Raus aus dem Tierheim: Max und viele andere suchen neues Zuhause

Von: Rainer Herwartz
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Tierheimleiterin Sina Braun hofft, dass der traurige Weimaraner Max schon bald wieder ein gutes Zuhause findet. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. Sein trauriger Blick lässt es erahnen. Der Weimaraner Max hat Kummer. „Er leidet herzzerreißend“, sagt Tierheimleiterin Sina Braun. „Immer, wenn es dunkel wird, weint er.“ Wer die Geschichte des schokobraunen Vierbeiners mit dem melancholischen Gesichtsausdruck kennt, den wundert dies nicht.

Erst vor wenigen Tagen wurde der Weimaraner in das Kirchhovener Tierheim gebracht. „Tierarzt Dr. Klaus Renner aus Wassenberg rief uns an und erzählte, er behandele gerade einen Weimaraner mit schwersten Rauchvergiftungen. Der Besitzer sei gestorben. Er fragte uns, ob wir den Hund übernehmen könnten.“

Nach den Gründen fragte Sina Braun nicht. Für sie und ihr Team stand sofort fest, dass hier Not am Hund war. „Später stellte sich heraus, dass der Besitzer von Max sich vergiftet haben soll, indem er den Kamin im Haus anzündete, nachdem er zuvor Fenster und Türen im Haus mit Bauschaum abgedichtet hatte“, sagt die Tierheimchefin.

„Auch der Hund sollte wohl mit sterben, aber er überlebte. Als Max hereingetragen wurde, konnte er gar nicht selbstständig stehen. Ihm ging es richtig schlecht. Wir haben ständig nach ihm geschaut, ob er noch lebt.“ Das Kohlenmonoxid, das sich im Körper abgelagert habe, sei nur ganz langsam abgebaut worden. Doch der zwölfjährige Max hatte Glück im Unglück. „Nach zwei, drei Tagen wurde es deutlich besser“, sagt Sina Braun.

„Mittlerweile zeigt er wieder normales Hundeverhalten. Wir suchen dringend nach einem liebevollen neuen Zuhause für Max, in dem er die schrecklichen Erlebnisse der letzten Zeit vergessen und sich weiter erholen kann. Er ist sehr menschenbezogen und verträgt sich definitiv mit Hündinnen, mit Rüden haben wir es noch nicht ausprobiert. Max ist gerne an der frischen Luft und liebt es, Menschen um sich zu haben.“

Das Schicksal von Max ist sicher kein alltägliches, doch außer ihm warten im Kirchhovener Tierheim noch etliche Tiere auf eine liebevolle Familie für einen glücklichen Neustart. „Ich hab‘ das Gefühl, so belegt wie im Augenblick waren wir in den letzten fünf Jahren nicht“, sagt Sina Braun. Das kann Tierschutzvereinsvorsitzende Bianka Mai nur bestätigen: „Mit 40 Hunden ist die Kapazitätsgrenze erreicht, aber täglich gibt es noch Anfragen für Abgaben oder sogenannte Fundtiere.“

Auch 85 Katzen sind derzeit in Kirchhoven untergebracht. „Wir mussten schon einige an befreundete Tierschutzkollegen ,auslagern‘, weil unsere Möglichkeiten hier erschöpft sind.“ Schließlich müssen ja auch noch 18 Kaninchen und zwei Meerschweinchen betreut werden. „Wir nehmen auch Schildkröten oder Schlangen auf“, erklärt Sina Braun, „aber nur kurzfristig“. Ihre Ansprüche seien zu speziell und bedürften einer Expertenhand.

„Dadurch, dass die Vermittlung im Sommer etwas schleppend, der Zustrom aber eher angestiegen ist, entsteht ein Engpass“, beschreibt Bianka Mai die augenblickliche Situation. Und noch eine Entwicklung können die beiden Tierschützerinnen beobachten:

„Ich habe das Gefühl, dass die Hunde immer jünger werden. Außerdem sind immer mehr reinrassige Tiere bei denen, die abgegeben werden. Ich denke, es liegt daran, dass man im Internet mittlerweile alles ganz billig anschaffen kann. Viele Käufer entscheiden dabei offenbar nur nach optischen Gesichtspunkten und machen sich keine Gedanken darüber, welche Bedürfnisse oder besonderen Charaktereigenschaften ein solches Tier hat. Dann ist die Folge: Wenn die Tiere anderes Verhalten zeigen, als erwartet, werden sie schnell unbequem und landen bei uns.“

Oft werde der ausgeprägte Schutz- oder Hütetrieb einer Hunderasse unterschätzt, weiß Bianka Mai. Ein solcher Fall sei zum Beispiel eine zehn Monate alte Old English Bulldog-Hündin, „die abgegeben wurde, weil die Besitzer mit dem Temperament und der Masse, sie wiegt 40 Kilo, einfach nicht zurecht kamen“.

Leider Alltag im Tierheim Kirchhoven. Wer sich für Weimaraner Max interessiert oder einen anderen Vierbeiner in seiner Familie aufnehmen möchte, sollte sich im Tierheim melden und einen Schnuppertermin vereinbaren unter Telefon 02452/7773.

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