Hückelhoven-Ratheim - Realschule in Ratheim: Vor dem Neubau geht‘s in den Container

Realschule in Ratheim: Vor dem Neubau geht‘s in den Container

Von: kalauz
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Der Neubau der Realschule Ratheim ist der vierte und letzte Bauabschnitt der Sanierung des Schulzentrums: Mit 8,7 Millionen Euro ist es die kostenintensivste Hochbaumaßnahme der Stadt Hückelhoven in den vergangenen Jahren.
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Richard Rütten (li.) ist an der Realschule Ratheim mehr als nur der Hausmeister, Rektor Sven Hagen (re.) muss die Schule in den turbulenten Zeiten des kompletten Umbaus managen. Foto: kalauz
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Die Schüler werden während der gesamten Bauzeit ganz regulär weiter unterrichtet. Sie sitzen und lernen in Containerklassen.

Hückelhoven-Ratheim. Richard Rütten ist viel mehr als nur Hausmeister: „Er ist die Schnittstelle zwischen dem Architekten, den Bauleuten und der Schule“, sagt Sven Hagen. Der ist Leiter der Realschule in Ratheim. Und die gibt es für viele Ratheimer gar nicht mehr.

„Ja“, sagt der Rektor, „viele, die hier jeden Tag vorbei kommen, fragen, ob die Schule abgerissen wird“. Ja, wird sie – in Teilen zumindest. Aber sie wird auch gleichzeitig als selbstständiger Bestandteil des Schulzentrums Ratheim wieder neu aufgebaut. Der Neubau der Realschule Ratheim ist der vierte und letzte Bauabschnitt der Sanierung des Schulzentrums: Mit 8,7 Millionen Euro ist es die kostenintensivste Hochbaumaßnahme der Stadt Hückelhoven in den vergangenen Jahren.

Die rund 600 Schüler der Realschule werden während der gesamten Bauzeit ganz regulär weiter unterrichtet. Sie sitzen und lernen in Containerklassen. „Das Wort Container hat einen negativen Beigeschmack, sagt Sven Hagen. „Aber unsere mobilen Klassen sind ausgesprochen hochwertig, sie sind zum Beispiel wärmegedämmt. Deshalb sind sie auch nicht billig“. Man sieht es etwa an den Handläufen: Die sind aus Edelstahl.

Das zeitlich befristete Provisorium für die Lehrer wie für die Schüler möglichst komfortabel zu gestalten, war offenbar ein Anliegen des Schulträgers, also der Stadt. „Wir fühlen uns hier wahnsinnig wohl“, sagt Hagen. Dankbar sei man den Verantwortlichen bei der Stadt, dass „sie so wertschätzend mit uns umgehen“. Denn, das liegt ja auf der Hand: Es ist nicht einfach für die 35 Mitglieder des Kollegiums die Jugendlichen, die in einer schwierigen Phase ihrer Entwicklung stecken, in beengten und nur sehr bedingt anheimelnden Räumlichkeiten das Rüstzeug für ihr späteres Leben mit auf den Weg zu geben.

Apropos Kollegium: Auch da findet derzeit eine Art Umbruch statt: „Wir haben ein relativ hohes Durchschnittsalter“, sagt der Rektor. 20 Jahre lang habe man keinen Referendar mehr an der Schule gehabt, jetzt sitzen drei mit im Lehrerzimmer. „Das bringt frische Ideen“, sagt Sven Hagen. Und ja, auch die Realschule in Ratheim sei eine gefragte Schulform: „Wir sind auf Dreizügigkeit vom Schulträger gedeckelt, die Gesamtschule ist vierzügig“. Das verhindere, dass man sich gegenseitig Schüler „abgräbt“, wie Hagen sich ausdrückt.

Und natürlich: Das beengte Miteinander beinhaltet fast zwangsläufig ein vermehrtes Auftreten von Konflikten – Sven Hagen weiß das: „An jeder Schule gibt es Negatives, Streitigkeiten, Konflikte. Die Frage ist, wie man damit umgeht.“ An seiner Schule lege er Wert auf das Sich-Einmischen – im positiven Sinne verstanden: „Wir reden miteinander, bringen uns ein, diskutieren über strittige Fragen.“ Die Frage ist, sagt der Rektor, „wie man nach so einer Diskussion auseinandergeht“. Er ist derjenige, von dem man erwartet, dass er die Übergangslösung managt, dass er die mit der baulichen Situation auftretenden Widrigkeiten aus dem Weg räumt, dass er Kompromisse sucht und findet, wo normalerweise standardisierte Vorgaben den Weg angeben.

Dabei nimmt er die Schüler ganz bewusst mit und überträgt ihnen Verantwortung. Zum Beispiel, indem er sie in den Prozess des Übergangs einbindet: „In unsere regelmäßigen Gespräche hat die Schülervertretung schon eine Reihe ganz toller Ideen eingebracht, die teilweise in den täglichen Ablauf eingeflossen sind“. Der Aufsichtsplan für die Pausen auf dem nun sehr beengten Schulhof beispielsweise sorgt für Sicherheit auf dem Gelände, das ja zur Zeit ein Baugelände ist.

Der lange Schlauch, den man in einem normalen Schulgebäude als Flur bezeichnen würde, führt rechts und links in die „Klassenräume“, also in die Container, oder, wie man sie hier in Ratheim nennt, in die mobilen Klassen. Er würde den kühlen Charme eines Iglus am Südpol ausstrahlen – hingen da nicht rechts und links auf langer Front heiter wirkende Bilder in warmer Farbigkeit, offenbar gelungene Ergebnisse aus dem Kunstunterricht, an der Wand.

„Das war die Idee von unserem Herrn Rütten“, sagt Rektor Sven Hagen. Wie gesagt: Richard Rütten ist viel mehr als nur der Hausmeister des augenblicklichen Provisoriums namens „Realschule Ratheim“.

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