Heinsberg - Regionalgeschichte im Begas-Haus: Lauschen, gucken, tasten

Regionalgeschichte im Begas-Haus: Lauschen, gucken, tasten

Von: Mirja Ibsen
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Interessierte Blicke: Die Teilnehmer der ersten regionalgeschichtlichen Führung durch das Heinsberger Begas-Haus folgen den Ausführungen des stellvertretenden Museumsleiters Wolfgang Cortjaens vor den Porträts des Kurfürsten Carl Theodor und seiner Frau. Foto: Mirja Ibsen
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Sie kommt oft und gerne ins Begas-Haus: Elisabeth Spehl, Tochter des ersten Museumsleiters Wilhelm Josef Spehl. Foto: Mirja Ibsen

Heinsberg. Im Yoga ist die tiefe „Vorbeuge“ (Uttanasana) ja eine beliebte Übung zur Entspannung und für den Blick nach innen. Aber auch für Museumsbesucher ist dies eine lohnende Übung, allerdings nur um den Blick nach vorne schweifen zu lassen.

Die zwei Herdsteine in ihrer beleuchteten Vitrine befinden sich nämlich ungefähr auf Höhe des Knies eines normalgroßen Menschen. So ziemlich genau auf der Höhe, wo die Steine vor Hunderten von Jahren wohl einmal angebracht waren. Leicht zu übersehen. Aber dafür sind ja Führungen da: zum Hinweisen, Aufmerksam machen, Geschichten erzählen.

Zum ersten Mal seit der Wiedereröffnung im vergangenen Jahr hat das Heinsberger Begas-Haus jetzt eine Führung zur Regionalgeschichte angeboten. Schließlich trägt das Haus den Titel „Museum für Kunst und Regionalgeschichte Heinsberg“, und um letztere ging es diesmal.

„Haus des Wohlfühlens“

Das interessierte auch Elisabeth Spehl, Tochter des ersten Museumsleiters Wilhelm Josef Spehl (1894-1946). „Ich komme oft hierher“, sagt sie, „weil es ein Haus des sich Wohlfühlens und von höchstem kulturellen Anspruch ist.“ Als Kind ist sie im Heinsberger Heimatmuseum groß geworden. Das lag damals noch im Mitteltrakt des ehemaligen Adeligen Damenstifts an der Hochstraße, dort, wo heute die Sparkasse steht.

Besonders die landwirtschaftlichen Geräte hatten es ihr angetan. „Früher durfte man damit hantieren, das hat mich kolossal fasziniert“, erzählt die 77-Jährige. Sie ist neugierig auf die Führung mit dem stellvertretenden Museumsleiter und Kustos Wolfgang Cortjaens. Ob sie etwas überhaupt etwas Neues sehen wird? „Das glaube ich ganz bestimmt“, sagt sie.

Speerspitzen, Tontöpfe, Eisentruhe, Kirchenglocke oder Marienbildnisse dürfen die Besucher heute nicht mehr berühren, dafür aber Schubladen mit alten Dokumenten aufziehen oder Münzen auf einem Bildschirm antippen. Das Museum besitzt Unmengen historischer Münzen, sie alle zu zeigen, würde aus dem Begas-Haus ruck-zuck eine Münz-Stube machen. Deshalb haben die Ausstellungsmacher Rita Müllejans-Dickmann und Wolfgang Cortjaens einige der Taler eingescannt und auf einen digitalen Zeitstrahl gesetzt. Dort können die Besucher sie jetzt per Fingertipp drehen, kippen und vergrößern. Das ist fast so ein bisschen wie Anfassen.

Vor dem Tasten kommt allerdings das Lauschen: Warum ertönt Kampfgetümmel, wenn die Besucherbeine die unsichtbare Schranke zum Heimatgeschichten-Raum passieren? Die Führungsteilnehmer wundern sich. „Weil Heinsberg immer wieder Mittelpunkt kriegerischer Auseinandersetzungen war“, erklärt Cortjaens prompt. Die gute Lage, die befestigten Wege, das machte das Gebiet attraktiv. Und dann war auch die Hilfe der Schützen gefragt. Mit Armbrüsten, wie die der St.-Sebastianus-Schützen Waldfeucht aus dem 17. Jahrhundert, die jetzt in einer Vitrine hängt, haben sie ihre Stadt verteidigt. Die gebrannten Steine der Stadtmauer, die es zu verteidigen galt, liegen direkt daneben.

Jede Menge Geschichten und Geschichte: Erstaunlich, wie viele Jahrhunderte in einen Raum passen. Viel mehr als Menschen – sehr zum Leidwesen der neugierigen Museumsbesucher. Der Andrang zu der regionalgeschichtlichen Führung war so groß, dass Wolfgang Cortjaens aus einer geplanten Führung zwei machen musste – und immer noch konnten nicht alle Interessenten mitgehen. „Wir wiederholen das“, verspricht Cortjaens. Künftig wird es einmal im Monat eine Führung zur Regionalgeschichte Heinsbergs geben. Die nächste ist für Ende August geplant.

Geplant ist auch eine Wechselausstellung zum Thema Archäologie, denn das Museum hat noch viele Schmuckstücke in seinem Depot. Und dann wird vermutlich nicht nur Elisabeth Spehl alte Schätze ihrer Kindheit wiederentdecken.

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