Plattdeutsch-Abend: Anekdoten über Heimat und gelebtes Leben

Von: Johannes Bindels
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Kurzweiliger Beitrag beim Plattdeutsch-Abend: Rudi Erdweg und seine Geschichte zur „Jo Botter“. Fotos (2): Johannes Bindels Foto: Johannes Bindels
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Persönlicher Hintergrund: Charly Deklerk mit seiner „Wurstbeschaffungsgeschichte“. Foto: Johannes Bindels

Wassenberg. Wenn ein Abend lang Geschichten „ej en Moddersproak“ erzählt werden und „D´r Arangschöer“ Walter Bienen heißt, dann ist wieder „Plattdütsch-Oavend“ in der Begegnungsstätte in Wassenberg. Mehr als 200 Gäste waren gekommen und freuten sich auf unterhaltsame Beiträge in ihrer Muttersprache, dem regionalen Plattdeutsch.

Die Freunde des Plattdeutsch sind wie die Vortragenden in die Jahre gekommen. Ein Kulturgut wird gepflegt, das gefährdet erscheint und dem der Nachwuchs fehlt.

Heimat, Lebensgefühl und gelebtes Leben spiegelten sich beim Plattdeutsch-Abend in den Anekdoten, den Erzählungen und in den in Reimform vorgetragenen Erinnerungen wider. 16 Vortragende gestalteten wieder einen vergnüglichen Abend. Die Überraschungsgäste Rudi Erdweg (Karken) mit seiner Geschichte „Jo Botter“ über die veränderte Bedeutung der Butter als Genussmittel und das Gesangsduo Heinz Schlömer und Georg Wimmers (Wegberg- Beeck) mit dem „Klompenlied“ belegten das Verbindende des heimatlichen Dialekts über die Stadtgrenzen hinaus.

Überraschend am Überraschungsgast Karl Bertrams (Wegberg) war lediglich, dass er diesmal im Duett mit Klaus Bürger (von de Berker Klengerstuev) die deftigen Lebensphilosophien von „Minne Papp sinne Vadder sinne Ohm“ zum Besten gab. Denn die deftige Lebensweisheit, sich mit einem kleinen Hintern nicht auf eine große Brille zu setzen, war gelebte Erfahrung des Spruchs „Schuster bleib bei deinen Leisten“.

Viele Beiträge hatten persönliche Erfahrungen als Grundlage – so auch bei Charly Deklerk (Myhl) mit seiner Geschichte „Kenn Schenkewuesch“, der Nachmitternachtswurst-Beschaffung aus der elterlichen Metzgerei, oder die der Brüder Leo Wilms und Bruno Wilms als Lausbuben in ihrer Kindheit, die mit ihrem Luftgewehr den bäuerlichen Nachbarn „Schützenhilfe“ leisteten.

Mit Uli Fischers Beitrag „so schönn, Soldat zu sinn“ wurde aus zeitlichem Abstand die eigene Grundwehrdienstzeit beleuchtet. Feingeistiger waren die Beiträge von Maria Gerards (Wildenrath) mit ihrer Geschichte von den Heiligen zu Allerheiligen und von Agnes Winkens, die in Reimform vortrug. Ebenso bewundernswert: die frei vorgetragene und selbstformulierte Ballade von Walter Windeln „Joot eate en Wasseberch“, in der er einen Stab brach für die Esskultur in Wassenberg.

Mit Magda Hausmanns (Karken) „Ondank es der Welten Lohn“ und „bie der Psychiater“ kam exemplarisch zum Tragen, was gemeinhin als gesunder Menschenverstand bezeichnet wird. Und mit „jet luese Vertell“ brachte Lebensphilosoph Hans-Josef „Josch“ Kranz seine Erkenntnisse zum Besten und der Lebenswitz kam nicht zu kurz, denn wenn er „Gesichter machen könnte, hätte manch einer ein anderes“.

Zuvor hatte Walter Bienen mit seinem Beitrag „Wenn d‘r Verstank uutsätt“ von den Irrungen und Wirrungen verliebter alter Männer berichtet.

Karl Lieck und Hilde Eraerds mit der Ziehharmonika sorgten mit den Beiträgen „Vörr 70 bis 80 Joahr“ und zum Schluss mit „Wasseberch, ech han dech jäer“ für den musikalischen Rahmen.

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