„Réparer les vivants“: Zweisprachige Lesung fasziniert Zuhörer

Von: Anna Petra Thomas
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Maylis de Kerangal (Mitte) stellte ihr Buch „Réparer les viants“ zusammen mit der Übersetzerin Andrea Spingler (links) und Dolmetscherin Sylvie Schenk (rechts) vor. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. „Liest sie denn auch in Französisch?“, fragte eine Besucherin schon ganz interessiert, bevor die französische Autorin Maylis de Kerangal in der Heinsberger Buchhandlung Gollenstede eintraf. Klar tat sie das, oder besser, wollte sie das, denn zuerst einmal fiel ihr auf, dass ihre französische Originalausgabe mit dem Titel „Réparer les vivants“ gar nicht in ihrer großen Handtasche steckte, sondern sie sie im Auto vergessen hatte.

Kein großes Problem, denn das Auto stand nicht weit, und Dr. Oliver Vogt vom Verein „EuregioKultur“ war gerne behilflich. Er eilte davon, um das Buch zu holen. Die Buchautorin stimmte sich derweil ab über den Verlauf des Abends, mit Andrea Spingler, der Übersetzerin der deutschen Ausgabe mit dem Titel „Die Lebenden reparieren“, und mit Sylvie Schenk, die diesen besonderen Abend in der Buchhandlung zugleich dolmetschen und moderieren sollte.

Das Buch von Maylis de Kerangal ist eines von sechs Werken, die in diesem Jahr für den Euregio-Schüler-Literaturpreis nominiert sind. Ein weiteres Buch aus Frankreich sowie zwei aus den Niederlanden und zwei aus Deutschland sind noch im Rennen um den Preis, der am 20. April in Aachen verliehen wird. Zum dritten Mal sind die nominierten Autoren in diesem Jahr nicht nur in Schulen unterwegs, um ihre Werke vorzustellen, sondern bestreiten auch Lesungen für Erwachsene, wie in der Buchhandlung Gollenstede, die einer der Partner des Projekts ist.

„Maylis de Kerangal gehört schon jetzt zu den großen Stimmen der aktuellen französischen Literatur“, stellte Sylvie Schenk die Autorin vor. Sodann gab sie einen kurzen Überblick über die Handlung des Romans und um die handelnden Personen. Alles dreht sich um einen 20 Jahre jungen Surfer, der bei einem Autounfall ums Leben kommt und dessen Eltern jetzt einer Organspende zustimmen sollen.

Bücher, die für den Preis nominiert werden, müssen auch in den beiden jeweils anderen Sprachen verfügbar sein. Und so lasen die Übersetzerin Andrea Spingler und die Autorin selbst insgesamt sieben unterschiedliche Passagen aus dem Buch vor, Andrea Spingler in Deutsch und Maylis de Kerangal in Französisch. Während Andrea Spingler ihren Text sehr ruhig vortrug, erzeugte die Autorin mit ihrer französischen Version einen Sog, der das Publikum noch einmal ganz intensiv die gewählte Textpassage nachspüren ließ. Die Gesten, die mit ihrer freien Hand die Lesung begleiteten, intensivierten dieses Gefühl noch weiter.

In den ausgewählten Passagen beschrieb Maylis de Kerangal das Herz von Simon Limbre als die „Blackbox“ seines Körpers, seine Gefühle als Surfer in dem Moment, wo er sich in der Welle aufrichtet, das Telefonat der Eltern über den Hirntod ihres Sohnes Simon, das Gespräch des Pflegers mit den Eltern über eine Organspende, die Kommunikation mit dem Krankenhaus der Empfängerin des Herzens, die Operation selbst und schließlich den Pfleger bei der Vorbereitung des toten Simon Limbre für die Beerdigung.

Ihre Beschreibungen sind eindrucksvoll, „mit bisweilen brutalem Blick aufs Detail“. So liest es sich in einer der vielen zu diesem Werk bereits erschienenen Rezensionen. Bildreich ist die Sprache zudem, wenn etwa der Chirurg im OP steht, „Arme eines Catchers und Finger einer Spitzenklöpplerin“.

So geschickt schleicht sich Maylis de Kerangal in ihrem Buch von der Rolle der Erzählerin in die des jeweiligen Protagonisten, dem sie die Stimme verleiht, mit der er seine Emotionen rücksichtslos preisgibt. Und es stimmt, was die Rezension resümiert: „Am Ende dieses eindrucksvollen Romans hat man ein ganzes Leben gelebt und ein neues begonnen.“

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