Heinsberg - Regenwasser in den Lago: (K)ein Problem

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Regenwasser in den Lago: (K)ein Problem

Von: Daniel Gerhards
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Der Nordsee der Seenlandschaft Lago Laprello: Die Stadt Heinsberg plant, demnächst – nach Reinigung – Regenwasser aus dem Gewerbepark Kirchhoven einzuleiten. Die Gegner von der Bürgerinitiative Gewerbepark Kirchhoven Bruch befürchten, dass Öl und Chemikalien in das Naturschutzgebiet gelangen könnten. Fotos (4): D. Gerhards Foto: Gerhards

Heinsberg. Es bleibt eine Frage, die Streit verursacht: Wohin mit dem Regenwasser aus dem Gewerbepark Kirchhoven? Nach aktuellem Stand der Planungen soll das Wasser zu einem Großteil über ein Trassensystem in den Nordsee der Seenlandschaft Lago Laprello eingeleitet werden. Ein Teil des Wassers soll auch weiterhin in die Flutgräben in Kirchhoven fließen.

So hat es die Stadt geplant und die Politik zunächst einmal gebilligt. Auf heftigen Gegenwind stoßen die Pläne aber bei der Bürgerinitiative Gewerbepark Kirchhoven Bruch. Andreas Florack, Liane und Stefan Thies von der Initiative sprachen in diesem Zusammenhang von einem „Umweltfrevel“.

Hintergrund ist, dass der Gewerbepark Kirchhoven erweitert werden soll. Weil die Flutgräben nach Ansicht des Wasserverband Eifel-Rur aber schon jetzt überlastet sind, sei es nicht möglich, das Regenwasser von Dächern, Straßen und Höfen der Erweiterungsfläche auch noch über die Gräben aufzufangen. Also musste ein Plan B her.

Nach Angaben von Hans-Walter Schönleber, Dezernent bei der Stadt Heinsberg, hätten Wasserverband, Untere Wasserbehörde und Stadt die Lösung gemeinsam erdacht. Demnach sollen 40 Prozent des Niederschlagswassers aus dem bisherigen Gewerbepark weiterhin in die Flutgräben fließen. Die restlichen 60 Prozent und das gesamte Regenwasser des geplanten Erweiterungsgebietes sollen in den Lago geleitet werden.

Bestandteil ist auch, dass das Wasser nicht direkt in den See gelangt. Es soll zunächst mit einem sogenannten Lamellenabscheider gereinigt, in ein Rückhaltebecken geleitet und dann per Druckrohrleitung in den Nordsee befördert werden. Salopp formuliert könnte man sagen, dass man am Rückhaltebecken einen Stöpsel in den Ablauf stecken kann. Das heißt, wenn im Gewerbepark ein Unfall passiert und dort Öl oder Chemikalien auslaufen, dreht die Feuerwehr den Hahn zu und das Wasser bleibt im Rückhaltebecken.

Dort könne es dann gereinigt werden, bevor es in den Lago laufe. Auf dieses Becken habe die Stadt bestanden, obwohl es gar nicht vorgeschrieben sei, sagt Schönleber. „So ist sichergestellt, dass das Wasser nicht im belasteten Zustand in den Lago gelangt“, sagt er.

So stellt es sich die Stadt Heinsberg vor. Also alles gar kein Problem?

Die Mitglieder der Bürgerinitiative sehen einen ganzen Haufen Probleme: Sie fragen sich, ob man im Falle eines Unfalls überhaupt schnell genug in der Lage sei, die Schleusen zu schließen. Außerdem ist dieses Rückhaltebecken nur für den Fall eines Unfalles da. Laufen schädliche Substanzen unbemerkt aus, gelangen sie trotzdem in den Lago. Ob der Lamellenabscheider ausreicht, um umweltschädliche Stoffe herauszufiltern, stellen sie infrage. Und kritisch sehen sie, dass es keine Untersuchungen hinsichtlich der Umweltgefährdungen für den Nordsee gebe.

Dass im Gewerbepark mit umweltschädlichen Stoffen gearbeitet werde, zeige schon ein Blick auf die ansässigen Firmen. Es gebe zum Beispiel eine Fahrzeugaufbereitung und einen Chemiegroßhandel, heißt es von der Initiative. Sie findet: Das Risiko ist gewaltig.

Bleibt die Frage, ob sich nicht eine Lösung finden lässt, mit der alle Seiten einverstanden sind. Schönleber sagt, dass er keine Alternative zur jetzigen Planung sehe. Niederschlagswasser dürfe nicht in den Schmutzwasserkanal eingeleitet werden, das überlaste die Kläranlagen. Und einen Regenwasserkanal gebe es. Versickern kann das Wasser aufgrund des Grundwasserpegels in Kirchhoven auch nicht. Also müsse es in ein Gewässer geleitet werden. Und das ist in diesem Fall der Lago.

Aber vielleicht haben die Mitglieder der Bürgerinitiative ja noch eine Idee. Jedenfalls würden sie sich gerne am Entscheidungsprozess beteiligen. Bisher hätten sie es schwer gehabt, sich einzubringen. „Der ganze Prozess ist vollkommen intransparent“, sagt Stefan Thies.

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