Radsport-Elite wieder einmal im Selfkant-Bergdorf

Von: disch
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Die Radsport-Elite jagte am Freitag durch Hillensberg: Im Fahrerfeld zu entdecken waren unter anderem der amtierende Deutsche Meister Marcus Burghardt (im Bora-Trikot mit Nationalfarben) und der belgische Olympiasieger Greg Van Avermaet vom Team BMC (2. v. l.). Foto: agsb
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Viele Räder fuhren huckepack: Nicht endlos, aber sehr lang war die Wagenkolonne mit den Teamfahrzeugen, die am Freitag Hillensberg natürlich auch dreimal passierte bei der Binck Bank Tour. Foto: agsb
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Besuch aus der Schweiz in Hillensberg: So feuerten die Familien Caminada und Brands am Freitag auf der Bergstraße gemeinsam den Schweizer ­Zeitfahrchampion Stefan Küng an. Foto: agsb
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Logenplätze direkt am Streckenrand: Hillensberger hatten es sich am Freitag bequem gemacht und konnten so das Radsportspektakel aus allernächster Nähe beobachten. Foto: agsb
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Eine siebenköpfige Ausreißergruppe führte am Freitagnachmittag bei der Fahrt der Binck Bank Tour durch Hillensberg das Feld an. Foto: agsb
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Der Sprintstar mag es lieber flacher: Marcel Kittel hatte auf dem Anstieg in Hillensberg am Freitag schwer zu kämpfen. Foto: agsb
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Blick ins Lunchpaket: Kyra Nandzik von der Gemeindeverwaltung ­gehörte zu den Streckenposten. Foto: agsb
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Radsportfan: Karl Speis sorgte mit seinem gepunkteten T-Shirt für ­etwas Tour-de-France-Flair. Foto: agsb
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Der Sieger bei der Zielankunft in Sittard: Lars Boom vom Team Lotto NL – Jumbo. Foto: dpa

Selfkant/Sittard. Viele Asse aus der internationalen Radsportszene waren am Freitag wieder einmal in Hillensberg live in Aktion zu erleben: Die bis 2016 unter dem Namen Eneco Tour firmierende Rundfahrt durch die Niederlande und Belgien, die jetzt Binck Bank Tour heißt, machte auf der fünften Etappe mit Start und Ziel in der Grenzstadt Sittard einen dreifachen kurzen Abstecher nach Deutschland in den Kreis Heinsberg hinein.

Denn das Bergdorf im Selfkant genießt bei den Streckenplanern dieses World-Tour-Rennens hohes Ansehen.

Da ist die sehr gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde Selfkant. Da sind die treuen Fans, die insbesondere bei den Zeitfahren 2007, 2012 und 2016 in Scharen nach Hillensberg gepilgert waren, aber auch diesmal – verteilt im ganzen Ort – durchaus in großer Zahl am Streckenrand zu sehen waren.

Und da ist natürlich vor allem der durchaus tückische Anstieg auf der Bergstraße – auch wenn es sich „nur“ um eine Steigung von vier Prozent auf 700 Metern Länge handelt. So manchem Fahrer waren am Freitag die Strapazen anzusehen – vor allem bei der letzten Durchfahrt mit 135 an diesem Tag bereits zurückgelegten Kilometern in den Beinen. Das galt nicht nur für die drei Letztplatzierten, Jonathan Dibben (Team Sky), Daniil Fominykh (Astana) und Coen Vermeltfoort (Roompot), die bei der Zielankunft in Sittard einen Rückstand von 15:48 Minuten aufwiesen.

Auch der deutsche Rekord-Etappensieger bei der Tour de France, Sprintstar Marcel Kittel (Quick-Step Floors), hatte in Hillensberg zu kämpfen. Er fiel im oberen Teil des Anstiegs aus einer der ersten Gruppen zurück. Im Ziel in ­Sittard wurde er nur als 107. mit 8:53 Minuten Rückstand notiert. Ob da bei Kittel Erinnerungen ans Jahr 2012 geweckt wurden: Beim Mannschaftszeitfahren, das damals durch Hillensberg führte, hatten einige Radrennprofis abreißen lassen müssen – so auch der bis dahin Führende in der Gesamtwertung, Kittel, der seine Teamkollegen (damals Argos – Shimano) einfach ziehen lassen musste.

An diesem Freitag war das Feld am Mittag nach dem Start im Tom Dumoulin Bike Park in Sittard in der Neutralisation in geschlossener Formation durch Hillensberg gerollt, da der „scharfe Start“ erst einen Kilometer später wieder auf niederländischem Gebiet erfolgte. Am Nachmittag war alles ganz anders: Eine siebenköpfige Ausreißergruppe, die zwischenzeitlich einen Vorsprung von viereinhalb Minuten hatte, führte auf beiden Passagen durch Hillensberg das Feld an – auch wenn ihr Vorsprung immer kleiner wurde.

Am Ende kam der Sieger aber erwartungsgemäß ­ohnehin nicht aus dieser Gruppe der „Koplopers“, vielmehr durfte in Sittard der Niederländer Lars Boom jubeln. Seine ­Attacke kurz vor dem Ziel war von Erfolg gekrönt. Er feierte nach 167,3 Kilometern mit drei Sekunden Vorsprung vor 15 Verfolgern den Etappensieg. Zweiter wurde der slowakische Weltmeister Peter Sagan vor dem belgischen Olympiasieger Greg van Avermaet. Boom übernahm auch die Führung in der Gesamtwertung vor den beiden Schlussetappen, die an diesem Wochenende in Belgien ausgetragen werden. Das Finale steigt am Sonntag in Geraardsbergen.

Radsportevent der Extraklasse

Die Gemeinde Selfkant darf auf jeden Fall wieder einmal stolz sein, Gastgeber zu einem Radsportevent der Extraklasse gewesen zu sein. Unter der Regie von Bürgermeister Herbert Corsten, André Mobers von der Gemeindeverwaltung und Bauhofleiter Werner Meiers waren die Vorbereitungen getroffen worden. So waren auch zwölf Helferinnen und Helfer aus dem Rathaus und vom Bauhof als Strecken­posten eingesetzt. Ihre Verpflegung mit einem Lunchpaket hatten Rewe und Bäckerei Bomans aus Tüddern möglich gemacht. Die Kreispolizeibehörde Heinsberg war ebenfalls mit vier Kräften vor Ort, war doch im Genehmigungsverfahren vom Straßenverkehrsamt des Kreises eine fünfstündige Vollsperrung der Ortsdurchfahrt angeordnet worden und Hillensberg mit dem Auto nur über einen Wirtschaftsweg aus Richtung Bingelrade (NL) erreichbar. Sperrungen nur für kürzere Zeiträume oder Verkehrsfreigaben in den langen Pausenzeiten hätten eigentlich auch möglich sein sollen...

Die Radsportfans vor Ort in Hillensberg genossen jedenfalls das Ereignis; auch wenn so mancher einen Getränke- oder Imbisswagen vermisste. Hillensberger Bürger hatten es sich auf Gartenstühlen vor ihren Hauseingängen bequem gemacht, Besucher aus der näheren und weiteren Umgebung nutzten unter anderem die Stufen am Ehrenmal als Tribünenplatz. Sogar Schweizer waren unter den Fans im Selfkant zu entdecken: ­Familie Caminada aus der Nähe von Luzern war für einige Tage zu einem verwandtschaftlichen Besuch bei ­Familie Brands in Hillensberg zu Gast. Am vergangenen Wochenende hatten die Schweizer die im Selfkant lebenden Niederländer beim Ironman in Maastricht angefeuert.

Am Freitag ging es zusammen zum Radrennen, schließlich lag da in der Gesamtwertung noch Stefan Küng, der Zeitfahrchampion aus der Schweiz, an der Spitze. Er wurde von den Fans aus seinem Heimatland lautstark angefeuert. Und die freuten sich: „Er hat zurückgewunken!“ Ein leichtes Rennen war diese „Mini-Version“ vom Amstel Gold Race über die limburgischen Hügel auch für Küng nicht: Mt 46 Sekunden Rückstand im Ziel, verlor er die Führung im Gesamtklassement. Aber zehn der 167 gestarteten Fahrer erreichten das Ziel überhaupt nicht.

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