Pleitegeier von Solid Power vertrieben

Von: Rainer Herwartz
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Solid Power-Geschäftsführer Guido Gummert drückt im Beisein von Nils Zumbaum (links) und Frank Obernitz symbolisch den Startknopf für einen neuen Anlauf in der Heinsberger Brennstoffzellen-Geschichte. Foto: Rainer Herwartz
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Heinsbergs Erster Beigeordneter Jakob Gerards (links) beobachtet das Auftragen der Dichtungspaste an einer Brennstoffzelle. Auch die Stadtspitze ist erfreut über die glückliche Entwicklung bei CFC. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg-Oberbruch. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Doch wie gut, dass der Geschäftsführer des Brennstoffzellen-Herstellers Ceramic Fuel Cells GmbH (CFC) in Oberbruch, Frank Obernitz und Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum diese nie aufgegeben haben.

Im März dieses Jahres kreiste der Pleitegeier über der Firma. Das Start-up-Unternehmen hatte es in den letzten Jahren leider nicht geschafft, genügend Stückzahlen der BlueGen getauften Brennstoffzelle in den Markt zu bringen. Ende 2006 war die Tochter einer australischen Mutterfirma in Oberbruch gegründet worden. Bis 2009 hatte es gedauert, bis die Produktionsstätte im Industriepark fertiggestellt war. Zwischen 2009 und 2012 erfolgte laut Obernitz dann die Feldtest-Phase mit den Energieversorgern und ab 2012 die Markteinführung von BlueGen. Durch die Insolvenz standen nun plötzlich 36 Arbeitsplätze auf der Kippe.

„Die Verkaufszahlen müssten sich verzehnfachen, damit sich die Produktion rechnet“, hatte seinerzeit Jörg Zumbaum erklärt. Statt 200 Geräte im Jahr müssten es 200 im Monat sein. Das Unternehmen konnte nicht aus eigener Kraft fortgeführt werden. „Ich glaube, das Kunststück wird sein, ein Produkt, das im Hinblick auf Know-how, Entwicklung und Patente in Australien angesiedelt ist und hinsichtlich der Produktion und Vermarktung in Europa sitzt, an einen strategischen Investor zu übertragen.“ Dieses Kunststück scheint gelungen zu sein, denn die Solid Power GmbH hat zum 1. Juli die CFC GmbH in Heinsberg übernommen, inklusive aller noch verbliebenen etwa 30 Mitarbeiter.

Ausbau geplant

Nils Zumbaum, der jetzt seinen Vater in einem exklusiven Interview mit unserer Zeitung vertritt, macht in diesem Zusammenhang deutlich: „Die Geschäftsübernahme bedeutet, alle Regelungen, von der Arbeitszeit bis zum Gehalt, sind für ein Jahr fix.“

„Solid Power wird nicht nur das bestehende Geschäft fortführen und die Produktion und den Vertrieb des BlueGen weiter ausbauen, sondern die Wettbewerbsfähigkeit dieser Zukunftstechnologie mit einem erweiterten Entwicklungs- und Produktionskonzept vorantreiben“, erklärt Guido Gummert, Geschäftsführer der Solid Power GmbH. Solid Power mit seinen 84 Mitarbeitern ist Teil des Gesamtunternehmens mit Hauptsitz im italienischen Mezzolombardo, das ebenfalls Brennstoffzellen-Energiegeräte entwickelt, produziert und vertreibt. Was die Italiener an CFC gereizt habe?

„Es ist eine Bandbreite von Aspekten“, sagt Gummert. „Es ist kein Geschäft von heute auf morgen, sondern muss systematisch aufgebaut werden, aber wir erkennen das Marktpotenzial. Weltweit wird der Energiebedarf in noch ungeahnte Höhen gehen, mit deutlich mehr Strom- und Wärmebedarf.“ Das technische Konzept des BlueGen-Mikrokraftwerks sei für Wohngebäude und Kleinunternehmen ausgelegt. Mit der Entwicklung und Fertigung des EnGen 2500-Gerätekonzepts der Solid Power gehe man noch darüber hinaus und decke den Bedarf von Wohn- und kleineren Gewerbegebäuden mit größerem Energiebedarf ab. „Mit der Übernahme von CFC erreichen wir in absehbarer Zeit einen interessanten und wettbewerbsgerechten Synergieeffekt.“

Gerade im Bereich Vertrieb und Service wird Solid Power von dem Heinsberger Unternehmen profitieren. „Wir hatten bislang noch keine vergleichbare Vertriebs- und Service-Struktur“, räumt Gummert ein. Mit Solid Power werde der Service für alle BlueGen-Besitzer aufrechterhalten und mit den bisherigen Partnern aus Handwerk und Energieversorgung der Vertrieb ausgebaut. Potente Investoren, die ein gewinnbringendes Know-how in Sachen Keramikbeschichtung mitbrächten, würden zudem einen Beitrag zur Kostensenkung leisten.

„Der Insolvenzverwalter brauchte ein hochgradiges Fingerspitzengefühl, damit hier nicht jemand kommt, der nur absaugen will“, lobt Gummert die Arbeit von Jörg Zumbaum. „Solid Power hat keine Spielchen gespielt“, gibt Nils Zumbaum dieses Lob gleich zurück. „Bei uns ist schnell der Eindruck entstanden, dass hier offen und ehrlich miteinander umgegangen wird. Da entscheidet das Bauchgefühl mit. Wenn ein Unternehmen hingegen gleich die Frage stellt, ob die Mitarbeiter gegebenenfalls bereit wären, umzuziehen, dann muss man sich selbst auch so einige Fragen stellen...“.

Die neuen Eigner sähen sich in der komfortablen Situation, „dass wir Kunden haben, die zu BlueGen stehen“, sagt Gummert. Da vor und selbst während der Insolvenzphase das Produkt weiter nachgefragt worden sei und die Mitarbeiter daran gearbeitet hätten, profitiere man schon von einem guten Lagerbestand. Frank Obernitz, der die Übernahme in den nächsten Monaten noch begleiten wird, ist stolz auf seine Mitarbeiter: „Das Team ist klasse zusammengestanden und hat Herrn Zumbaum in dieser schwierigen Phase den Rücken freigehalten.“

Die vakanten Stellen sollen laut Gummert übrigens schnellstmöglich wieder aufgefüllt werden. „Das wissen über die Technologie steckt in den Köpfen der Mitarbeiter. So viele Wettbewerber mit einem solchen Entwicklungsstand gibt es nicht, schon gar nicht in Deutschland“, meint Gummert. Vielleicht wird Heinsberg am Ende ja doch noch zur „Brennstoff-Zellen-Hauptstadt Deutschlands“ wie Frank Obernitz noch im Mai 2013 orakelte.

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