Heinsberg/Erkelenz/Wegberg - Positive Reaktionen auf G9-Entscheidung

Positive Reaktionen auf G9-Entscheidung

Von: Mirja Ibsen und Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
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Die Schulleiter der Gymnasien in Heinsberg, ERkelenz und Wegberg haben prinzipiell vor, zu G9 zurückzukehren. Symbolfoto: Armin Weigel/dpa Foto: Armin Weigel/dpa

Heinsberg/Erkelenz/Wegberg. Die Grundsatzentscheidung der neuen Landesregierung zum Abitur nach neun Jahren zurückzukehren, ist bei Leiterinnen von Gymnasien in Heinsberg, Erkelenz und Wegberg weitgehend positiv aufgenommen worden. CDU und FDP hatten sich darauf geeinigt, prinzipiell zu G9 zurückzukehren. Schulen sollen aber die Möglichkeit bekommen, das Turbo-Abi beizubehalten.

Annegret Krewald, Leiterin des Kreisgymnasiums Heinsberg, findet, dass die Politik damit vor allem dem Wunsch vieler Eltern nachkommt. „Ich denke, der Elternwunsch in Richtung G9 war ganz klar“, sagt sie. Nicht nur, weil die Eltern eine Überlastung der Kinder sehen, der laute Ruf nach G9 habe auch andere Gründe: Zum Beispiel fordern Eltern mehr Zeit für die Schüler, sich zu entwickeln.

Oder um ein stabiles Arbeitsverhalten zu entwickeln, das einen guten Start an der Uni ermöglicht. Und ältere Schüler seien reifer und nähmen mehr Allgemeinbildung mit ins Leben. „Die Elternschaft begrüßt das“, sagt Krewald, und auch die Lehrer sehen ähnliche Vorteile. „Ich finde gut, dass den Schulen damit Stabilität gegeben wird. Sie kommen nicht in ein endloses Entscheidungskarussell zwischen G8 und G9. Diese Stabilität können Schulen sehr gut gebrauchen“, sagt Krewald.

Was die Entscheidung konkret für den Unterricht bedeutet, muss sich noch zeigen. Werden Lehrpläne entzerrt? Kommt anderer Lernstoff hinzu? „Wir werden im nächsten Schuljahr damit beschäftigt sein, neue Lehrpläne zu entwickeln“, sagt Krewald. Viel Arbeit? „Ja, aber das ist Arbeit, die wir gerne machen.“ Um damit zu beginnen, sei es noch zu früh. „Für uns wird es spannend sein, zu sehen, welche Vorgaben wir bekommen. Wir können erst mit der Arbeit anfangen, wenn diese Vorgaben da sind“, sagt Krewald.

Auch Rita Hündgen, Leiterin des Cusanus-Gymnasiums in Erkelenz, begrüßt die Entscheidung der schwarz-gelben Koalitionäre. „Was nicht heißt, dass wir G8 schlecht gemacht haben“, betont sie. „Wir haben unser Bestes gegeben.“

Beim neuen G9 sei aber noch vieles offen. Für konkrete Vorgaben, die nun aus Düsseldorf kommen müssen, hat sie drei Wünsche: Erstens hofft sie, dass es keine neuen Kernlehrpläne geben wird – „Das haben wir ja gerade erst hinter uns“ –, sondern dass der Lehrplan nur zeitlich gestreckt unterrichtet wird. Zweitens fände sie es wichtig, dass die zweite Fremdsprache wieder erst in der 7. Klasse eingeführt wird. Drittens wünscht sie sich einen sanften Übergang, dass nichts übers Knie gebrochen wird und dass Lehrer und Schulen in den Prozess einbezogen werden.

Ob erst die Schüler des Jahrgangs 2019/2020 in G9 einsteigen können, ist noch nicht entschieden. Hündgen fürchtet, dass Lehrer fehlen, wenn die Regelung ab 2019 direkt für alle Gymnasiasten gilt. Für den Lehrerberuf müsse überhaupt wieder mehr geworben werden. In den MINT-Fächern fehlten heute schon Kollegen. Auf jeden Fall bedeutet die Entscheidung, dass es ein Jahr fast ohne Abiturienten geben wird. Und das dürfte der Wirtschaft und den Universitäten gar nicht gefallen, meint die Erkelenzer Schulleiterin.

Dass eine große Mehrzahl der Eltern unbedingt zu G9 zurück wollte, hat Dr. Barbara Tillmanns, Leiterin des Maximilian-Kolbe-Gymnasiums in Wegberg, nicht erlebt: „Ich habe das nie so empfunden. Wir haben über diese Dinge gesprochen. Aber der Ruf nach G9 war nie so stark.“

Tillmanns will nun erst einmal beobachten, wie sich das Thema weiter entwickelt. „Das ist nun erst einmal eine Grundsatzentscheidung. Aber wir müssen auf die Details achten. Wir wissen zum Beispiel gar nicht, was das für die Zahl der Unterrichtsstunden oder die Versetzungen bedeutet“, sagt sie.

Tillmanns gehe davon aus, dass das Maximilian-Kolbe-Gymnasium zum Abitur nach neun Jahren zurückkehrt und damit keine Ausnahme von der Regel bildet. Wenn dann doch der Ruf nach G8 komme, müsse man sich damit auseinandersetzen, sagt sie. Auch Cusanus-Leiterin Hündgen geht von einem Wechsel zurück zu G9 aus. Was das Kreisgymnasium letztlich macht, müssten die Gremien der Schule entscheiden, sagt Krewald.

Dem will sie nicht vorgreifen. „Ich denke aber, dass die allermeisten Schulen zu G9 zurückgehen.“ Den Schulen das Recht zu geben, von dieser Regel abzuweichen, hält sie aber für richtig. Gerade in städtischen Ballungsräumen könne das für manche Gymnasien interessant sein.

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