Heinsberg - Reaktivierte Strecke: Begeisterte stehen in aller Frühe auf dem Bahnsteig

Reaktivierte Strecke: Begeisterte stehen in aller Frühe auf dem Bahnsteig

Von: Anna Petra Thomas
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Kalt, nass und dunkel war es, als sich die ersten Bahnbegeisterten unter dem Dach des Bahnsteigs sammelten, um in den allerersten Zug zu steigen, der nach Fahrplan von Heinsberg nach Aachen fuhr. Foto: anna
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Dieses Schild wurde anlässlich der letzten Fahrt am 26. September 1980 angefertigt. Foto: anna

Heinsberg. Kalt und nass fegte der Wind über den fast leeren, ringsherum noch in Dunkelheit gehüllten Bahnsteig, Sonntagmorgen um kurz nach sieben am Bahnhof Heinsberg. Nur einer harrte hier schon seit fast einer Stunde aus: Lambert Backhaus aus Schafhausen.

„Ich war auf jeden Fall der Erste“, lachte er, hatte er doch schon auf den Zug um 6.33 Uhr gewartet, der aber sonntags gar nicht fährt. Wenig später sammelte sich unter dem Dach des Bahnsteigs eine kleine Schar Bahnbegeisterter, um in den allerersten Zug zu steigen, der nach Fahrplan von Heinsberg nach Aachen fuhr. Aus Kempen kamen sie, aus Orsbeck und aus Waldenrath. „Wir fahren nach Aachen zum Frühstück“, erklärten die Kempener. Gleich nebenan studierte eine Ordensschwester in ihrer Tracht den Fahrplan. „Ich will nach Aachen zur Messe“, sagte sie. Vor zehn Jahren habe sie dort ihr Gelübde abgelegt. Die Fahrt sei daher für sie quasi eine Jubiläumsfahrt.

Weiter vorn auf dem Bahnsteig baute derweil Piotr Ondera aus Erkelenz sein Stativ auf. Er war gekommen, um die Einfahrt des ersten regulären Zuges in den Bahnhof zu fotografieren. „Es ist doch spannend, das mitzuerleben, befand er.“ Ja, das war es tatsächlich, als der dann pünktlich um 7.28 Uhr leuchtend rot aus dem Dunkel auftauchte und fast feierlich langsam und lautlos in den Bahnhof einzuschweben schien.

Zur Überraschung der hier wartenden Fahrgäste stiegen dann sogar schon Menschen aus dem Zug aus, die es sich nicht hatten nehmen lassen, bereits die Ankunft des ersten Zuges in Heinsberg mitzuerleben und auf der Strecke zwischen Lindern und Heinsberg zugestiegen waren.

Als die Uhr am Bahnsteig 7.31 Uhr zeigte, setzte sich der Zug dann wieder in Bewegung Richtung Aachen, nein, nicht zu früh. Es war genau Minute 33, die Uhr ging zwei Minuten nach…

Pünktlich um 10 Uhr begrüßte die Piccolo Dixieland Band aus Belgien dann die ersten Gäste zum Bürgerfest im großen Festzelt gleich am Bahnsteig. Bürgermeister Wolfgang Dieder und Landrat Stephan Pusch eröffneten es gemeinsam. Dieder blickte dabei zurück in die Geschichte bis in das Jahr 1878. Von da an habe sich die Stadt bereits für den Bau einer Bahnstrecke nach Lindern eingesetzt, berichtete er. „Der Kreis Heinsberg freut sich heute mit seiner Kreisstadt“, erklärte Pusch. „Erzählen Sie in Aachen, wie schön es in Heinsberg ist, denn die Bahn fährt ja nicht nur in eine Richtung“, forderte er die Gäste im Festzelt auf.

Vor allem am Informationsstand des AVV bildete sich eine lange Schlange bis weit vor das Zelt, wollten doch alle hier ihren Gutschein in ein Vier-Fahrten-Ticket umtauschen. Weitere Stände hatten das Busunternehmen West und die Deutsche Bahn aufgebaut. An der gegenüberliegenden Seite des Festzelts zog Hubert Maubach, Mitarbeiter des Heinsberger Tiefbauamtes, die Besucher mit seinem 8,40 Meter langen Bahngelände im Miniaturformat an. Zwölf Jahre hat er an seinem Bahnmodell im Maßstab 1:87 gebastelt, das die Heinsberger Bahn inklusive ihrer Umgebung in den 1960er Jahren zeigt.

Neben der Bahnparty in Heinsberg gab‘s noch eine zweite, kleine Party in Horst, zu der der Heimat- und Bürgerverein eingeladen hatte. Hier spielte der Musikverein St. Josef auf und machte sich mit der Bahn dann auch auf nach Heinsberg.

Wer sich hier umfassend über das neue Angebot der Bahn informiert hatte, konnte dann mit der Bimmelbahn weiter in die City fahren, die sich am Sonntag nicht nur weihnachtlich geschmückt, sondern auch verkaufsoffen präsentierte. Höhepunkt war dabei die „Kölsche Weihnacht“, zu der die Band „Rabaue“ am Nachmittag für zwei Stunden auf den Weihnachtsmarkt einlud.

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