Prinz liebt statt Prinzessin einen Edelmann

Von: Anna Petra Thomas
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Sie feiern und werden in den Narrhallas der Region gefeiert: Prinz Stefan II. (Meyer) und Edelmann Thomas, das erste rein männliche Prinzenpaar der KG Kemper Gröne. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg-Kempen. „Nix bliev wie et wor“ hatte Präsident Guido Peters bei der Rückschau auf seine Prinzenpirscher-Erlebnisse erklärt. Dieser Satz klang den Besuchern des Familienabends der KG Kemper Gröne in der Bürgerhalle noch ganz laut in den Ohren, als dann auf der Bühne ganz plötzlich wirklich alles ganz anders war.

Da stand kein Paar aus Mann und Frau, sondern da standen zwei Männer, Stefan Meyer und Thomas Schürhoff, die Peters als das neue Prinzenpaar der Gesellschaft vorstellte. Wie das Publikum reagieren würde, hatten sich Peters und seine „Mitpirscher“, Vereinsvorsitzender Christoph Tholen und Ehrenpräsident Christian Heuter, zuvor nicht ausmalen wollen. Denn wie in Kempen üblich, wissen eigentlich bis 23.11 Uhr am Familienabend nur die Prinzenpirscher, wer die Tollitäten für die neue Session sind. Für eine gefühlte tausendstel Sekunde hielt der Saal die Luft an…, und dann brach in Kempen der Jubel los.

Klar, viele Menschen in Kempen kennen Meyer und Schürhoff, die auch privat ein Paar sind, allerdings weniger aus dem Karneval. Aber beide sind aktive Sänger im Kirchenchor und sie feiern gerne mit, wenn die Kempener Vereine etwas zu feiern haben. So war es auch im Oktober vergangenen Jahres beim Schießturnier der Kempener Ortsvereine am Schießstand unter der Grundschule.

„Da war Thomas auch und ich dachte…“, erinnert sich Peters an seinen ersten Gedanken, den er dann schnell mit dem Vorsitzenden der Gröne teilte. Gedacht, gesagt, aber wie weiter? Walter und Maggie Forscheln, als Stadtprinzenpaar nicht nur erfahren im Karnevalsgeschehen, sondern auch Nachbarn der beiden Auserwählten, kamen ins Boot der Geheimnisträger. Sie sollten einen günstigen Termin für einen Überraschungsbesuch bei den beiden finden.

Der „ausgeguckte“ Prinz staunte nicht schlecht, als Peters, Tholen und Heuter an seiner Tür klingelten. „Ich dachte zuerst an die Schützen und überlegte dann, von welchem Verein die beiden wohl seien…“, als Tholen sich und seine Mitpirscher als Sammelteam für den Sankt-Martins-Zug vorstellte. Das nahm ihnen Meyer dann allerdings gar nicht ab, aber das Eis war mit Humor gebrochen.

Überrascht war er dann schon, als die Pirscher ihm den wahren Grund ihres Besuchs verraten hatten. „Ich dachte erst, ich solle Prinz sein und die beiden hätten eine Prinzessin für mich…“, erinnert sich Meyer. Aber nein, hatten sie nicht. Die Gesellschaft zusammen mit seinem Partner zu repräsentieren, sei für ihn allerdings auch Bedingung gewesen, erklärt er heute. „Es sind doch sehr viele Termine und sehr viel Zeit, die man für ein solches Amt opfert. Das geht nur gemeinsam.“

Aber wer sollte denn nun was sein? „Wie die Regentschaft ausgestaltet sein könnte, hatten wir völlig offen gelassen“, blickt Peters heute zurück. Aber schnell war klar, dass Meyer, heute Stefan II., der Prinz sein sollte. „Der kann besser schwade und is auch der jrößere Jeck“, erklärt Schürhoff. Doch was sollte er dann sein?

Gemeinsam machten sich alle auf die Suche nach einem geeigneten Kostüm für ihn als männlicher Begleitung des Prinzen. Und mit dem Kostüm, das als „Edelmann“ angeboten wurde, war dann auch seine Bezeichnung gefunden. Den beiden gefiel‘s, dem Verein ebenso und mittlerweile auch dem Publikum, auf das sie quer durch die Region bei all ihren Auftritten treffen.

Ein ganz klein bisschen nervös waren sie schon vor ihrem ersten öffentlichen Auftritt bei der Proklamation des Stadtprinzenpaares in der Unterbrucher Mehrzweckhalle. Bis Heinz-Leo Heinrichs, scheidender Stadtprinz und Ehrenpräsident des Komitee Heinsberger Karneval, in seiner Abschiedsrede die Kempener ausdrücklich lobte für ihren Mut, sich neuen gesellschaftlichen Entwicklungen zu öffnen. Mit Applaus stimmten ihm die Vertreter aller Heinsberger Komiteegesellschaften zu.

„Schön wäre, wenn wir irgendwann einmal Nachfolger hätten, über die gar nicht mehr eigens berichtet würde, wenn das, was wir jetzt tun, einfach ganz normal wäre“, wünscht sich Prinz Stefan II. und freut sich schon jetzt auf seine offizielle Proklamation zum Auftakt des Kempener Frühschoppens am 9. Februar.

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