Krefeld/Wegberg - Reiche Witwe ermordet: Telefongespräche der Beweis?

Reiche Witwe ermordet: Telefongespräche der Beweis?

Von: Mirko Braunheim und Jerome Reinartz
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Zog sein Geständnis vor Geric
Zog sein Geständnis vor Gericht zurück: Der angeklagte Wegberger Stefan K. Foto: Dirk Jochmann

Krefeld/Wegberg. Hat das Wegberger Ehepaar K. den Mord an einer wohlhabenden Krefelder Witwe im vorigen Jahr in Auftrag gegeben, oder nicht? Für den Ermittlungsbeamten der Polizei Krefeld im Zeugenstand am Landgericht Krefeld ist die Sache klar.

Nachdem der Computerspezialist Stefan K. (43) an seinem Arbeitsplatz in Willich aufgesucht worden war, habe der Beschuldigte - weder besonders angespannt, noch verängstigt - zugegeben, den Mord an Beate S. (75) in Auftrag gegeben zu haben. Er sei von der Frau genervt gewesen. „Sie mischte sich ein, machte sich über mich lustig”, habe er gesagt. Seine Frau Birgit K. (41) wollte der 43-Jährige schützen. „Er wollte den Eindruck erwecken, dass seine Frau damit nichts zu tun hat”, sagte der Vernehmungsbeamte am Mittwoch.

Doch Stefan K. hat zu Beginn des Prozesses seine gesamte Aussage widerrufen lassen. Er sei wegen eines V-Manns der Polizei verängstigt gewesen, hatte er über seinen Anwalt erklärt. Der Chefermittler Gerd Hoppmann hatte den V-Mann erbeten. Eine dubiose Erscheinung sollte gut zwei Monate nach der Tat Ende Mai 2011 am Haus der Familie K. in Wegberg klingeln. Auf die erwartbare Frage von Birgit K., worum es denn gehe, solle er nur knapp antworten: „Um eine Sache an der Camesstraße in Krefeld” - dem Tatort. Dann sollte der V-Mann wieder gehen. Ziel war, dass die damals Verdächtige ihren Mann anruft und sich verrät. Was Birgit K. zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Ihr Telefon und das ihres Mannes wurden abgehört. Und tatsächlich rief Birgit K., kurz nachdem der V-Mann gegangen war, ihren Mann an. „Frau K. äußerte Angst, dass es Mitwisser geben und sie den Ermittlungsbehörden ausgeliefert werden könnten”, sagte Hoppmann vor Gericht. Damit war für ihn klar, dass die Hausfrau sehr wohl von dem Mord wusste und möglicherweise beteiligt war. Man habe keineswegs Druck ausgeübt oder sogar gedroht, betonte der Chefermittler.

Die Beamten hörten auch andere Telefonanschlüsse ab. Ausgangspunkt war dabei das goldfarbene Handy des Mordopfers, das der mutmaßliche Täter, Hristo I. (31), entwendet hatte. Eine Vielzahl der DNA-Spuren am Opfer „passen” laut Gutachten zu Hristo I. Das Handy war gut fünf Wochen nach der Tat eingeschaltet und fortan immer wieder benutzt worden. Irgendwann wurde das Handy von Stefan K. angewählt. Die Mordkommission war mehr als überrascht. Dass das gutbürgerliche, bieder wirkende Ehepaar etwas mit dem Mord zu tun haben könnte, hatte man zwar überprüft, aber nichts Verdächtiges festgestellt. Zudem hatte sich vor allem Birgit K. fürsorglich um die zuletzt gesundheitlich angeschlagene Beate S. gekümmert. Der Vater der Angeklagten war in seinen letzten Lebensjahren der Lebensgefährte der nun Ermordeten gewesen.

Das Geldvermögen des Opfers wurde während des Prozesses auf annähernd 150 000 Euro beziffert. Zudem besaß Beate S. zwei Wohnungen. Als Alleinerbin war Birgit K. eingesetzt. Die Konten des Ehepaars K. dagegen waren teils im Minus. Das Eigenheim in Wegberg musste noch abgezahlt werden, ebenso ihr als Bordell genutztes Haus in Mönchengladbach.

Aufschlussreich sind deswegen die Telefonmitschnitte: „In die Badewanne steigen mit dem ganzen Geld”, wollte Birgit K., machte sich aber auch Sorgen, dass es weitere Testamente geben könnte. „Da gibt es nichts, da gab es nie was, das wissen wir doch”, beruhigte sie ihr Mann am Telefon. Und als das erste Geld aus dem Nachlass der Witwe auf dem Konto landete, wollte das Ehepaar vorsichtig sein. „Wir müssen gucken, wie wir das abheben”, sagte Birgit K.
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