Prozess gegen rechte Schläger gerät ins Stocken

Von: Daniel Gerhards
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Der Prozess gegen fünf mutmaßliche rechte Schläger und einen Vater, der seinem Sohn bei einem Übergriff geholfen haben soll, ist ins Stocken geraten. Symbolbild: imago

Heinsberg/Wassenberg. Der Prozess gegen fünf mutmaßliche rechte Schläger und einen Vater, der seinem Sohn bei einem Übergriff geholfen haben soll, ist ins Stocken geraten. Bereits am Freitag hatte Richterin Dr. Claudia Loch die Sitzung vor dem Amtsgericht Heinsberg vertagt, weil der Angeklagte Domenic T. nicht zum Hauptverhandlungstermin erschienen war.

Am Montag warteten Richterin, Schöffen, Staatsanwaltschaft, Zeugen und Verteidiger vergebens auf den Angeklagten Aaron C. Richterin Loch erließ jeweils einen Haftbefehl gegen die fehlenden Beschuldigten.

Eigentlich sollte der Prozess am Montagmorgen um 9.30 Uhr fortgesetzt werden. Als die Richterin um 9.52 Uhr den Saal 14 des Amtsgerichts betrat, fehlte Aaron C. ohne Entschuldigung. C. habe bei der Geschäftsstelle angerufen und gesagt, dass er später komme. Er wolle sich erst einmal „Geld besorgen“, um nach Heinsberg kommen zu können, sagte dessen Verteidiger.

Als C. um 10.17 Uhr immer noch nicht auftauchte, erlies Loch einen Haftbefehl gegen ihn, weil er „trotz ordnungsgemäßer Ladung unentschuldigt nicht erschienen“ war.

Bis zur Bewusstlosigkeit

Eigentlich sollten am Montag die Vorfälle vom 27. Januar 2015 verhandelt werden. An diesem Tag sollen Domenic T., Aaron C., Max W., David B. und Kevin A. am Busbahnhof in Wassenberg drei Asylbewerber bis zur Bewusstlosigkeit geprügelt haben. Sie sollen mit einem Teleskopschlagstock zugeschlagen und einem am Boden liegenden Flüchtling mit Stahlkappenschuhen gegen den Kopf getreten haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen auch vor, eine Fahne mit einem Bild von Adolf Hitler gezeigt und „Sieg Heil“ gerufen zu haben. Die 18 und 19 Jahre alten Männer müssen sich nun wegen gefährlicher Körperverletzung, Volksverhetzung, Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen und Bedrohung verantworten.

Am Montag sollten die Opfer dieses Übergriffes aussagen. Eines von ihnen trägt noch immer eine Schiene am Knie. Er sei nach dem Angriff zweimal operiert worden und habe noch mindestens ein halbes Jahr Reha vor sich, sagte eine Mitarbeiterin der Opferberatung Rheinland, die mit Verweis auf die „organisierte rechte Szene“ nicht namentlich genannt werden wollte.

Wie die Opfer den Übergriff verarbeitet haben, wollte sie nicht konkret sagen. Nur so viel: „Betroffene von rassistischen Angriffen dieser Größenordnung sind immer traumatisiert.“

Dass T. und C. nicht zu den Verhandlungsterminen kamen, spricht nicht für ein hohes Maß an Respekt vor dem Gericht. Ihr Verhalten wirke sich aber nicht auf das Strafmaß aus, sagte Sabine Schafranek, stellvertretende Pressedezernentin des Aachener Landgerichts.

Es handele sich um eine „Ungehorsamshaft“. Sie habe nichts mit der Strafe zu tun, sondern diene nur der „Durchführung der Hauptverhandlung“, sagte Schafranek.

Für Aaron C. ist es bereits der zweite Haftbefehl im Zusammenhang mit dieser Tat. Vor Beginn der Hauptverhandlung musste er schon einmal in Untersuchungshaft, weil er versucht haben soll, eine Zeugin einzuschüchtern. Außerdem war er vor Gericht schon wegen ungebührlichen Verhaltens verwarnt worden.

Domenic T. erschien am Montag übrigens wieder zur Verhandlung. Er hatte das Wochenende in Haft verbracht, nachdem er sich selbst gestellt hatte. Den nächsten Anlauf, den Prozess fortzusetzen, unternimmt das Gericht am 1. April. Ob ein Urteil – wie geplant – Mitte April gesprochen werden kann, wird der weitere Verlauf der Verhandlung zeigen.

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