Quirlige Autorin Gesthuysen berührt ihre Zuhörer

Von: Anna Petra Thomas
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Anne Gesthuysen nimmt in der Buchhandlung Gollenstede in Heinsberg ihre Gäste mit auf eine spannende Reise. Foto: Anna Petra Thomas
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In der Pause und nach der Lesung blieb Anne Gesthuysen, um ihre Bücher zu signieren.

Heinsberg. Vieles war so anders, so super lebendig, ja fast quirlig, aber auch berührend und wiederum amüsant zugleich beim Besuch von Anne Gesthuysen in der Buchhandlung Gollenstede in Heinsberg. Gekommen war sie, um ihr neues, zweites Buch vorzustellen. „Sei mir ein Vater“, heißt es. Doch zunächst verriet sie ihrem Publikum, wie sie, eigentlich eher bekannt als Fernsehmoderatorin, überhaupt zum Schreiben gekommen ist.

Vor sechs Jahren sei sie bei der Geburtstagsfeier Christine Westermanns gewesen und habe dort von ihren drei Großtanten erzählt. Daraufhin habe sie einen Anruf einer Lektorin erhalten mit der Bitte, diese Geschichte aufzuschreiben. „Man muss einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein“, erklärte Gesthuysen.

Eine halbe Million verkauft

Ihr erstes Buch, erschienen 2012, wurde ein großer Erfolg. „Es freut mich sehr, dass ich meinen drei Großtanten damit ein Denkmal setzen konnte“, so die Autorin. Mittlerweile habe sich das Buch über eine halbe Million Mal verkauft. Die Taschenbuch-Ausgabe, inzwischen schon Auflage 24, war dann bereits in der Pause auch in Heinsberg schnell vergriffen.

Beim Schreiben habe sie gemerkt, wie viel Spaß es ihr mache, so Gesthuysen weiter. „Und in einem Roman kann man alles noch ein bisschen sensationeller machen.“ Als sie dann von ihrer Kindheit in Veen erzählte, um den Einstieg ins neue Buch zu finden, das offiziell in Xanten, aber eigentlich doch in ihrem Heimatort beginnt, meldete sich eine Dame im Publikum zu Wort, die von weither angereist war: „Ich bin mit ihrer Mutter in eine Klasse gegangen!“, betonte sie. Gesthuysen war sichtlich gerührt. Sie habe eine wunderbare Kindheit gehabt, fuhr die Autorin fort, die heute mit ihrem Mann Frank Plasberg und dem gemeinsamen Kind in Köln lebt. „Ich bin raus aus dem Dorf, aber das Dorf ist nicht ganz raus aus mir“, gestand sie.

Dann las sie aus dem ersten Kapitel, von der Ankunft der Gastschülerin Lilie Agutte aus Paris bei Familie Terhöven in Xanten. Lilie ist einfach nur entsetzt, auch von Hanna, die ihr „unsagbar geschmacklos gekleidet“ erscheint. „Dabei habe ich damals Stunden vor dem Kleiderschrank gestanden“, lacht Gesthuysen, wieder zurück in der Wirklichkeit. Mit Elody Agutte, im Buch Lilie, sei sie seit 30 Jahren eng befreundet. Damals, als Gastschülerin in Veen, habe sich die junge Französin sehr schnell in das Leben ihrer Familie verliebt und dabei auch die drei Großtanten kennengelernt.

Amüsant ging‘s dann im neuen Buch weiter mit dem Besuch Lilies mit Tante Katty bei der Karnevalssitzung in der Reithalle. Immer wieder rauschte bei der lebendigen Vortragsart Gesthuysens ein vernehmliches Schmunzeln durchs Publikum. Vor allem, als die studierte Romanistin, wieder im Hier und Jetzt, von ihrem Fauxpas bei ihrer Arbeit fürs französische Radio berichtete.

Vom Karlspreis für Mitterrand in Aachen habe sie damals den Hörern erzählen wollen. Aus „la paix“, was Frieden heißt, sei da jedoch „le pet“ geworden und so der „Furzpreis an Mitterrand.“ Klar, dass diese Geschichte auch ins Buch eingezogen ist, hier jedoch in einer Übersetzung Hannas für den Schulleiter landet, der sich dann statt Frieden… eben auch einen Furz wünscht. Das Publikum in der Buchhandlung amüsierte sich köstlich.

Weiter ging‘s im Buch mit der Recherche nach den Vorfahren von Lilie. Aufhänger dafür ist ein Bild einer Georgette Agutte, das es tatsächlich gibt und das heute in Gesthuysens Wohnzimmer hängt. So machen sich Vater Hermann, Hanna und Lilie auf die Suche, zunächst in der Nähe von Paris, wo die Ururgroßtante der richtigen Elody und ihr Mann Marcel Sembat, ein Sozialist und Minister, gelebt haben. Weiter geht‘s nach Grenoble, wo die übrigen Bilder des Paares heute in einem Museum hängen, und schließlich nach Guadeloupe, wo Elodys Vater ebenfalls wirklich gelebt hat. „Und ich habe diese Recherche auch tatsächlich gemacht“, fügte Gesthuysen gleich hinzu.

Schließlich tauchte sie in ihrem Buch ganz ab in die Geschichte der Georgette Agutte, einer Malerin der Belle Époque, die von 1867 bis 1922 lebte. Gesthuysen nimmt ihre Leser im Buch mit ins Atelier der Malerin. Zu Besuch ist da kein Geringerer als Henri Matisse. Minuziös beschreibt Gesthuysen die Arbeit des Malers an einem Bild von Agutte. Ein „Schön“ wanderte leise, aber doch vernehmlich im Publikum quasi von einem Stuhl zum anderen. Und auch diese Stelle im Buch war sehr viel weniger Fiktion als gute Recherche der Autorin. „In seinen Tagebüchern so nachzulesen“, erklärte sie.

Wie schon in der Pause blieb sie auch nach der Lesung, um ihre Bücher zu signieren. „Es hat sehr viel Spaß gemacht mit Ihnen“, lobte sie ihre Zuhörer. „Ja“, es gebe auch schon eine Idee für ein neues, drittes Buch, verriet sie schließlich, mehr jedoch nicht.

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