Priesteramt statt Ruhestand: Weihe mit 60 Jahren

Von: mb
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Vom Diakon zum Pfarrvikar: Theo Wolber bei der Arbeit. Zu seinen neuen Aufgaben zählen auch die Feier der Eucharistie, das Bußsakrament und die Krankensalbung. Foto: Baltes
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Wegberg. „Verändert?“ Das offene Lächeln weicht zwei steilen Denkerfalten auf der Stirn. Theo Wolber muss nachdenken über die Frage, was sich verändert hat an seinen Aufgaben, seinem Dienst und im Privatleben, seit er vor ein paar Wochen in der Pfarrkirche Wegberg im Alter von 60 Jahren zum Priester geweiht worden ist.

Schon seit 2007 arbeitet er als Diakon in den Gemeinden rund um Wegberg – kirchliche Arbeit ist ihm wohlvertraut und die Frage scheint ihn zu verblüffen.

Drei Dinge sind neu

„Rein formell“, beginnt er, „sind drei Dinge hinzugekommen. Die Feier der Eucharistie, das Bußsa-krament und die Krankensalbung.“ Alle anderen kirchlichen Dienste hat er auch als Diakon übernehmen können. Unzählige Wortgottesdienste, mehr als 100 Taufen, über 80 Beerdigungen, etwa 30 Trauungen, aber auch Prozessionen, Goldhochzeiten und Kreuzeinweihungen säumen seinen Weg. Die wöchentlichen Teambesprechungen, zu denen sich die Mitarbeiter der Pfarrei St. Martin einfinden, gehören längst zu seinem Alltag. Gegen das Wort „Routine“ wehrt er sich energisch, Seelsorge dürfe niemals zur Routine werden. Neu ist für ihn der Priesternotruf. „Ich trage ein Handy am Gürtel, damit ich jederzeit erreichbar bin und im Auto liegen alle Utensilien, um die Krankensalbung spenden zu können.“

Die Zeiten, als der Priester zu den Honoratioren des Dorfes gehörte und am sprichwörtlichen Stammtisch mit dem Lehrer, dem Apotheker und den wohlhabenden Bauern des Ortes Platz nahm, sind längst vorbei, obwohl Wolber mit seinen 60 Jahren im besten Stammtischalter wäre. Er schmunzelt: „Trotzdem höre ich derzeit ständig die Frage, wie man mich jetzt anreden müsse“. Mit Ernennungsurkunde ist er zum Pfarrvikar ernannt worden, die korrekte förmliche Anrede ist Herr Pfarrer. Aber besonderen Wert legt er auf die Anrede nicht – er nimmt sich selbst da nicht so wichtig.

Nach und nach feiert er in allen zehn Gemeinden der Pfarrei St. Martin Wegberg seine Nachprimiz und ist „getragen von der Freude und Herzlichkeit“, mit der er aufgenommen wird. Dabei trifft er auf vertraute Gesichter aus seiner Zeit als Diakon und auf neue Menschen, in deren Gemeinden er bisher eher selten zu sehen war. In welchen Gemeinden er künftig regelmäßig sein wird, ob er schwerpunktmäßig arbeitet oder flächendeckend wird die Zukunft zeigen. Kirche vor Ort ist in Zeiten von Priestermangel und Pfarrfusionen auch eine logistische Meisterleistung. Sichtlich erleichtert ist Wolber, dass er von organisatorischen Aufgaben verschont bleibt: „Das macht Pfarrer Huu Duc Tran als Leiter der Pfarrei.“

Er kann sich ganz auf die seelsorgerischen Aufgaben konzentrieren. Herausforderung genug, hat er doch häufig mit Menschen in Ausnahmesituationen zu tun. Mit Eltern, die voller Dankbarkeit ein neues Leben in die Arme schließen, Brautleute, die den gemeinsamen Lebensweg unter Gottes Segen stellen, Trauernde, die einen geliebten Menschen verloren haben, Ratsuchende in schwierigen Lebensphasen, mit menschlichen Schicksalen. Wie gut, dass er auf eigene Lebenserfahrung zurückgreifen kann.

Denn er kennt sie, die Höhen und Tiefen, die ein Leben begleiten, die Freude und die Mühsal der täglichen Arbeit, das Licht am Ende des Tunnels und die dunklen Schatten. Es ist das Pfund, mit dem er wuchern kann – er ist einer von ihnen. Dass er in einem Alter, in dem andere sich auf den Ruhestand freuen, noch einmal einen ganz neuen Weg einschlägt und Verantwortung übernimmt, wird mit Staunen zur Kenntnis genommen, aber auch mit Anerkennung und Respekt honoriert. „Das war eben mein Weg“, sagt er schlicht. Sein ganzes Leben lang war er der Kirche verbunden, als Messdiener, Lektor, Kommunionhelfer, Pfarrgemeinderatsmitglied, aber er war auch Bankkaufmann, Karnevalspräsident, Laienschauspieler und Kegelclub-Mitglied, Leben in Fülle.

Und was hat sich im privaten Umfeld verändert? Hier muss er nicht lange nachdenken: „Nichts.“ Familie und Freunde haben seine Entscheidung einfach respektiert, sich mit ihm gefreut, seinen Weg begleitet. Und keine eigenen Zweifel? Die Denkerfalten kehren zurück: „Ich glaube, wer nie zweifelt, denkt auch nicht mehr.“ Und macht sich auf den Weg zu seinem nächsten Termin, einem Taufgespräch. Festen Schrittes.

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