Reiseziele 2016: Tunesien und Ägypten werden gemieden

Von: Sonja Essers
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Stornierungen gab es im Reisebüro von Dietmar Spielkamp bisher noch nicht. Aber die Heinsberger hätten klare Vorstellungen, wo sie ihren Urlaub verbringen möchten oder auch nicht, sagt er. Foto: Essers
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Insbesondere die Balearen, also Mallorca (im Bild), Ibiza, Menorca und Formentera und die Kanaren profitieren von der aktuellen Situation. Foto: stock/people

Heinsberg. Vor wenigen Wochen kamen bei einem Selbstmordanschlag in der türkischen Metropole Istanbul zehn deutsche Urlauber ums Leben. Hat das Auswirkungen auf die Urlaubsbuchungen in Heinsberg? Werden Türkei-Reisen nun storniert oder wird gezielt nach sicheren Zielen gefragt? Die Reisebüros in Heinsberg, Erkelenz und Hückelhoven haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht.

Eine Meinung teilen sie jedoch: Panik ist bei den Urlaubern nicht verbreitet. Ganz im Gegenteil. „Bei uns ist die Nachfrage für Sommerreisen stärker als im Jahr 2015“, sagt Sylvia Daniels, die ein Reisebüro in Heinsberg besitzt. Diese Erfahrung hat auch Daniel Plum, Inhaber eines Reisebüros in Erkelenz gemacht.

„Die Leute in Erkelenz sind sehr urlaubswillig, bestimmte Ziele werden einfach gemieden und gar nicht erst gebucht.“ Von Panik sei keine Spur, ist er sich sicher. Erst eine Umbuchung habe es in den vergangenen Wochen gegeben.

Reiselustige Kunden besuchen auch das Hückelhovener Reisebüro von Verena Ruthmann. „Im Vergleich zu den letzten Jahren haben viele Veranstalter und Reisebüros eine Zurückhaltung festgestellt. Hier in Hückelhoven ist das nicht so. Es ändern sich jedoch die Reiseziele“, sagt sie.

Stornierungen gab es im Reisebüro von Dietmar Spielkamp bisher noch nicht. Vielmehr haben die Heinsberger klare Vorstellungen, wo sie ihren Urlaub verbringen möchten oder auch nicht. „Viele Kunden machen deutlich, dass sie nicht nach Tunesien und auch nicht nach Ägypten möchten.

Die arabischen Länder sind momentan unsere Sorgenkinder“, sagt Spielkamp. Zwar würde er einen Urlaub in die arabischen Länder antreten, kann jedoch verstehen, dass sich seine Kunden „vermeintlich sichere Ziele“ aussuchen.

Die Nachfrage nach Urlaub in Tunesien geht in den Reisebüros von Dietmar Spielkamp und seinen Kollegen derzeit gegen „Null“. Die momentane Situation in Ägypten spaltet die Urlauber. „Wer schon öfter da war, fliegt auch jetzt dahin“, sagt Spielkamp. Sylvia Daniels hat diesbezüglich jedoch eine andere Erfahrung gemacht. „Ägypten ist bei uns im Minus“, sagt sie.

Anders sieht es da in der Türkei aus. Das Land sei vor allem bei Familien nach wie vor beliebt. Der Grund: die niedrigen Preise. „Die Türkei hat besonders für Familien ein super Preisleistungsverhältnis“, sagt Verena Ruthmann. Das bestätigt auch Sylvia Daniels: „Die Türkei läuft bei uns nach wie vor sehr gut, besonders im hochwertigen Bereich“, sagt sie und wird in dieser Auffassung von Franzi Taubald-Kaniecki, die ebenfalls ein Reisebüro in Heinsberg betreibt, unterstützt.

„Im Moment steigt die Nachfrage für die Türkei tatsächlich wieder an, sicher auch wegen des Preisunterschieds, denn die Veranstalter geben satte Rabatte“, sagt sie. Mit niedrigen Preisen für Türkei-Reisen rechnet auch Daniel Plum. „Wir gehen stark davon aus, dass sich in den kommenden Monaten preislich noch etwas tut“, sagt er.

Und wie sieht es mit Alternativ-Zielen aus? Die seien in diesem Jahr eher überraschend, meint Plum. „Viele Familien zieht es im Sommer nach Berlin. Dort gibt es eine Menge Ferienhäuser direkt an Seen mit Sauna und allem drum und dran“, sagt Plum. Auch Ziele, bei denen die Urlauber selbst anreisen, seien beliebt. „In Österreich waren viele Hotels schon sehr früh ausgebucht“, sagt Plum.

Hoch im Kurs steht in diesem Jahr auch der Urlaub in Griechenland. „Das läuft erstaunlich gut. Manche Kunden haben natürlich Bedenken, dass sie im Urlaub auf Flüchtlinge treffen, aber letztendlich tun sie das hier auch. Nach Kreta und Rhodos kann man bedenkenlos reisen“, sagt Franzi Taubald-Kaniecki. Die Kunden von Sylvia Daniels haben diesbezüglich keine Bedenken. Griechenland sei in diesem Jahr in ihrem Reisebüro das Reiseziel Nummer Zwei.

Noch beliebter ist derzeit Spanien. „Insbesondere die Balearen, also Mallorca, Ibiza, Menorca und Formentera und die Kanaren profitieren von der aktuellen Situation“, weiß Verena Ruthmann. Zahlreiche Fluggesellschaften hätten bereits ihre Flüge von der Türkei nach Spanien „umgeroutet“, um die gestiegene Nachfrage zu befriedigen.

Das bestätigt Dietmar Spielkamp: „Wer im Sommer dahin reisen möchte, sollte sich beeilen. Die Preise richten sich nach Angebot und Nachfrage und im Moment steigen die Preise fast wöchentlich nach oben“, sagt er und Sylvia Daniels ergänzt: „Dort gibt es in vielen Hotels schon Engpässe zu den Schulferienzeiten.“

Bei Singles und Paaren seien Fernreisen und Kreuzfahrten sehr beliebt. Hoch im Kurs stehen New York, Florida, die Karibik, Australien, die USA, Mexiko, die Vereinigten Arabischen Emirate mit den Städten Dubai und Abu Dhabi und Südostasien. Absoluter Favorit ist jedoch Kuba. „Hier sind Hotels und Mietwagen schon Wochen im Voraus ausgebucht“, weiß Verena Ruthmann.

Doch auch Kreuzfahrten ins westliche Mittelmeer, um die Kanaren und in der Ostsee würden von den Kunden häufig gebucht.

Auch wenn derzeit keine Panik bestehe, verunsichert seien viele Kunden trotzdem. Bei den Jüngeren setzt sich derzeit allerdings ein anderer Trend durch. „Von unseren jüngeren Kunden hören wir oft, dass man mit dem Terror leben müsse und dass es wesentlich wahrscheinlicher wäre, bei einem Autounfall umzukommen als bei einem Terroranschlag in der Türkei“, sagt Franzi Taubald-Kaniecki.

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