Posaunen bringen Musik und Astronomie zusammen

Von: Johannes Gottwald
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Musik und Astronomie passen hervorragend zusammen: Die Bläser des Posaunenwerkes der Evangelischen Kirche des Rheinlandes präsentierten zahlreiche Werke zum Thema Himmelskunde. Foto: Johannes Gottwald

Heinsberg. Schon seit der Spätantike gehörten sie zu den „Sieben Freien Künsten“, die man zumeist nur als freier Mann – also nicht zum Broterwerb, sondern zur eigenen Bildung – ausüben konnte: Die Musik und die Astronomie.

Auf den ersten Blick scheinen sie nicht naturgemäß zusammen zu passen, aber im Verständnis des Altertums gehorchte die physikalische Ordnung der Tonintervalle und des Quintenzirkels denselben strengen Gesetzmäßigkeiten, die man beim Aufbau des Kosmos feststellen konnte.

Bezeichnenderweise wurden daher auch die Arithmetik (die Rechenkunst) und die Geometrie zu den „Sieben Künsten“ gerechnet – beide Sparten sind auch heute noch für einen angehenden Berufs-Astronomen unverzichtbar.

Dass Musik und Astronomie aber auch in der Praxis bestens miteinander harmonieren, konnte man zuletzt in der evangelischen Christuskirche in Heinsberg erleben. Neben dem Blechbläser-Ensemble im Posaunenwerk der Evangelischen Kirche im Rheinland hatte man auch Michael Geffert, einen Astronomen am Argelander-Institut der Bonner Universität, eingeladen. So konnten musikalische und astronomische Vorträge in einen spannungsvollen und faszinierenden Dialog miteinander treten.

Altertümliche Klänge

Die feierlich-altertümlichen Klänge der Motette „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ von Heinrich Schütz eröffneten den Reigen, danach wurde mittels eines Monitors ein Bild der sommerlichen Milchstraße an die Wand geworfen.

Schon im Altertum habe der Anblick des Sternhimmels die Menschen in Bann gezogen und man habe schon früh den Kosmos als Abbild der göttlichen Ordnung empfunden, führte Michael Geffert anschließend aus. Aber erst die Entwicklung leistungsfähiger Fernrohre offenbarte die riesigen Dimensionen des Alls und wies den Weg zur Erforschung von Sternen und Galaxien.

Geffert berichtete auch von der Begegnung zwischen dem Komponisten Joseph Hadyn und dem deutsch-englischen Astronomen Friedrich Wilhelm Herschel, der die größten Fernrohre seiner Zeit konstruiert hatte.

Der Legende nach soll der Blick durch das Fernrohr Haydn zu seinem berühmten Oratorium „Die Schöpfung“ angeregt haben. Konsequenterweise trugen die Bläser dann auch einen Abschnitt aus diesem Werk vor, der ebenfalls die Psalmverse „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ zum Inhalt hatte. Zu einem herrlichen romantischen Ruhepunkt wurde danach das „Lied an den Mond“ aus der Oper „Rusalka“ von Dvorak.

Den Einfluss von Max Reger zeigte eine Bearbeitung des Volksliedes „Der Mond ist aufgegangen“ von Traugott Fünfgeld, während „Fly me to the Moon“ von Bart Howard schon typische Jazz-Elemente aufwies.

Dann hatte Michael Geffert wieder das Wort. Diesmal erfuhren die Zuhörer viele interessante Einzelheiten über den Mond und die Planeten unseres Sonnensystems. Auch hierzu wurden viele erläuternde Bilder gezeigt.

Lebhaft und heiter zogen danach das Stück „Komm, o komm du Morgenstern“ von Christian Sprenger und zwei Variationen über eine Gavotte von Johann Sebastian Bach vorbei, die wiederum von Traugott Fünfgeld geschaffen wurden.

Der evangelische Choral „Wunderbarer König“ war anschließend in zwei Bearbeitungen von Thomas Riegler zu hören – einmal als neubarockes Choralvorspiel, sodann als „Hommage an Claude Debussy“ mit typisch impressionistischen Harmonien.

Als nächstes astronomisches Objekt stand die Sonne im Mittelpunkt. Michael Geffert hob hervor, dass die Sonne Motor und Lebensspender für unsere Erde sei, aber eigentlich ein ganz normaler Stern. Er zeigte auf, wie Sterne aus Gas- und Staubwolken entstehen und dass sie zwar eine lange, aber doch begrenzte Lebensdauer haben. „Unsere Sonne wird in zwei bis drei Milliarden Jahren als planetarischer Nebel enden, die großen und massenreichsten Sterne dagegen detonieren als Supernova. Aus ihren Überresten entstehen dann wieder neue Sterne. Auch wir Menschen bestehen im Grunde aus Sternmaterial.“

Diese Einblicke in den Lebensrhythmus des Weltraums kommentierten die Bläser auf sehr treffende Weise mit „Stardust“ (zu deutsch: Sternenstaub) von Hoagy Carmichel, das unverkennbare Züge von Filmmusik aufwies.

Zwei weitere Variationen über die Bach-Gavotte von Traugott Fünfgeld schlossen sich an. Auch hier meisterten die Bläser unter dem sicheren Dirigat von Jörg Häusler alle komplizierten Klangkombinationen mit bemerkenswerter Sauberkeit.

Großartige Einblicke in die unendlichen Weiten des Alls zeigten die Aufnahmen von Galaxien. Von diesen Sternsystemen, so Michael Geffert, gebe es mindestens hundert Milliarden.

Die Bläser rundeten mit dem „Urlicht“ von Gustav Mahler und der schwungvollen „Polka Dots and Moonbeams“ den Abend ab. Am Ende gab es starken Beifall für die Musiker und den Wissenschaftler, die beide deutlich gemacht hatten, dass man sowohl mit Kunst als auch mit Wissenschaft Theologie betreiben kann.

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