Reiseanbieter: Urlaub in Deutschland als Alternative zur Türkei

Von: Anna Petra Thomas
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Wegen der Spannungen im deutsch-türkischen Verhältnis: Viele Urlauber meiden Reisen in die Türkei in diesem Jahr. Das spüren die Reisebüros in Heinsberg deutlich. Foto: imago/Waldmüller

Heinsberg. „Reiselust steigt. Urlauber trotzen dem Terror.“ So oder ähnlich lauteten noch vor einem Jahr die Schlagzeilen, wenn es um den Urlaub der Deutschen in der Türkei ging. Das hat sich im Laufe des Jahres, vor allem nach dem Putschversuch im Juli 2016, grundlegend geändert. Gespürt haben das auch die Reiseanbieter in Heinsberg.

War die Auswahl früher schon im Schaufenster groß, findet sich derzeit bei Dietmar Spielkamp im TUI-Reise-Center am Rathaus nur noch ein einziges Angebot: eine Woche „all inclusive“ in Side an der türkischen Riviera. Es gebe noch Kunden, die einen Urlaub in der Türkei buchen würden, erzählt Inhaber Dietmar Spielkamp. Gebucht würden noch Ziele in der Ägäis oder an der türkischen Riviera. Die Nachfrage sei jedoch stark rückläufig.

Schon im vergangenen Reisejahr, von November 2015 bis Oktober 2016, sei die Nachfrage nach Reisen in die Türkei in ganz Deutschland um 60 Prozent zurückgegangen. „Und ich habe die Befürchtung, das wird in diesem Jahr eher noch schlechter aussehen“, sagt er. Für sein Reise-Center hat er seit November 2016 bis heute ein weiteres Minus von 80 Prozent errechnet.

Die aktuelle Situation treffe vor allem Familien, weiß Spielkamp. Für sie sei die Türkei aufgrund eines guten Preis-Leistungs-Verhältnisses bisher ein Traumziel gewesen. „Tolle Hotels in einer tollen Anlage, in der einfach für Eltern und Kinder alles da war“, sagt er. „Für Familien, die das gewohnt waren, gibt es auch keine Alternative.“ Sie müssten ausweichen, etwa nach Griechenland oder Spanien. „Aber Anlagen wie in der Türkei gibt es dort gar nicht“, betont er. Und wenn sie so ähnlich ausgestattet seien, würde der Urlaub jetzt viel teurer.

Ein weiteres Problem kommt für die Urlaubsplanung der Familien aktuell hinzu. Da bekanntlich eine wachsende Nachfrage auch den Preis steigen lässt, haben die Preise für Reiseziele in Griechenland und Spanien für diesen Sommer angezogen, „zwischen drei und acht Prozent mittlerweile“, weiß Spielkamp. „Vor allem für junge Familien, die sich bisher noch einen Urlaub in der Sonne leisten konnten, wird es jetzt schwierig.“

Einen Tipp hat er für alle, die fliegen wollen dennoch: Bulgarien. Ansonsten biete sich der Urlaub mit dem Auto an für Ziele in Deutschland, Österreich oder auch noch an den Gardasee in Italien. „Jedem, der im Sommer mit seiner Familie verreisen will, kann ich nur raten, schnell zu buchen, weil die Preise ganz sicher weiter steigen werden“, sagt er.

Schon jetzt übersteige der Preis für einen zweiwöchigen Sommerurlaub in vielen Fällen ein Monatseinkommen einer Familie, erklärt Ute Caron, Inhaberin vom Reisebüro Nelles in Karken, die Situation. Da würden einige ihre Urlaubszeit inzwischen auf zehn Tage reduzieren. „Kompromisse müssen gemacht werden“, sagt sie. Was das Alternativziel Bulgarien betreffe, sei da eigentlich schon jetzt nichts mehr zu haben. „Da scheitert es an den Kapazitäten.“

Enttäuschung programmiert

Für sie bedeute die aktuelle Situation derzeit vor allem viel mehr Beratungsaufwand. Wichtig sei vor allem die Erklärung, dass es Aquaparks, wie deutsche Urlauber sie aus der Türkei gewohnt sind, wo Kinder ihren Spaß und die Eltern Erholung hatten, nirgendwo anders gebe. „Sonst ist die Enttäuschung schon programmiert.“

Dass Familienurlaub derzeit für die Türkei „verhaltener“ gebucht werde, beobachtet auch Sylvia Daniels, Inhaberin des First-Reisebüros in der Heinsberger Innenstadt. Doch hochwertige Clubs unter deutscher Leitung würden nach wie vor gebucht, etwa von Golfern, die sich schon auskennen und mehrfach pro Jahr in die Türkei reisen würden. „Ich glaube nicht, dass die Kunden Angst haben, in die Türkei zu reisen. Es sind allein die Äußerungen Erdogans, die ihnen Angst machen“, betont Daniels.

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