Radiomuseum renoviert: „Bella“ und „Hausfreund“ haben es schick

Von: Alexander Barth
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Museumsdirektor mit kurzem Dienstweg: Hans Stellmacher betreibt seit 1997 im Obergeschoss seines Hauses in Bocket ein privates Radiomuseum. Die Sammlung von Geräten der Traditionsmarke Loewe-Opta gilt als weltweit einmalig. Foto: Alexander Barth

Waldfeucht-Bocket. Nach 17 Jahren ist Schluss mit so manchem Provisorium im Obergeschoss des Hauses in der Kirchstraße 57. „Es wurde Zeit, dass ich renoviere“, sagt Hans Stellmacher. Seit 1997 ist er ein Museumsdirektor mit kurzem Dienstweg. Unter seinem Dach betreibt der 66-Jährige ein weltweit einmaliges Museum für Radiogeräte.

 Mehr als 400 Exemplare zählt seine Sammlung von Geräten aus dem Hause Loewe-Opta. Im vergangenen Jahr hat Hans Stellmacher die Ausstellung beiseite geräumt und neue Regale und Fußböden installiert. Alles in Eigenleistung und auf eigene Kosten, denn öffentliche Mittel hat er bis heute nie bezogen.

Auf zwei Etagen erstreckt sich die Sammlung von Hans Stellmacher, die jetzt auf noch sichereren Füßen steht. „Vorher standen viele der Radios auf Brettern, die an der Wand befestigt waren. Jetzt habe ich stabile Regale.“ Frischer Schick für die Klassiker: Liebevoll-kitschige Spitzengirlanden dienen als Blende. Ein Stückchen Heimeligkeit, passend zu den zum Teil möbelgroßen Geräten, die einst die Wohnzimmer dominierten. Das helle Laminat passt zur edlen Optik vieler Empfänger, die Stellmacher in über 20 Jahren Sammelaktivität zusammengetragen hat.

Die Geschichte einer beeindruckenden Kollektion beginnt um 1992. Hans Stellmachers Sohn spielte damals in einer Rockband, die ein umgebautes Radio als Gitarrenverstärker nutzte. Das gute Stück landete irgendwann beim Vater, und „irgendwie kamen dann immer mehr alte Geräte dazu“, erzählt dieser knapp. Wie das eben manchmal so ist mit der Jungfrau und dem Kind namens Sammelleidenschaft. Ein Rundgang mit dem Hausherrn beschert nicht nur Technikfans so manchen Augenöffner, Stellmachers Sammlung bietet auch einen Ausflug in die jüngere deutsche Geschichte.

Vom Röhrengerät mit Kopfhörer aus dem Jahr 1928 über den während des Dritten Reichs in den Haushalten per Verordnung platzierten Volksempfänger bis zum Wirtschaftswunder-Bettradio namens „Hausfreund“: Trends, Vorlieben und Befindlichkeiten der Deutschen äußerten sich auch in der optischen Gestaltung ihrer Rundfunkempfänger, weiß Stellmacher.

Ein gutes Beispiel ist das Loewe-Modell „Bella“. Hans Stellmachers Sammlung dokumentiert die Entwicklung eines Klassikers über viele Jahre hinweg. „Optisch bewegen wir uns da zwischen Schick und Schmerzhaft“, sagt er grinsend, „aber Geschmäcker ändern sich eben.“ Hans Stellmacher hat sie, die längst aus den guten Stuben verschwundenen Hörträume in Kunstharz und Eiche-Furnier, die Empfänger mit klangvollen Namen wie „Luna“ oder „Rheingold“, oft aus mehreren Generationen ihrer Herstellung. Hier wird Zeitgeschichte mit Stromkabel und Röhre dokumentiert, vom tragbaren „Kobold“ im Köfferchen bis zum fehlkonstruierten Einzelstück.

Auch nach der Renovierung, für die Hans Stellmacher gut 4000 Euro in die Hand genommen hat, soll der unkomplizierte Charakter seines Museums erhalten bleiben. „Wer das Museum besichtigen will, muss nur einen Termin ausmachen. Der Eintritt ist frei. Und meistens gibt es noch eine Tasse Kaffee gratis dazu.“

Bis heute hat Hans Stellmacher keinen Cent aus öffentlicher Hand erhalten, obwohl sein Museum sicher als Werbeträger für Waldfeucht und den gesamten Kreis taugen würde, glaubt er: „Es gibt ja nicht gerade viele Museen hier.“

Erst einmal investieren

Versuche, die Gemeinde ins Boot zu holen, erklärt er für gescheitert. „Man sagte mir, ich solle erst einmal in Brandschutz und Sicherheit investieren. Die nötigen 40.000 Euro hätte ich aber bitteschön selbst zu investieren. Total utopisch. Da habe ich gesagt: Wenn ihr nicht wollt, dann mache ich eben allein weiter.“

Über eine Nachfolge hat sich Stellmacher schon Gedanken gemacht, Kandidaten sind aber bislang nicht in Sicht. „Ich möchte das hier noch mindestens 30 Jahre machen. Ich bin guter Dinge, dass das klappt“, sagt Stellmacher mit einem Augenzwinkern.

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