Projekt: Pflege-Azubis gestalten Unterricht

Von: kalauz
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Die künftigen Altenpfleger umfassend auf ihren Beruf vorbereiten: Manuela Garbrecht (l.), Ausbildungsbeauftragte bei den St.-Gereon-Seniorendiensten, und Geschäftsführer Bernd Bogert. Foto: Stock/Imagebroker; kalauz (2)

Hückelhoven-Brachelen. „Fachkräfte bleiben Mangelware“ lautete kürzlich die Schlagzeile auf den Titelseiten der Tageszeitungen: Die Bundesagentur für Arbeit (BA) schlägt Alarm, sie hat einen „erhöhten Personalmangel“ vor allem bei nicht akademischen Berufen wie Mechatroniker, Fahrzeugführer oder Altenpflegern festgestellt.

Damit ein „Mangelberuf“ zum Mangelberuf wird, muss die Zeit bis zur Neubesetzung der Stellen um mindestens 40 Prozent über dem Bundesdurchschnitt aller Berufe liegen. Fast alle Pflegeeinrichtungen klagen heute über Personalengpässe bei den Fachkräften – dabei wird der Fachkräftemangel erst 2020 so richtig zuschlagen: Das Pflegewesen konkurriert um immer weniger junge Menschen – gleichzeitig wächst die Anzahl der alten und damit pflegebedürftigen Menschen in Deutschland.

Demnächst 300 Auszubildende

„Wir sind da offenbar eine große Ausnahme“, sagt Bernd Bogert. Er ist Geschäftsführer der St.-Gereon-Seniorendienste Brachelen. „Wir beschäftigen zurzeit 240 Auszubildende, im kommenden Jahr werden es 300 sein.“ Die Seniorendienste sind damit der mit Abstand größte Ausbildungsbetrieb im Kreis Heinsberg – und im Bereich der Altenpflege wohl auch bundesweit. „Ich kenne auf diesem Gebiet keine Einrichtung in Deutschland, die mehr Auszubildende aufweist“, sagt Bogert.

Es gibt mehrere Gründe, warum die St.-Gereon-Seniorendienste zum Primus bei der Ausbildung von Altenpflegern aufgestiegen sind. „Nach dem neuen Altenpflegegesetz zahlen wir wie alle Pflegeeinrichtungen in einen gemeinsamen Topf ein, aus dem auch alle Auszubildenden bezahlt werden“, sagt Bogert. Einzahlen muss jede Pflegeeinrichtung in diesen Ausbildungstopf – unabhängig davon, ob sie ausbildet und wie viel sie ausbildet.

Imageproblem

Das ist „das Eine“: Finanziell sind die 240 kommenden Altenpfleger für die Seniorendienste also ein Nullsummenspiel.

„Aber“, sagt Bogert, „der Beruf des Altenpflegers hat kein gutes Image, für die meisten jungen Leute ist er ein absoluter Out-Beruf.“ Deshalb hat Bogert zusammen mit Manuela Garbrecht, die bei den St.-Gereon-Seniorendiensten für die Ausbildung zuständig ist, das Projekt „Care 4 future“ mitentwickelt. Bogert erklärt das so: „Mit der Gesamtschule in Ratheim und mit den Hauptschulen in Erkelenz und in Linnich haben wir vereinbart, dass unsere Auszubildende den Wahlpflichtunterricht Pflege und Soziales verantwortlich gestalten. Da fließen natürlich die positiven Erfahrungen, die sie bei uns in der Altenpflege gemacht haben, in den Unterricht ein.“ Die Schüler fänden so einen ganz anderen Zugang zu diesem Beruf, wenn einer von ihnen über die Arbeit authentisch erzähle, sagt Bogert. „Ergänzt wird die Theorie durch den praktischen Einsatz in unseren Einrichtungen.“

Deshalb, betont Manuela Garbrecht, sei es entscheidend, den jungen Menschen eine positive Haltung zu den alten Menschen zu vermitteln: „Das kann man nicht in einem Satz umschreiben, das umfasst eine grundsätzliche Einstellung. Das Besondere bei St. Gereon ist, dass rund 50 Prozent der Auszubildenden ,nur‘ einen Hauptschulabschluss haben und viele einen Migrationshintergrund. Es geht darum, dass die Auszubildenden ihren Weg finden, um den Beruf der Altenpflege zu erlernen.“ Und der ist sehr unterschiedlich. Deshalb brauche man unterschiedliche Angebote. Beispielsweise durch E-Learning, Projektarbeiten oder Peer-learning.

„Wir nehmen daran nicht aus Selbstliebe teil. Nur wenn wir als Arbeitgeber, der sich mit dem Leben alter Menschen beschäftigt, attraktiv sind, sind wir auch für junge Menschen, also für den Nachwuchs in unserem Beruf, anziehend“, sagt Bogert. Die Auszeichnungen seien ein sichtbares Zeichen, dass man auf dem richtigen Weg ist. „Wenn du als Arbeitgeber keinen guten Ruf hast, spricht sich das herum. Auszubildende machen die Ausbildung da, wo sie Wertschätzung und ein gutes Arbeitsklima erfahren“, sagt Bogert. Deshalb sei der Personalmangel in der Pflege auch kein „strukturelles“, sondern ein „hausgemachtes“ Problem.

Natürlich sei die große Zahl von Auszubildenden bei den Pflegekräften in den verschiedenen Einrichtungen der St.-Gereon-Seniorendienste auch auf Skepsis bei den Pflegekräften gestoßen: Jemanden auszubilden, ist immer auch zeitintensiv. Und Zeit ist gerade bei Pflegeberufen ein kostbares Gut. „Wir hatten im Jahr 2012/13 100 Auszubildende. Die sind jetzt im zweiten Ausbildungsjahr und nehmen die Neuen sozusagen an die Hand. Es hat sich inzwischen alles so gut eingespielt, dass alle voneinander profitieren: Die Fachkräfte von den Auszubildenden und umgekehrt. Im besonderen Maße aber die Bewohner. Denn die haben fast eine 1:1 Betreuung – und das ohne jegliche Mehrkosten.“

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