Priester nach 42 Jahren Arbeit am Kapital

Von: Monika Baltes
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42 Jahre war Theo Wolber bei der Kreissparkasse beschäftigt. Jetzt empfängt er in der Wegberger Pfarrkirche die Priesterweihe. Foto: Baltes

Wegberg. Natürlich weiß er es: Die katholische Kirche muss sich drängenden Problemen stellen und hat es schwer, die Menschen mit ihren Nöten und Hoffnungen zu erreichen. Und doch wird er am Pfingstsamstag mit den Worten „Hier bin ich“ voller Überzeugung und Gottvertrauen seine Bereitschaft zur Priesterweihe erklären. Diakon Theo Wolber (60) aus Dalheim empfängt das Weihesakrament von Bischof Heinrich Mussinghoff in der Wegberger Pfarrkirche St. Peter und Paul.

In einem Alter, in dem andere sich mit dem bevorstehenden Ruhestand beschäftigen, übernimmt er noch einmal Verantwortung. Dabei befindet er sich selbst seit einem Jahr in der „Freizeitphase der Altersteilzeit“ wie es heute so schön heißt. Auf ein langes Berufsleben bei der Kreissparkasse kann er zurückblicken. 42 Jahre lang hat er sich mit Kundschaft, Konten und Kapital beschäftigt. Aber als junger Mann habe er schon einmal den Gedanken gehegt, Priester zu werden.

Immer war er der Kirche verbunden, in verschiedenen kirchlichen Gremien tätig und sah die Not der Gemeinde, als der Pfarrer von Dalheim sehr krank wurde und starb. Das Matthäus-Evangelium von den anvertrauten Talenten sei ihm immer öfter durch den Kopf gegangen. Vor elf Jahren hat er mit der Ausbildung zum Diakon begonnen, seit sechs Jahren arbeitet er nebenberuflich als ständiger Diakon in den Wegberger Pfarrgemeinden. Jetzt wird er seinen Vorruhestand als Priester in den kirchlichen Dienst stellen.

Eine seltene Chance, „denn eigentlich bin ich sogar für einen Spätberufenen zwanzig Jahre zu alt“, lacht Wolber. „Ich werde ähnlich wie ein Subsidiar arbeiten, nur dass ich vorher nicht als Priester, sondern als Bankkaufmann tätig war. „Sechs Jahre Erfahrung als Diakon bringt er mit, 84 Gläubige hat er in dieser Zeit zu Grabe getragen, 28 Brautleute getraut, 120 Kinder getauft.

Durch seine Priesterweihe kann er künftig auch die Eucharistie feiern, das Bußsakrament und die Krankensalbung spenden. „Freut euch mit den Fröhlichen und weinet mit den Weinenden“ (Römer 12,15) – sein Weihespruch passt zu ihm. Denn er kennt sie, die Fröhlichen und die Weinenden. Weil er immer mitten unter ihnen gelebt hat, den normalen Menschen mit ihren Nöten und Ängsten, ihren Freuden, Träumen und Hoffnungen. „Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt. Der eine erreicht Gott über den Rosenkranz, ein anderer über einen Tanz im Gottesdienst“, bricht er eine Lanze für die Toleranz.

Große Dinge sollten geplant werden anlässlich seiner Primiz in Dalheim. Er hat es sich aber schlicht und einfach gewünscht. „Ich finde, dass die Kirche heute besser in Demut dahergeht.“ In seiner Heimatgemeinde Dalheim wird die Primiz am Pfingstsonntag stattfinden, bis Ende Juni will er in den anderen Gemeinden der Pfarrei St. Martin Wegberg eine Nachprimiz gefeiert haben.

Aufgeregt erwartet wird der Tag der Priesterweihe auch von seiner Mutter, die drei Wochen vorher 100 Jahre alt wird und sich jetzt erst einmal für sechs Wochen von ihrem Sohn verabschieden muss. Am Weißen Sonntag reist Wolber nach Osnabrück, um sich in einem Priesterseminar noch einmal ganz intensiv auf die Weihe vorzubereiten.

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