Potenzialanalysen: Der erste Schritt auf dem Weg zum Beruf

Von: Daniel Gerhards
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Stärken und Schwächen zeigen: Bei der Potenzialanalyse müssen Schüler der achten Klasse bei unterschiedlichen Übungen beweisen, was sie können. Das soll ihnen langfristig bei der Wahl des richtigen Berufs helfen. Foto: Gymnasium Hückelhoven
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Stärken und Schwächen zeigen: Bei der Potenzialanalyse müssen Schüler der achten Klasse bei unterschiedlichen Übungen beweisen, was sie können. Das soll ihnen langfristig bei der Wahl des richtigen Berufs helfen. Foto: Gymnasium Hückelhoven
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Bei der Berufsorientierung ist Kontinuität wichtig: Das sagen die Lehrer Fritz Metz und Nadine Dohmen. Foto: Gerhards
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Bei der Berufsorientierung ist Kontinuität wichtig: Das sagt Lehrerin Annelore Hecker. Foto: Gerhards

Kreis Heinsberg. Sinnvoller Schritt auf dem Weg zur Berufswahl – oder für 13-Jährige viel zu früh? Ab diesem Jahr sind die Potenzialanalysen für alle Schüler der achten Klasse vorgeschrieben. Einen Tag lang müssen die Schüler unter Beobachtung unterschiedliche Aufgaben lösen, um herauszufinden, wo ihre Stärken und Schwächen liegen.

Ob das die Schüler bei der Berufswahl weiterbringt, lässt sich noch nicht sagen. Klar ist aber schon jetzt, dass die Potenzialanalyse eine Pflichtveranstaltung ist. Auch für Gymnasiasten, die in der Klasse acht noch einige Jahre Schule vor sich haben.

Die Schüler bearbeiten bei der Potenzialanalyse bei einem externen Bildungsträger, zum Beispiel dem TÜV Nord in Mönchengladbach, an unterschiedlichen Stationen Aufgaben, die auf Themenfelder wie handwerkliches Geschick, Teamfähigkeit, Motivation, Verantwortung oder Tempo abzielen. Am Ende werden die Ergebnisse in einer Bewertung zusammengefasst. Drei Berufsfelder werden herausgearbeitet, in die es sich für den Schüler reinzuschnuppern lohnt.

Dabei würden Schlüsselqualifikationen abgefragt: Problemlösefähigkeiten, Kreativität, technisches Verständnis, Leistungsbereitschaft, sagt Annelore Hecker, Koordinatorin für Studien- und Berufsberatung am Gymnasium Hückelhoven. Es gehe noch nicht um die Frage, welcher konkrete Beruf zu einem Schüler passt, sondern um seine persönlichen Stärken und Schwächen. Also zum Beispiel eher um die Frage, ob sich ein Schüler gut konzentrieren kann. Nicht so sehr darum, ob er deshalb Fluglotse werden sollte.

Aus den Erfahrungen der ersten Potenzialanalysen für die Schüler des Gymnasiums Hückelhoven weiß Hecker, dass es wichtig ist, dass der jeweilige Träger die Aufgaben für die Schüler gut aufbereitet.

Man müsse den Jugendlichen zum Beispiel erklären, was von ihnen verlangt werde. Sonst komme es zu Missverständnissen: Als ein Schüler auf einem Selbsteinschätzungsbogen mit der Kategorie „Verschwiegenheit“ konfrontiert wurde, habe er dabei an „Leute, die still sind“ gedacht, sagt Hecker. Darum ist Hilfe wichtig. Sonst kreuzen die Schüler etwas an, das gar nicht gemeint ist. Ob die Potenzialanalyse den Schülern etwas bringt, hängt also maßgeblich davon ab, ob der Bildungsträger, bei dem die Schüler an der Analyse teilnehmen, seine Arbeit gut macht. Selbstverständlich ist das nicht, wie die ersten Erfahrungen an den Schulen zeigen.

An die Potenzialanalyse anschließen sollen sich drei Berufsfelderkundungstage. Das bedeutet im Klartext: Die Schüler sollen drei eintägige Praktika machen. Ob es genügend Betriebe gibt, die solche Praktikumsplätze zu Verfügung stellen, steht noch in den Sternen. Genauso fraglich ist, ob ein 13-Jähriger nach einem Tag beim Rechtsanwalt, Zahnarzt oder Architekten sagen kann, ob dieser Job das Richtige für sein gesamtes Berufsleben ist.

Wichtig sei aber, nach der Potenzialanalyse, die der erste Schritt im Prozess der Berufswahl sein soll, am Ball zu bleiben. „Man muss den jungen Leuten ständig auf den Schlips treten“, sagt Arnold Krekelberg, Leiter des Gymnasiums Hückelhoven. Deshalb finden an seiner Schule Gespräche mit Lehrern, einem Vertreter der Bundesagentur für Arbeit, Praktika und ein Ausflug zur RWTH Aachen statt. Denn Ziel der Schule ist, den Jugendlichen auch den Weg an die Uni schmackhaft zu machen. Der Ausflug zur Technischen Hochschule soll für die Hückelhovener Gymnasiasten einen der drei vorgeschriebenen Praktikumstage ersetzen.

Für Fritz Metz und Nadine Dohmen, die sich am Kreisgymnasium Heinsberg um die Berufsorientierung kümmern, ist wichtig, dass die Ergebnisse der Potenzialanalyse nicht dazu führen, dass sich Schüler und Eltern zu früh festlegen. Nur weil ein Kind an einem Tag zum Beispiel besonders viel Fingerfertigkeit bewiesen hat, bedeute das nicht, dass er zwingend Zahnarzt werden müsse. Aber vielleicht stoßen die Schüler auf Stärken, die ihnen gar nicht bewusst waren.

Die Schülervertretung des Kreisgymnasiums begrüße die Möglichkeit, dass man nun an drei Tagen kurz in unterschiedliche Berufe hineinschnuppern kann, sagt Dohmen. Die Erkenntnisse daraus wollen die Schüler nutzen, um eine geeignete Stelle für ein längeres Praktikum in der zehnten Klasse zu finden.

Ob die Potenzialanalysen für die Schüler der Gymnasien nun zu früh kommen, darüber gehen die Meinungen auseinander. Krekelberg findet, dass man prinzipiell nicht früh genug mit der Berufsorientierung starten könne. Am Kreisgymnasium würde man lieber etwas später starten. Metz: „Wir wären nicht unglücklich, wenn sie erst in der Klasse neun gemacht würde.“ Dann wäre der Abstand zum Abitur nicht so groß und der Übergang zur Berufsfeldwoche mit einem längeren Praktikum fließend.

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