie an jedem Tag schließen sich am Bahnübergang Kuhlertstraße die Schranken, weil der Zug aus Heinsberg naht. Doch an diesem Tag ist alles anders: Mitten auf dem Bahnübergang steht ein defektes Auto. Der Bahnführer erkennt die Situation, versucht eine Vollbremsung – zu spät!

Die Bahn kracht in den Pkw, der nach rechts ins Gelände fliegt und dort einen Bauarbeiter schwer verletzt unter sich „begräbt“. Erst 120 Meter weiter kommt der Triebwagen zum Stehen.

Die Beifahrerin im Wagen kann sich selbst befreien. Der Fahrer ist ebenso wie der Bauarbeiter schwer verletzt. Von den 32 Insassen der Bahn tragen fünf Beinbrüche, Kopfverletzungen oder Schnittwunden davon – perfekt geschminkt von Feuerwehrmann Friedel Wellens aus Aphoven, denn alles ist nur Übung!

Die Heinsberger Feuerwehrleute proben am Samstagmittag in Schafhausen den Ernstfall, den natürlich auch sie nie erleben wollen. Doch natürlich wollen sie darauf gut vorbereitet sein, wenn ab Mitte Dezember die Bahn regelmäßig fährt zwischen Heinsberg und Lindern. So hat Ralf Wählen, Leiter der Heinsberger Feuerwehr, eine Übung entwickelt, zu der nach dem fingierten Unfall die Löscheinheiten aus Dremmen, Heinsberg, Oberbruch, Schafhausen-Schleiden und aus der Stadtverwaltung alarmiert werden.

Insgesamt 46 Feuerwehrleute aus dem Stadtgebiet haben sich seit Anfang des Jahres in mehr als 600 Stunden freiwillig fortgebildet, um bei einem Unfall mit Beteiligung der Bahn kompetent helfen zu können. Denn ein solches Szenario bringt zwei Situationen mit sich, die für Feuerwehr und Rettungskräfte neu sind: Zum einen müssen sie Verletzte auch bei unwegsamem Gelände aus der Bahn retten können. Ebenso wichtig ist aber der korrekte Umgang mit der gesamten Elektrik. Allein dafür gibt es jetzt bei der Heinsberger Feuerwehr 13 sogenannte Bahn-Erdungsberechtigte.

Spezielle Gerätschaften

Wenn die Gefahr besteht, dass Gerätschaften oder Menschen mit der Strom führenden Oberleitung in Berührung kommen, muss zunächst der Strom abgeschaltet werden und danach die Leitung vor und hinter dem Triebwagen geerdet werden. Auch das klappt bei der Übung ohne Probleme.

Zum Einsatz kommt zudem erstmals der neue „Gerätewagen Bahn“. Dazu haben die Feuerwehrleute einen bisher anders genutzten Gerätewagen der Dremmener Löschgruppe neu ausgebaut. Er enthält jetzt den sogenannten „Rüstsatz Bahn“. Dieser besteht aus einer Arbeitsplattform, die den Ausstieg aus den Türen ermöglicht, zwei Rollpaletten, die mit Material über die Gleise bis an den Triebwagen herangefahren werden können, und fünf sogenannten Schleiftragekörben für die Bergung schwer verletzter Menschen.

Wie wichtig diese Materialien sind, zeigt sich sehr schnell. Denn zu den Menschen, die in dieser sehr realitätsnahen Übung aus dem Triebwagen herausgeholt werden müssen, gehört zum Beispiel auch ein Bewohner des Dremmener Marienklosters, der im Rollstuhl sitzt. Doch auch das gelingt reibungslos. Während im ersten Einsatzabschnitt Feuerwehrleute und Rettungskräfte weiter damit befasst sind, den Autofahrer zu bergen, kümmern sich Rettungskräfte in einem dritten Einsatzabschnitt auf einer Wiese um die geborgenen Verletzten.

Beobachter am Rande sind Vertreter von Polizei und Technischem Hilfswerk (THW), das zum Beispiel dann zum Einsatz kommen würde, wenn der Triebwagen der Bahn gesichert werden müsste. Durch den Einsatz beim ICE-Unglück in Fulda im Jahre 2008 habe man damit im Ortsverband Hückelhoven bereits Erfahrung, berichtet Ortsbeauftragter Michael Andres.

Rund 60 Teilnehmer

„Sehr zufrieden“, lautet das Resümee von Feuerwehrleiter Wählen zu der Übung, die sein Stellvertreter Hans-Leo Schreinemachers geleitet hat und bei der rund 60 Kräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst im Einsatz waren. „Sie hat genau das erbracht, was ich mir erhofft habe“, sagt er. „Die Zusammenarbeit der verschiedenen Hilfsorganisationen hat schon sehr gut geklappt.“ Zur detaillierten Manöverkritik mit den Verantwortlichen der Rurtalbahn, allen voran Eisenbahnbetriebsleiter Erwin Pohé und Notfallmanager Christoph Gödecke, will er sich in den nächsten Tagen treffen.

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