Rechte Aussteiger: Verfassungsschützer stellt eine positive Prognose

Von: Daniel Gerhards
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Heinsberg/Wassenberg. Im Prozess gegen fünf mutmaßlich rechte Schläger und den Vater eines der Männer ging es am Montag um die Frage, wie tief zwei der Angeklagten in der rechten Szene verankert sind. Den fünf jungen Männern werden unter anderem mehrere fremdenfeindliche Attacken auf Flüchtlinge in Wassenberg zur Last gelegt.

„Keine ideologische Tiefe“

Die Beschuldigten Max W. und Kevin A. nehmen mittlerweile am Aussteigerprogramm Rechtsextremismus des Landesverfassungsschutzes teil. Felix Medenbach, Beauftragter für das Programm, sagte, dass er bei beiden „kein geschlossenes rechtsextremes Weltbild“ und „keine ideologische Tiefe“ erkennen könne. Allerdings seien die beiden Angeklagten sehr wohl fremdenfeindlich eingestellt.

Mit Max W. habe er seit Oktober 2015 bereits 17 Gespräche geführt. Mit Kevin A. habe er sich seit Januar dieses Jahres achtmal getroffen. Er wolle den beiden dabei helfen, sich von der rechten Szene zu distanzieren. Seine Prognose dafür fiel positiv aus: „Ich bin zuversichtlich, dass wir die beiden in stabile Verhältnisse führen können. Beide sind willens, sich ernsthaft zu distanzieren“, sagte Medenbach. Allerdings spielten bei W. und A. noch Ängste davor eine Rolle, was passiert, wenn sie sich von ihrer Clique lösen. Seine positive Einschätzung begründete Medenbach unter anderem damit, dass A. und W. auch völlig „normale“ Kontakte zu Migranten hätten.

Einen Rückschlag in der Entwicklung weg von der rechten Szene habe es aber bei Kevin A. gegeben. A. nahm nur eine Woche nach dem Prozessauftakt an einem offensichtlich rechtsradikalen Aufmarsch in Erkelenz teil, bei dem unter anderem ein NPD-Funktionär redete. Das sei zwar ein klarer Verstoß gegen eine Selbstverpflichtung, die A. unterschrieben habe, aber insgesamt sei dadurch nichts verloren, sagte Medenbach. Der Distanzierungsprozess sei auf mindestens drei Jahre angelegt.

Der Angeklagte David B. hatte im Laufe des Prozesses bereits ausgesagt, dass er es ablehne, am Aussteigerprogramm teilzunehmen. Aaron C. und Domenic T. haben sich noch gar nicht geäußert.

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