Hückelhoven - Projekt bietet soziale Kontakte für Senioren

Projekt bietet soziale Kontakte für Senioren

Von: Ingo Kalauz
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Claudia Stollenwerk (li.), examinierte Altenpflegerin, und Pfarrerin Ute Saß von der Evangelischen Kirchengemeinde Hückelhoven suchen neue Mitarbeiter für das Projekt „Seniorenbegleitung“. Foto: Kalauz

Hückelhoven. Zeit ist in unserer sich rasant verändernden und auf maximalen Warenaustausch ausgerichteten Gesellschaft ein Gut, das immer kostbarer wird. Auch, weil man es nicht kaufen kann. Zeit für etwas muss man sich nehmen – dann kann man diese Zeit anderen schenken.

Senioren Zeit zu schenken, ist der Grundgedanke, der die Evangelische Kirchengemeinde Hückelhoven vor rund zehn Jahren dazu angetrieben hat, das Projekt „Seniorenbegleitung“ auf den Weg zu bringen.

„Wir suchen Freiwillige“

„Wir suchen Freiwillige, die bereit sind, ehrenamtlich Seniorinnen und Senioren in ihrem Lebensalltag zu begleiten“, sagt Claudia Stollenwerk. Die examinierte Altenpflegerin ist die Koordinatorin des Projektes.

16 freiwillige Mitarbeiter, die sich Zeit nehmen, um Senioren einfach mal zuzuhören, ihnen etwas vorlesen, mit ihnen Spiele spielen, für sie einkaufen gehen, mit ihnen Spaziergänge machen, die Senioren beim Arztbesuch begleiten und einfach die Angehörigen ein wenig entlasten, zählt das Team zurzeit. „Der älteste unserer ehrenamtlichen Seniorenbegleiter ist jetzt selbst schon 80 Jahre alt, die jüngste ist 46“, sagt Pfarrerin Ute Saß.

Auch sie ist für die Seniorenbegleiter der Evangelischen Kirchengemeinde Ansprechpartner. „Aber“, das betont sie ausdrücklich, „unser Projekt ist nicht konfessionell gebunden. Jeder, der sich ernsthaft für die Seniorenbegleitung interessiert und die von uns angebotene Qualifizierung zum Seniorenbegleiter mitmachen will, ist willkommen“. Und jeder, der sich in das Projekt, einbringen will, kann die Zeit, die er dafür „opfert“, selbst bestimmen: „Viele unserer Seniorenbegleiter sind selbst noch berufstätig“, sagt Claudia Stollenwerk.

Da ist es oft nicht einfach, sich Zeit frei zu schaufeln, um anderen Menschen diese Zeit schenken zu können. „Aber die Zeit, die unsere Mitarbeiter mit den Senioren verbringen, ist für die nicht selten der einzige soziale Kontakt, den sie noch haben“. Auch dieser Umkehrschluss wird in unserer Gesellschaft zu einer logischen Gleichung: Je mehr Mobilität von den aktiv im Berufsleben stehenden Menschen verlangt wird, desto größer wird die Vereinsamung der alten, nicht mehr berufstätigen und oft auch immobilen Menschen.

Damit die ehrenamtlichen Seniorenbegleiter ihrer neuen Aufgabe gewachsen sind, werden sie in zehn Kurseinheiten verbunden mit einem Praktikumsteil von geschulten Fachkräften ausgebildet. Inhalte der einzelnen Kursabende sind beispielsweise „Gesprächsführung“, „Alterserkrankungen und Medikamente“, „Neinsagen lernen“, „Praktischer Umgang mit dem Rollstuhl“ oder „Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und Betreuungsrecht“.

„Die Ehrenamtler“, sagt Claudia Stollenwerk, „müssen eine gute Begleitung haben, sie dürfen sich nicht allein gelassen fühlen.“ Das, versichert sie, sei garantiert. Das Gefühl, Teil eines Teams zu sein, wird auch dadurch verstärkt, dass sich die ehrenamtlichen Seniorenbegleiter der Evangelischen Kirchengemeinde Hückelhoven alle zwei Wochen zu einem Gedanken- und Erfahrungsaustausch treffen.

„Sie haben wirklich Zeit für mich?“ würden viele Senioren ungläubig fragen, wenn einer der Ehrenamtler zu ihnen kommt. Anderen Menschen Zeit zu schenken, ist offenbar wirklich ein teures Gut geworden.

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