Public Viewing bei der WM: Schlaflose Nächte durch jubelnde Fans?

Von: André Schaefer
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Auch bei der Europameisterschaft im Jahr 2012 drängten sich die Menschen bei sonnigem Wetter an jedem Spieltag auf dem Rathausvorplatz in Heinsberg. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Ein ganzes Land im Fußballfieber: Der Begriff „Public Viewing“ dürfte spätestens seit der Fußballweltmeistermeisterschaft 2006 auch dem letzten Fußballmuffel ein Begriff sein. Es waren beeindruckende Bilder, die das Sommermärchen im eigenen Land vor knapp acht Jahren ins Leben rief.

Schwarz-rot-goldene Fanmeilen und anschließende Autocorsos durch die Stadt dürfen seitdem bei keinem großen Fußballturnier mehr fehlen. Doch beim Blick auf die Spielansetzungen der diesjährigen WM in Brasilien wird schnell klar, dass so manche öffentliche Fußballparty im Falle des Public Viewing wohl in den nächtlichen Stunden stattfinden muss.

Denn die Zeitverschiebung von sechs Stunden macht es unumgänglich, dass mehr als die Hälfte der 64 Turnierspiele erst um 22 Uhr deutscher Zeit über die Bühne gehen wird. Ganze zehn Gruppenspiele werden darüber hinaus exakt um Mitternacht deutscher Zeit angepfiffen, eine Partie sogar erst um 3 Uhr morgens. Sind da schlaflose Nächte angesichts jubelnder Massen und hupender Autos etwa schon programmiert?

Geht es nach Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), dann dürfte eine gestörte Nachtruhe zumindest nicht ausgeschlossen sein. Denn die Ministerin will die Live-Übertragungen der Spiele auf öffentlichen Plätzen durch eine „Public-Viewing-Verordnung“ ermöglichen.

Die Zuständigen der Stadt Heinsberg reagierten auf Anfrage unserer Zeitung gelassen auf die Forderung der Bundesministerin. Bereits zur Fußball-WM 2006 habe es eine Änderung des Landesemmissionsschutzgesetzes gegeben, sagt die Stadtverwaltung.

Das Gesetz beinhaltet unter anderem den Schutz vor größerem Lärm. Auch bei den vergangenen zwei großen Fußballturnieren sei es auf dem Heinsberger Marktplatz im Rahmen des Public Viewing nach 22 Uhr laut gewesen. Probleme mit den Anwohnern habe es damals jedenfalls nicht gegeben, heißt es. Auch für den kommenden Sommer gehe man von einem problemlosen Ablauf aus.

Problemlos dürfte es zumindest mit Blick auf die Spiele der deutschen Mannschaft werden, denn das Team von Joachim Löw tritt in der Vorrunde zweimal um 18 Uhr und einmal um 21 Uhr an. Da die Stadt Heinsberg allerdings plant, ebenfalls Spiele anderer Mannschaften auf der Großleinwand zu übertragen, ist es nicht ausgeschlossen, dass auch zu Zeiten der Nachtruhe vom Markt aus gemeinsam den Stars von der Copacabana zugeschaut wird. Man werde spontan entscheiden, welche Spiele dies im einzelnen genau seien, sagt die Stadt. Fest steht: Schafft es das deutsche Team ins Achtelfinale, wäre 22 Uhr eine mögliche Anstoßzeit. Den Ton werde man dann bei gut gefülltem Marktplatz aber nicht abstellen, heißt es auf Anfrage.

Diskussionen über Missachtung der nächtlichen Ruhe wird es in Hückelhoven mit großer Sicherheit nicht geben. „Wir verzichten in diesem Jahr auf Public-Viewing-Veranstaltungen – auch, wenn die Erfahrungen bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren sehr positiv waren“, sagt Romulus Timar vom Hückelhovener Stadtmarketing. Die Tatsache, dass der überwiegende Teil der Spiele erst sehr spät angepfiffen werde, sei auch ein Grund für diese Entscheidung. „Das heißt natürlich nicht, dass es auch bei den kommenden Fußballturnieren kein Public-Viewing geben wird“, fügt Timar hinzu.

Bei der Stadt Erkelenz möchte man die zeitlichen Ansetzungen der Spiele nicht als Ausrede nennen. Viel mehr weist Christoph Stolzenberger, Kulturmanager der Stadt Erkelenz, auf die enormen Kosten hin, die Public-Viewing-Veranstaltungen über einen Zeitraum von gut einem Monat mit sich bringen. „Uns fehlt ganz einfach das Geld, um nahezu jeden Tag während der WM Public-Viewing zu ermöglichen“, sagt Stolzenberger.

Die Freunde des runden Leders müssen allerdings nicht alle Spiele für eine angemessene Fußballparty in den heimischen Garten verlegen. Denn im Rahmen des Lambertus-Marktes, der vom 19. bis 23. Juni stattfinden wird, überträgt die Stadt am Samstag, 21. Juni, das Vorrundenspiel der Deutschen Mannschaft gegen Ghana auf dem Marktplatz. „Wir haben während der EM vor zwei Jahren sehr gute Erfahrungen mit dem Angebot des Public Viewing gemacht. Wir erwarten erneut zwischen 3000 und 4000 Besucher“, sagt der Kulturmanager.

Angepfiffen wird die Begegnung an diesem Abend übrigens um 21 Uhr. Dann wird erneut gemeinsam mitgefiebert und im besten Fall auf einen Sieg angestoßen. Gerne auch nach 22 Uhr.

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