Projektwoche: „Was bedeutet Respekt im Schulalltag?“

Von: Ingo Kalauz
Letzte Aktualisierung:
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Auch mit einer sehenswerten Ausstellung imponierten die Schülerinnen und Schüler der Peter Jordan Schule in Hückelhoven im Rahmen ihres Religionsprojektes, wovon sich auch die Religionslehrerin Kornelia Klösges überzeugen konnte. Foto: Koenigs

Hückelhoven. Wo viele Menschen zusammenkommen und mehrere Stunden des Tages miteinander verbringen, da müssen Regeln eingehalten werden, damit das Zusammensein funktioniert, damit Konflikte vermieden werden. Das ist auf der Arbeitsstelle so oder natürlich auch in der Schule.

Eine dieser unausgesprochenen Regeln ist, dass jeder vor dem anderen Respekt haben muss, dass einer mit dem anderen achtsam umgeht. Selbstverständlich ist das nicht – aber man lernt das im Laufe des Lebens.

In der Peter-Jordan-Schule haben sie das zum Thema einer Projektwoche im Rahmen des Religionsunterrichtes gemacht. Die Leitfragen, denen die Schüler der verschiedenen Altersstufen auf ihren ganz eigenen Wegen nachgehen sollten, lauteten: „Was bedeutet Respekt im Schulalltag?“ und „Was kann jeder in der Schule tun, damit sich alle respektvoll begegnen?“

Schuldezernent beeindruckt

In 14 Gruppen haben die 167 Peter-Jordan-Schüler das breite Themenband vom achtsamen Miteinander in der Schulgemeinschaft bis hin zum respektvollen Umgang mit eigenem und schuleigenem Material auf ganz unterschiedliche, sehr kreative Art aufgegriffen und bearbeitet.

Bei der Vorstellung dessen, was dabei im Laufe der Projektwoche herausgekommen ist, zeigte sich Hückelhovens Schuldezernent Helmut Holländer schwer beeindruckt: „Es ist ganz erstaunlich, wie engagiert und leidenschaftlich sich die Schüler mit dem Thema Respekt auseinandergesetzt haben. Ich denke, da wird einiges bei ihnen auch langfristig hängenbleiben.“

Auch Hans Hilgers, Konrektor der Peter-Jordan-Schule, gibt sich optimistisch, wenn auch verhaltener: „Die Kinder wissen jetzt alle, was Respekt bedeutet. Ob sie das auch in den Alltag transportieren, weiß ich nicht.“ Hilgers kennt die Probleme der Kinder in seiner Förderschule: „Wenn die Kinder im Alltag stets aufs Neue erfahren, dass sie nichts wert sind, haben sie mit Respekt vor anderen große Schwierigkeiten.“

Und Kornelia Klösges, federführende Pädagogin für das Projekt, betont: „Ich muss mich selbst respektieren, respektvoll mit mir umgehen – dann kann ich auch mit anderen respektvoll umgehen.“ Das, meint sie, sei bei den Kindern durch dieses Projekt angekommen.

Wer sieht, mit welcher Hingabe die Schüler ihre jeweiligen Projektarbeiten vorstellen, hat das gute Gefühl, dass das so ist. Melanie aus der „Familienklasse“ beispielsweise erklärt die „Goldene Regel“: Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg‘ auch keinem anderen zu.

„Die Familienklasse wird für uns das System der Zukunft sein“, sagt Hans Hilgers. Hier lernen Kinder verschiedener Altersstufen, also jahrgangsübergreifend, in einem Klassenverbund. „Die lernen mehr voneinander als wir ihnen beibringen könnten“, sagt er. Die wichtigen Botschaften, die sie ausgearbeitet haben, haben die Schüler der Familienklasse in „Klinkern des Respekts“ gemauert: Wir lachen keinen aus; wir passen aufeinander auf; wir sind ehrlich; wir sagen die Wahrheit.

Oder die Kinder, die in der „Werkklasse“ unterrichtet werden: Sie haben ein Rollenspiel eingeübt, in dem sie darstellen, wie man aufeinander Rücksicht nimmt. Keine Beleidigungen! Und keine fiese Anmache! Oder die Schüler in der „Sprachklasse“: Sie demonstrieren in einem Spiel, wie gut ein Team funktioniert, wenn alle mitmachen.

Einige Schüler der Peter-Jordan-Schule sind in den Wald gegangen, um dort zu erfahren, dass man Höhen überwinden kann und Grenzen akzeptierten muss; andere, die in der Sternenreiter-Klasse, haben auf dem Rücken der Pferde Respekt gewonnen, haben die Tiere rücksichtsvoll behandelt und gleichzeitig Halt und Sicherheit erfahren; wieder andere haben eine Internetseite über einen gewissen Herrn Knigge und dessen bis heute akzeptierten Regeln („Wie benehme ich mich beim Essen?“) für ein gesittetes Miteinander gebaut und ins Netz gestellt.

Umfrage unter Schülern

Eine Projektgruppe hat eine für die Schule durchaus repräsentative Umfrage (100 Schüler wurden befragt) durchgeführt. Ein Ergebnis: Auf die Frage, ob der Umgang miteinander in den Pausen friedlich sei, antworteten 70 Prozent mit „Ja“, 25 Prozent mit „Weiß nicht“ und fünf Prozent mit „Nein“.

Bei einer Podiumsdiskussion fühlten Schüler der Schulrätin Dr. Hildegard Hosterbach, Leo Sieberichs von der Polizei, Sekretärin Elke Conen-Geebelen und Hausmeister Werner Preissler auf den Zahn und wollten wissen, was sie unter Respekt verstehen. Besonders das, was der ehemalige Bergmann Werner Preissler vom Miteinander untertage auch und gerade mit Kollegen aus einem anderen Kulturkreis erzählte, hat die Kinder dabei schwer beeindruckt.

Respekt, das haben allen an dem Projekt beteiligten Schüler nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Gefühl gelernt, hat ganz, ganz viele Facetten. Und Respekt nicht nur einzuüben, sondern ihn auch täglich zu praktizieren, ist eine große Herausforderung. Nicht nur an die Schüler – auch an die Lehrer.

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