Preisgekrönter Autor fasziniert sein Publikum

Von: Monika Baltes
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Keine Pflichveranstaltung: Feridun Zaimoglu genießt die Lesung in der Buchhandlung Gollenstede, obwohl er in seinem Autorenleben bereits mehr als 1700 gegeben hat. Foto: Monika Baltes

Heinsberg. Wenn es das Wort „charismatisch“ nicht gäbe, für ihn müsste es erfunden werden. Soeben hat Feridun Zaimoglu Platz genommen in dem schwarzen Clubsessel in der Heinsberger Buchhandlung Gollenstede und fasziniert sein Publikum von der ersten Sekunde an.

Er schreibt preisgekrönte Bücher, Theaterstücke und Drehbücher, ist bildender Künstler und Kurator, beteiligt sich an politischen Debatten und arbeitet als freier Journalist und Gastdozent. Die Liste seiner Auszeichnungen füllt mühelos eine DIN-A-4 Seite und vor 30 Stunden ist eine weitere Auszeichnung hinzugekommen. Im Februar wird er mit dem Berliner Literaturpreis 2016 ausgezeichnet für sein „sprachgewaltiges erzählerisches und dramatisches Werk“, so die Jury. Feridun Zaimoglu wurde 1964 im anatolischen Bolu geboren, kam als Kind nach Deutschland und lebt in Kiel.

Freundlich wendet er sich seinem Publikum zu, gibt das Gefühl, ein offenes Buch zu sein. Aufrichtig und ernsthaft, mit einer besonderen Art der Bescheidenheit, humorvoll, zutiefst sympathisch. Eine Lesung sei für ihn keine Pflichtveranstaltung, mehr als 1700 hat er schon absolviert. Das weiß er ganz genau, weil er eine Strichliste führt, denn „das Finanzamt ist da sehr penibel.“

Dann greift er zu seiner Lesebrille und seinem 800-seitigen Buch „Siebentürmeviertel“, taucht ein in die Familiensaga zwischen Orient und Okzident, in die fremde und faszinierende Welt im Istanbul der 40er Jahre.

Der sechsjährige Wolf trifft 1939 mit seinem Vater, einem von den Nazis verfolgten Sozialdemokraten, in dem Armenviertel mit den sieben Türmen ein. „Arier“ und „Hitlers Sohn“ wird Wolf genannt, Anerkennung verschafft er sich durch Draufgängertum. Und Feridun Zaimoglu verwandelt sich. Der freundliche zugewandte Mann ist mit dem Aufblättern der ersten Seite ganz bei sich, bei seinem Roman. Sucht nicht ein einziges Mal den Blickkontakt mit seinen Zuhörern, hält in einer Hand das Wasserglas, die andere unterstreicht unablässig seine Worte in fließenden aber entschlossenen Bewegungen.

Mit dem Zuklappen des Buchdeckels ist er augenblicklich in der Realität zurück, bereit sich den Fragen des Publikums zu stellen. Erzählt von der Qual des Schreibens, dass er bei jedem Buch sieben bis vierzehn Kilo abnimmt. „Es ist wie verliebt sein, ich habe keinen Hunger.“

Brennen müsse er für den Stoff, wie ein „unsauberer Geist in die Hauptperson hineingeweht werden“ und je weniger Zaimoglu übrig bleibe, desto besser für das Buch. „Das Buch ist wie Säure, es zerfrisst mich.“ Sein Vater wuchs im Siebentürmeviertel auf, er ist zur Recherche hingereist, um logische Fehler zu vermeiden.

Zu den Worten „Heimat“ und „Fremde“ gesellt sich das Wort „Flüchtlinge“, er erzählt von Flugangst und blühender Fantasie und dass er jeden Tag lese.

Pläne für die Zukunft? Ein Buch habe er im Kopf, über das er selbstverständlich nicht sprechen dürfe. Als nächstes steht die Frankfurter Buchmesse auf dem Programm. Aber zuerst geht es zurück in seine auserkorene Heimatstadt Kiel. „Ich muss das Bad putzen.“

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