Raus in die weite Welt – und wieder zurück

Von: Daniel Gerhards
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Proben für den großen Auftritt: Am ersten Aprilwochenende spielen Malin Ernst (im Spagat) und Hanna Frenken (dahinter) die Hauptrollen bei der Aufführung des Ballettstücks „Schneewittchen“ im Waldfeuchter Bürgertreff. Foto: Daniel Gerhards
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Ein Leben für den Tanz: Janine Schwartzmanns betreibt seit drei Jahren ein Ballettstudio in Waldfeucht. Foto: Daniel Gerhards

Waldfeucht. So langsam merkt Janine Schwartzmanns den Kindern an, dass sie immer nervöser werden. Denn es geht mit riesigen Schritten auf ihren großen Auftritt zu. Die rund 100 Kinder des Ballettstudios Tanztraum stehen am ersten Aprilwochenende auf der Bühne. In zwei Vorstellungen führen sie dann das Ballettstück „Schneewittchen“ auf.

Und Janine Schwartzmanns arbeitet daran, dass dann alle Kinder eine gute Figur machen. Dass Schwartzmanns dieses Stück in ihrem Waldfeuchter Studio einstudiert hat und auf die Bühne des Bürgertreffs bringt, ist alles andere als selbstverständlich. Ballett, das vermutet man eher in der Großstadt. Aber es funktioniert auch auf dem Land. Erstaunlich gut sogar, sagt Janine Schwartzmanns.

Mit ihrem Studio in Waldfeucht ist Schwartzmanns, 35 Jahre, zu ihren Wurzeln zurückgekehrt. Sie stammt aus Waldfeucht. Sie beginnt mit vier Jahren zu tanzen. Mit 15 Jahren – noch während sie zur Schule geht – tanzt sie am Theater Krefeld und Mönchengladbach. „Dort konnte ich schon früh professionelle Bühnenluft schnuppern“, sagt sie. Und dann kehrt sie unserer Region den Rücken. Sie muss raus – „Ich habe das gebraucht.“ Mit 19 Jahren zieht Janine Schwartzmanns nach Nürnberg, um am dortigen Ballettförderzentrum Bühnentanz und Tanzpädagogik zu studieren. Nebenher macht sie eine Ausbildung bei der Royal Academy of Dance, einer weltweit agierenden Tanzvereinigung, die Ballettprüfungen für Kinder anbietet.

Natürlich will Janine Schwartzmanns selbst tanzen. Aber sie merkt auch, dass ihre eigentliche Leidenschaft dem Unterrichten gilt. Das harte, unstete Leben einer Profitänzerin will sie nicht führen – zumindest nicht ihr ganzes Berufsleben lang.

In ihrem Waldfeuchter Studio schaut sie nun, ob alle Kinder an der richtigen Stelle stehen, ob sie die Beine richtig durchstrecken und auch nicht vergessen zu lächeln. Seit Anfang des Schuljahres laufen die Proben. Weil es zwei Vorstellungen mit jeweils 60 bis 70 Kindern gibt, haben viele zwei Rollen. Manche tanzen einmal solistisch und einmal in der Gruppe. „Das ist organisatorisch sehr aufwendig“, sagt Schwartzmanns. Aber es wird deutlich: Die Kinder wissen, was sie tun. Es geht nur noch um den Feinschliff.

Das Stück „Schneewittchen“ hat Schwartzmanns schon einmal in Bayern auf die Bühne gebracht. Dort hatte sie drei Ballettstudios mit angestellten Lehrerinnen. Dort feierte sie Erfolge: Drei Jahre in Folge haben Kinder, die sie unterrichtet, die besten Prüfungsergebnisse bei der Royal Academy of Dance erzielt. Sie arbeitete am Staatstheater in Nürnberg. Mit dem Stück Carmina Burana tourte sie durch China. Und für ihre Inszenierung von „Schwanensee“ wurde sie mit dem Jugendkulturpreis der Stadt Ansbach ausgezeichnet.

Bis man sich an das berühmte Ballett „Schwanensee“ heranwagen kann, ist einige Arbeit nötig. Die Waldfeuchter Kinder tanzen nun seit drei Jahren mit Janine Schwartzmanns. Und dabei soll es immer um den Spaß gehen. „Die Kleinen bekommen gar nicht mit, dass sie Ballett lernen“, sagt sie. Sie tasten sich spielerisch immer weiter vor. Schwartzmanns‘ ältere Schülerinnen müssen allerdings hart arbeiten. Es wird auf Spitze getanzt. „Das ist anstrengend“, sagt sie. Aber Janine Schwartzmanns will das Training so gestalten, dass die Mädchen es nicht als harte Arbeit empfinden.

Dass Schwartzmanns nun wieder in Waldfeucht ist, hat vor allem mit ihrer Familienplanung zu tun. 2012 bekommt sie einen Sohn. Ihr Mann arbeitet als Sänger. Und das Künstlerleben lässt wenig Raum für Familie. „Aber mein Sohn braucht eine Konstante“, sagt sie. Also beschließt Schwartzmanns, beruflich kürzer zu treten. Und wieder zurück nach Waldfeucht zu ihrer Familie zu ziehen. Aber aufs Tanzen verzichten kann sie nicht. „Während der Babypause hat es in den Händen und Füßen gekribbelt. Das Tanzen zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Ich brauche es“, sagt sie.

Einmal hinaus in die weite Welt und wieder zurück: „Ich werde oft gefragt, warum ich zurückgekommen bin. Ich sage dann immer: Hier ist es doch auch schön. Es gibt hier viele Möglichkeiten“, sagt sie.

Zum Beispiel die Chance, ihre Leidenschaft für den Tanz weiterzugeben. In den vergangenen drei Jahren hätten sich die Mädchen gut entwickelt. „Man kann sie immer noch als Anfängerinnen bezeichnen. Aber sie haben unheimlich viel gelernt. Sie sind schon auf einem professionellen Stand“, sagt Schwartzmanns. Dass tatsächlich so viele Kinder aus Waldfeucht und dem Umkreis zu ihr kommen, um Ballett zu lernen, hätte Schwartzmanns nicht erwartet: „Damit habe ich nicht gerechnet. Aber anscheinend gibt es hier Bedarf. Das zeigt, dass sich Eltern und Kinder dafür interessieren.“

Und Janine Schwartzmanns findet, dass es im Raum Heinsberg noch viel Potenzial für Kultur gibt. „Ich finde es schade, dass es in Heinsberg keine Kleinkunstbühne gibt“, sagt sie. Das wäre eine Chance für Kulturschaffende und eine Anlaufstelle für Interessierte, findet sie.

Nun arbeitet Janine Schwartzmanns erst einmal daran, dass die Kinder ihre Nervosität ablegen. „Das gehört zu meinem Job, sie zu stärken und zu beruhigen. Aber ich weiß, dass sie es schaffen werden.“

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