Rege Diskussion über Schulsituation

Von: Anna Petra Thomas
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Rund 90 Bürger, vor allem aus Karken, aber auch aus Kempen und Unterbruch waren in die Karkener Bürgerhalle gekommen. Foto: anna
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Wolfgang Dieder, Friedbert Görtz, Hans-Josef Reiners, Heinz Frenken und Elmar Jöris standen für Informationen zur Verfügung. Foto: anna
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Neben einem Abriss gibt es auch einen Interessenten, der das Kempener Schulgebäude für betreutes Wohnen umwandeln möchte.

Heinsberg-Karken. Zu einer Bürgerinformation zwecks Beleuchtung der künftigen Schulsituation in Karken hatten die beiden Stadtverordneten Heinz Frenken und Hans-Josef Reiners (beide CDU) in die Karkener Bürgerhalle eingeladen.

Laut Ratsbeschluss von Anfang Dezember 2015 soll der Grundschulstandort Kempen bekanntlich zum Schuljahresende geschlossen werden und die Kinder von dort dann die Grundschule in Karken besuchen. Rund 90 Einwohner aus Karken, aber auch aus Kempen und Unterbruch folgten der Einladung. Reiners, zugleich Ortsvorsteher in Karken, begrüßte am Tisch der Gastgeber Bürgermeister Wolfgang Dieder, Friedbert Görtz als Leiter des Schul- und Kulturamtes der Stadt Heinsberg sowie den Karkener CDU-Ortsverbandsvorsitzenden Elmar Jöris.

„Wir haben die Notwendigkeit gesehen, auch die Karkener Bevölkerung zu informieren, insbesondere deshalb, weil ja nicht nur die Eltern betroffen seien, erklärte Reiners mit Blick auf das angemeldete Bürgerbegehren zwecks Erhalt der Grundschule in Kempen zumindest bis zum Ende des Schuljahres 2017/18. „Offen, ehrlich und ohne Emotionen“ wolle man informieren, fuhr Reiners fort. „Dennoch sind wir natürlich an einer lebhaften Diskussion interessiert.“

„Eine solche Entscheidung ist schmerzhaft, auch für uns“, erklärte der Ortsvorsteher weiter. „Aber die wirtschaftliche und die demografische Entwicklung ließen uns keine Wahl.“ 37 Millionen Euro Eigenkapital habe die Stadt in den vergangenen sechs Jahren verloren. „Und wir dürfen der künftigen Generation nicht noch höhere Schuldenberge hinterlassen.“ Reiners verwies in diesem Zusammenhang auf die Agenda 2025 der CDU.

Wären nun Bürgerbegehren und Bürgerentscheid erfolgreich und der Standort Kempen bliebe erhalten, müssten wegen der größeren Zahl von Karkener Kindern in der ersten Klasse mehr Kinder von Karken nach Kempen gebracht werden als nach dem Ratsbeschluss umgekehrt von Kempen nach Karken. In Kempen seien derzeit nur neun auch in Kempen beheimatete Kinder für das nächste Schuljahr als Erstklässer angemeldet. „Es ist wichtig, das in Karken in die Bevölkerung zu transportieren“, so Reiners. „Die Kempener Kinder sind in Karken herzlich willkommen.“

Dieder betonte in seiner Rede vorab, dass ein Bürgerbegehren ein demokratisches Mittel der Willensbildung sei. „Das ist zu akzeptieren“, betont er. Es liege ihm fern, dieses in ein negatives Licht zu rücken. Und an diesem Abend gehe es ihm allein um eine sachlich-nüchterne Information.

Der Bürgermeister erläuterte noch einmal den von der Gemeindeprüfungsanstalt bemängelten Flächenüberhang in den Heinsberger Schulen, der sich bei Einrechnung des zurzeit leerstehenden Hauptschulgebäudes an der Heinsberger Westpromenade auf rund 8000 Quadratmeter belaufe. Er betonte, dass die Bezirksregierung den Ratsbeschluss zur Schließung der drei Grundschulstandorte Kempen, Porselen und Unterbruch zwischenzeitlich genehmigt habe.

Wie Reiners zuvor beleuchtete auch Dieder noch einmal die aktuellen Schülerzahlen und ging dann auf die Planungen in Karken ein. Demnach sollen die vier Container, die derzeit noch an der Heinsberger Grundschule stehen, Ende April nach Karken gebracht und dort bis Anfang Juni an das Erdgeschoss „angedockt“ werden. Zum Einwand der Karkener OGS-Vertretung, dass diese bei 120 Anmeldungen für die OGS nicht ausreichen würden, wenn man mit 20 Kindern pro Container rechne, erklärte Dieder, dann müssten eben weitere Container beschafft werden. „Wenn dieser Bedarf entsteht, müssen wir darauf reagieren. Machbar ist das!“ Falls die neuen Container später geliefert würden, dann gebe es halt für ein paar Wochen eine Übergangszeit. „Das ist aber so, wenn man den komfortabelsten Zustand haben will.“

Zum notwendigen Busverkehr von Kempen nach Karken stellte Dieder die mit dem Unternehmen West-Verkehr abgestimmten Pläne vor. So soll morgens um 7.38 Uhr eine eigenständige Buslinie an der AOK in Heinsberg beginnen, die Kinder in Theberath, Eicken, an der Kirche und am Friedhof in Kempen aufnimmt und um 7.52 Uhr die Schule in Karken erreicht.

Rückfahrmöglichkeiten an der Schule würden um 11.40, 12.40, 13.25 und 16.17 Uhr eingerichtet. Selbst Kinder, die erst in Kempen am Friedhof einsteigen würden, hätten Anspruch auf eine Fahrkarte, so Dieder. Derzeit werde noch über einen sogenannten Schülerspezialverkehr nachgedacht, der eventuell noch preiswerter sei als der Transport mit West-Verkehr. Keine Möglichkeit sehe West-Verkehr derzeit für Haltestellen auf der Hochbrücker und auf der Brehmer Straße.

Die Einsparungen durch die Schließung von Kempen bezifferte Dieder auf gut 29.000 Euro für die laufenden Kosten, zuzüglich der Personalkosten für Hausmeister und Gebäudewirtschaft. Umgekehrt wurden aber auch die anfallen Transportkosten nach Karken auf etwa die gleiche Summe beziffert. Aus dem laufenden Topf für die Unterhaltung der Schulgebäude in Höhe von 800.000 Euro jährlich seien für die kommenden Jahre in Karken Maßnahmen geplant für Elektro (100.000 Euro), Fenster im Nebentreppenhaus (15.000 Euro), WC-Anlagen (40.000 Euro), Klassenraum- und Verbindungstüren (9000 Euro) (Heizung, Körper und Rohrnetz 150.000 Euro), Abwasserleitungen (50.000 Euro), Rauchschutz (40.000 Euro), Brandschutztüren (80.000 Euro), Bekiesung der Pausenhalle (5000 Euro), Sprachalarmierung (60.000 Euro), Decken im Obergeschoss (50.000 Euro) und Brandschutzkonzept (8000 Euro).

„Es tut mir leid für alles, was wir in Kempen nicht planen können“, fügte Dieder hinzu und betonte: „Ich würde mich freuen, wenn Karken und Kempen zusammenwachsen könnten.“ So entstehe der zweitgrößte Grundschulstandort in Heinsberg, und das werde er mit zwei anderen zusammen auch noch sehr lange bleiben.

Was den bisherigen Standort Kempen betreffe, gebe es auch die Überlegung, das Gebäude komplett zu verkaufen, sagte Dieder. Es gebe bereits eine Anfrage, dieses Gebäude in eine Einrichtung für betreutes Wohnen umzuwandeln. Aber auch für die Errichtung von Neubauten gebe es Interesse.

Eine rege Diskussion schloss sich an, die im Dank von Reiners gipfelte, dass alle ruhig und sachlich geblieben seien. „Ich hoffe, dass es nicht so weit kommt, dass ein Keil zwischen uns getrieben wird, erklärte er. „Die Kempener Kinder sind in Karken herzlich willkommen. Und was das Bürgerbegehren betreffe: „Ich werde es nicht unterstützen!“

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