Projekttage: 180 Schüler sehen sich in elf Betrieben um

Von: defi
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Betriebsbesichtigung bei Auto Siebertz: Schüler der Betty-Reis-Gesamtschule Wassenberg warfen einen Blick auf eine kaputte Antriebswelle in der Lkw-Werkstatt. Foto: defi

Heinsberg/Wassenberg. Ivonne Siebertz-Gossen und ihr Bruder Christoph Siebertz hatten Besuch. 18 Teenager hatten die Geschwister Siebertz zur Betriebsbesichtigung eingeladen. Auto Siebertz gibt es in Heinsberg seit 51 Jahren. Das Unternehmen verfügt über Verkaufsflächen und Werkstatthallen an der Industriestraße.

Mercedes-Benz ist die Hausmarke. Smart und Fuso werden auch vertreten. Das neue Mercedes S-Klasse Coupé rollte gerade in den Verkaufsraum, als Ivonne Siebertz-Gossen, zuständig für das Marketing im Autohaus, die 18 Schüler der Betty-Reis-Gesamtschule und deren Lehrer Manfred Thyssen im Autohaus willkommen hieß.

Die Schülerinnen und Schüler der Wassenberger Gesamtschule durften als Erste Probesitzen im neuen „Stern“. Erst am heutigen Samstag geht das neue Mercedes Flagschiff offiziell an den Start. Soweit zum gemütlichen Teil, denn nicht zum Probesitzen in Autos der gehobenen Klasse waren die Mädchen und Jungs gekommen, sondern um sich mal ernsthaft Gedanken um die eigene berufliche Zukunft zu machen.

„Projekttage zur Berufsorientierung im 9. Jahrgang“ standen auf dem Lehrplan. 180 Betty-Reis-Schüler durften aus elf Betrieben einen auswählen, den sie kennen lernen wollten.

Minen schwer zu deuten

In Gruppen von 15 bis 20 Schülern wurden unter anderem das Johanniterstift und Edeka Hensgens in Wassenberg, Aker Wirth in Erkelenz, das Bauunternehmen Florack und die Raiffeisenbank in Heinsberg sowie eben Mercedes Siebertz besucht.

Christoph Siebertz schilderte den Schülern, wie alles anfing mit seinem eigenen Werdegang und dem von Daimler und Mercedes Benz. Als „mittelmäßiger“ Realschüler kam er über das Berufskolleg Geilenkirchen zum Betriebswirtschaftsstudium nach Aachen und stieg vor 20 Jahren in das Familienunternehmen ein.

Es war schwer, an den Mienen der Schüler abzulesen, ob jemand an den eigenen Werdegang dachte. Zweieinhalb Stunden Betriebsbesichtigung mit einer Vielzahl von Eindrücken mussten erst mal langsam sortiert werden. 1886 hatten es Carl Benz und Gottlieb Daimler auch langsam angehen lassen. Gerade mal 16 Kilometer in der Stunde tuckerte ihre erste motorangetriebene Kutsche, wie Christoph Siebertz mit Blick in die Autogeschichte mitteilte.

Vier Männer aus der Werkstatt und eine Frau aus dem Marketing gaben den Schülern einen Einblick ins Autogeschäft im Jahr 2014. Kfz-Meister Dirk Wingerath hatte sich die Zeit genommen, einer Gruppe seinen Arbeitsplatz zu zeigen, die Lkw-Werkstatt. Sein Kollege Georg Friedrichs musste derweil arbeiten. Bei einem Baustellen-Lkw war die Antriebswelle kaputt, Verschleiß.

Acht Stunden harte Arbeit standen an. Friedrichs zur Schadensursache: „Die kriegen richtig Rumps!“ Heißt, dieser Lkw sah auf seinen 230.000 Kilometern häufiger das unebene Gelände als die asphaltierte Straße. Auch wenn das so richtig nach „Jungsarbeit“ aussah, was Friedrichs und seine Kollegen da machten, rief kein Schüler aus vollem Herzen: „Ich will auch Kfz-Mechatroniker werden!“ Abwarten wollten viele Schüler, vielleicht erst das Abitur machen.

Denise Schaffrath tendierte, wenn überhaupt zur Autobranche, dann doch mehr in den Marketingbereich. Die 14-Jährige hätte aber auch Chancen im Comedyfach. Frage: „Was haben Sie heute hier gesehen?“ Denise: „Na, Autos!“ Nicola Schwab war noch unschlüssig, was ein Berufsziel anbelangt.

Nico Wagner will erst mal Abitur machen. Das „Reparieren“ ist eh nicht sein Ding. Rafael Filinski möchte auch lieber ins Marketing als in die Werkstatt. Lisa Schurmann würde ebenfalls lieber Autos verkaufen als reparieren.

Ivonne Siebertz-Gossen sieht den Besuch der Schüler in ihrem Unternehmen gerne – mit einem Blick in die Zukunft von Mercedes Siebertz: „Auch für uns ist es wichtig, gute Auszubildende für einen anspruchsvollen Beruf zu bekommen, die wir vielleicht auch zu Gesellen weiterbilden können.“ Und sie fügt lächelnd hinzu: „Wer weiß, welches Samenkorn aus diesem Tag entsprießt.“

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