Proberaum aufgebrochen: Instrumente im Wert von 12.000 Euro gestohlen

Von: Laura Beemelmanns
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Das weiß folierte Schlagzeug ist das auffälligste Stück. Die Band hofft, dass es irgendwo im Internet angeboten und durch das Design schnell wiedererkannt wird. Foto: Band/Joy Beck
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Felix Bonus, 23, ist Gitarrist der Band Ten Tons of Glory. Er war der erste vor Ort, der den Diebstahl bemerkte. Foto: Laura Beemelmanns

Erkelenz. Diesen einen Tag im April, als Felix Bonus die Tür zum Proberaum seiner Band Ten Tons of Glory in Erkelenz aufschließen wollte, wird er wohl nie vergessen. Denn die Tür war bereits offen, die Kunststoffblende des Schlosses kaputt.

Da stimmte etwas nicht, das war dem 23-jährigen Gitarristen sofort klar. Die Band, das heißt Sascha (Woody) Scheuer, Yannick Behrendt, Manuel Dannhauer und Felix Bonus, wurde bestohlen – im ganz großen Rahmen. Und ausgerechnet wegen des Einbruchs erlebten sie einen Ansturm in den sozialen Netzwerken.

Um mögliche Spuren nicht mit seinen eigenen Fingerabdrücken zu verwischen, wickelte Felix seine Jacke um die Hand und öffnete langsam die Tür zum Proberaum. Was er dort sehen musste, schockierte ihn. Instrumente und Equipment im Wert von rund 12.000 Euro waren verschwunden, darunter ein auffällig gestaltetes weißes Schlagzeug mit dem Band-Logo vorne drauf. Dazu der passende Hocker, Ersatzsticks, die im gesamten Raum verteilt waren, ein Koffer, in dem unter anderem ein Metronom lag, viel Zubehör, Gitarreneffekte, Kleinkram. „Das Kuriose daran ist, dass die wertvolleren Teile wie zum Beispiel Verstärker nicht mitgenommen wurden“, sagt Felix. Die Einbrecher hatten sich jedoch noch die Arbeit gemacht, alle Teile auszustecken. „Auf mich wirkte das so, als hatten sie vorgehabt, ein weiteres Mal zu kommen.“

Außerdem, so denkt er, seien die teuren Verstärker, die wie „Instrumente von der Stange“ aussehen, leichter im Wiederverkauf an den Mann zu bringen. Das Schlagzeug jedoch wurde von Schlagzeuger Manuel Dannhauer selbst mit Autofolie beklebt. Jedes einzelne Teil, ganz egal, ob es mal schwarz oder aus Edelstahl war, ist nun mattweiß. „Es gibt kein zweites Schlagzeug, das so aussieht wie dieses“, sagt Felix. Umso schwerer dürfte es für die Diebe sein, das Instrument zu verkaufen. Die Folie abzuziehen sei sehr aufwendig, sagt Felix. Da würde sich all die Mühe finanziell gar nicht rentieren.

Betroffen von dem Einbruch sind zudem nicht nur die Jungs Ten Tons of Glory, sondern auch weitere Musiker, die ihre Instrumente dort lagerten und nutzten. Felix‘ erster Gedanke war: „Das muss ein schlechter Scherz sein.“ Er rief seine Bandkollegen an, die machten sich gleich auf den Weg. Der zweite Anruf ging dann an die Polizei.

In der Woche zwischen dem 31. März und dem 5. April hat niemand in den Räumlichkeiten geprobt. Irgendwann in dieser Zeit musste jemand, vermutlich mehrere Einbrecher, das Schloss geknackt und den Raum ausgeräumt haben. Das Problem: Selbst wenn es einer der Nachbarn bemerkt haben sollte, sei es nicht verwunderlich, dass niemand reagiert habe, sagt Felix. Denn die Band komme oft auch in der Nacht dorthin und bringe die Instrumente nach einem Auftritt zurück in den Proberaum. Außerdem sei all das Equipment ja nicht mal eben so verstaut. „Das Schlagzeug passt theoretisch auch in ein kleineres Auto, aber da braucht man dann schon viel Zeit, um es auseinander zu bauen“, sagt er. Für Außenstehende könnte es also so ausgesehen haben, als sei das ein ganz normaler Ladevorgang der Band.

Schon mehrfach wurde in den vergangenen sechs Jahren, in denen die Band dort probt, versucht, die Tür aufzubrechen. Bislang scheiterten die Diebe jedoch immer am Schloss. Dieses Mal hat es geklappt. Inzwischen ist die Tür wieder verriegelt. Und auch weitere Maßnahmen wurden getroffen. Den genauen Standort ihres Proberaums wollen Ten Tons of Glory nicht preisgeben. Zu groß ist die Angst vor einem weiteren Einbruch. Denn, so wie es aussieht, zahlt die Versicherung den Schaden nicht. Der Raum war unbewacht und unbewohnt. Geld für neues Equipment muss nun erst einmal zusammengetragen werden. „Wir werden vermutlich demnächst mehr unplugged machen“, sagt Felix. Auf Deutsch: Akustikversionen. Es waren Teile dabei, auf die man fürs Erste verzichten könne. Aber natürlich haben sie die Hoffnung, ihr Equipment wiederzufinden, noch nicht aufgegeben.

Die Band hat gleich darauf bei Facebook und auf ihrer Homepage einen Aufruf gestartet. Dort haben sie zudem eine Liste der gestohlenen Teile veröffentlicht. Die Resonanz war enorm. Es gab Beiträge im Radio und viele Reaktionen von Fans, Freunden, aber auch Fremden. „Normalerweise haben wir bei Facebook-Kommentaren eine Reichweite zwischen 300 und 500. Bei diesem Post waren es 35.000“, sagt Felix. „Das ist wirklich völlig durch die Decke gegangen.“ Im Grunde, so sagt er jetzt, war es für die Band eine „wahnsinnig gute PR-Aktion“, wenngleich sie sich das lieber auf eine andere Art gewünscht hätte.

Aktuell musste nur ein Auftritt abgesagt werden. Da Ten Tons of Glory gerade an ihrem Debüt-Album arbeiten, könnte es aber sein, dass der Aufnahmetermin aufgeschoben werden muss. Sie wollen noch abwarten, ob die Instrumente doch noch auftauchen oder Kosten wider Erwarten doch von der Versicherung übernommen werden. Denn die Chance, dass die Diebe gefunden werden, ist verschwindend gering. „Wir hoffen, dass einer einen Fehler macht und die Teile im Internet anbietet“, sagt Felix. Jeden Tag schauen sie auf den gängigen Flohmarktapps und Auktionsplattformen, ob irgendwo dieses besondere mattweiße Schlagzeug auftaucht. Bis jetzt war ihre Suche erfolglos. Die Band hofft auch, dass jemand per Zufall das Schlagzeug findet oder es ihm angeboten wird. Falls das der Fall ist, dann freuen sie sich über Hinweise per E-Mail an info@tentonsofglory.com. Bis dahin spielen sie ein paar mehr Akustik-Versionen. Ausbremsen lassen sie sich deshalb noch lange nicht.

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