Poetry-Slam-Tour: Die Geschichte vom Veganer und dem Mett

Von: Daniel Gerhards
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Nachdenklich und witzig: Osama aus dem Süden trägt einen konsumkritischen Text vor. Fotos (3): Daniel Gerhards Foto: Daniel Gerhards
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Nachdenklich und witzig: Osama aus dem Süden trägt einen konsumkritischen Text vor. Fotos (3): Daniel Gerhards Foto: Daniel Gerhards

Selfkant-Höngen. Die Geschichte vom Veganer und dem Mett hat sich Eric Jansen ausgedacht. Es ist eine von vielen Geschichten, die aus der Feder des in Aachen lebenden Kölners stammen.

Diese Geschichte, in der es um Metzger, fleischfreie Essgewohnheiten und Appetit auf Cheeseburger mit Speck geht, hat dem Publikum beim ersten Poetry Slam im Selfkant so gut gefallen, dass es Jansen zum Sieger kürte. Aber diese Abstimmung per Akklamation kam erst ganz am Ende dieses Abends, der im Zeichen des 25-jährigen Jubiläums der deutschen Einheit und der vier Zipfelgemeinden stand.

Zu der kleinen, aber durchaus feinen Show im Kulturhaus neben der Höngener Kirche waren vier Literaten aus Ost-, West-, Nord- und Süddeutschland angereist. Die Idee zu diesem poetischen Zipfeltreffen stammt von Mike Altmann aus der Zipfelstadt Görlitz, der auch selber in Höngen auftrat und mit seinem Vortrag ins Finale kam. Auf der Bühne trug er einen Text vor, der an Johann Wolfgang von Goethes Ballade vom Erlkönig angelehnt war. Es war ein sozialkritisches Zwiegespräch zwischen Vater und Sohn über Fremdenfeindlichkeit, Kinderarbeit und schlecht bezahlte, aber hart arbeitende Menschen in Deutschland.

Dass Altmann ein geübter Redner ist, merkte man auch, wenn man ihn nach den Strapazen der Reise kreuz und quer durch Deutschland fragte. Die Poetry-Slam-Gruppe fährt in einer Woche von Görlitz über Oberstdorf und Selfkant nach List. Und von dort zur Einheitsfeier nach Frankfurt am Main. So anstrengend sei es gar nicht gewesen, bis auf den stundenlangen Stau in Bayern, da brannte ein Lkw auf der Autobahn, dafür gab‘s abends Bratkartoffeln in einem Gasthof – köstlich. Die Reise in den Selfkant sei auf der Autobahn ganz flüssig gelaufen. Und den westlichsten Punkt wolle man sich unbedingt noch anschauen – Erinnerungsfoto und so. Aber zeitig aufstehen müsse man schon. „Das ist unter Slammern sonst nicht so üblich“, sagte Altmann.

Was man in Höngen auf der Bühne zu sehen bekam, hatte dann schon eine Menge von Poesie. Aber es war keine Lyrik à la Rainer Maria Rilke, die man aus dem Deutschunterricht kennt. Es sind selbstgeschriebene Texte, oft mit politischen oder autobiografischen Bezügen. Es sind Texte, die den jungen Menschen aus dem Herzen sprechen. Manche sind tiefsinnig, manche einfach nur witzig.

Aber eines hatten die Texte beim poetischen Wettstreit in Höngen gemein: Die Literaten schafften es, ihre Zuhörer damit zu fesseln, sie zu überraschen oder sie zum Lachen zu bringen. Es ist eben eine Eigenheit der Kleinkunstbühne, dass ab und an, auf engem Raum, vor überschaubarem Publikum etwas entsteht, das die Menschen berührt.

Neben den vier festen Teilnehmern, die auf Tourne durch die Zipfelorte sind, traten auch fünf Poetry-Slammer aus der Region auf. Zum Beispiel Florian Schreiber aus der Nordeifel. Er erzählte das Märchen von einem Jungen, der mit Fahrrad und Super-Soaker-Wasserpistole auszog, um Belgien zu erobern, dieses Land, das „für elf Millionen Heimat ist, für den Rest der Welt nur ein Land zum Durchfahren“.

Eines der vier festen Mitglieder der Tournee ist Osama aus Bayern, oder eigentlich aus Franken, naja, er lebt jetzt in Wien. Er Sprach über Kuchen. Ein Produkt mit hervorragendem Preis-Leistungs-Verhältnis. Und über „Marketingprogramme“ auf der „Festplatte in unserem Kopf“, die jeden einzelnen dazu verleiten, alles Mögliche zu kaufen. Konsumkritik vom Feinsten.

Am besten gefielen dem Publikum aber die Texte und die Vortragsweise von Eric Jansen. Mit einem seiner letzten Gespräche mit seiner kölschen Oma schaffte er es ins Finale. O-Ton der Oma zum Thema Kirche: „Glaub mal, der liebe Gott findet schon gut, was wir in Köln machen. Sonst ständ‘ der Dom in Bonn und der heilige Schrein in Quadrath-Ichendorf.“

Und dann war da ja noch Jansens Finalbeitrag über das Mett und die Veganer. Darin führt er – inspiriert von seinem Opa, dem Metzgermeister –, einen „heiligen Kreuzzug“ gegen die Veganer. „Ich habe paketeweise Teewurst auf die komplette Gemüseabteilung im Supermarkt geschmiert“, sagt Jansen. Am Ende gründete er die Religion der „Mettodisten“, Treffen immer „Mettwochs“, neue „Mettglieder“ willkommen.

Mit diesem Beitrag holte sich Jansen den Sieg. Der erste Preis war eine Flasche Zipfeltrunk, spendiert von Bürgermeister Herbert Corsten.

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