Pionierarbeit mit Bremsbelägen und Kugelschreibern

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Umlagert von einheimischen Kindern: „Abbè Klaus“ verteilt in Burundi Brot.

Wegberg. Sechs Jahre lang – von 1980 bis 1986 – hat der gebürtige Erkelenzer Klaus Buyel als katholischer Missionar im ostafrikanischen Burundi verbracht. Vielfältiger als das, was er während seines Wirkens in dem ärmsten Land der Welt angestoßen hat, hätten seine dort zu bewältigenden Aufgaben nicht ausfallen können.

Als Geistlicher war es nicht nur für das Seelenheil seiner Anvertrauten zuständig. Dinge, die in Europa zum alltäglichen Leben gehören, sind in Burundi und den Anrainerstaaten alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Dort waren und sind Ideenreichtum und Pionierarbeit erforderlich. Während dieser sechs Jahre als Missionar hat Buyel nicht nur sein Herz an Land und Leute verloren, er hat es sich auch zur Lebensaufgabe gemacht, die von ihm ins Leben gerufenen Projekte weiterhin zu betreuen. Und dies bereits seit 30 Jahren.

Seit dieser Zeit reist Buyel, der vor zwei Jahren in den Ruhestand ging, zweimal im Jahr nach Burundi und versorgt seine katholischen Mitbrüder wie auch andere Organisationen mit allem, wovon die Bevölkerung in diesem dicht besiedelten afrikanischen Land nur zu träumen vermag.

Seine Hauptaufgabe bestand seit 30 Jahren zunächst darin, Geld zu sammeln und dafür Fahrzeuge zu erwerben. Diese wurden von einem befreundeten Kfz-Unternehmen auf afrikanische Verhältnisse abgestimmt und auf dem Seeweg nach Ostafrika transportiert. Inzwischen hat Buyel rund 120 Fahrzeuge nach Burundi geliefert. Für zahlreiche Missionsstationen und Hilfsorganisationen waren diese Fahrzeuge, von denen gegenwärtig noch sieben mit Heinsberger Kennzeichen in Burundi betrieben werden, ein Segen.

Bei diesen Fahrzeugen handelt es sich zumeist um Fahrzeuge der Marke VW Golf, für die Buyel recht gut Ersatzteile beschaffen und diese nach Afrika transportieren kann. Finanziert wird dieses soziale Engagement Buyels mit Spenden und Aktionen diverser Pfarreien oder Privatleute. Auch Sportvereine und Schulen haben es sich in den vergangenen drei Jahrzehnten zu Aufgabe gemacht, diese Projekte mit unterschiedlichen Aktionen finanziell zu unterstützen.

500 Euro erzielte Klaus Buyel alleine an Karneval in Wegberg-Dalheim. Gegen einen Obolus durfte jeder ein Stück seines Bartes stutzen. „Ein recht stolzer Betrag, den ich für meine Zwecke sehr gut verwenden kann“, freut sich der Geistliche.

Die Wünsche, die immer wieder von den in Burundi und ihren Anrainerländern tätigen Missionaren an Klaus Buyel herangetragen werden, sind vielfältig. Auch während seines gegenwärtigen Aufenthaltes in Schwarzafrika, der bis zum 22. April dauert, haben Buyel und seine beiden Begleiter – Herbert Münch aus Wassenberg sowie Chronist Günter Passage –, die jeweils 46 Kilogramm Gepäck befördern können, ihr Kontingent bis auf das letzte Gramm ausgereizt. Angefangen mit Stoßdämpfern für einen Mercedes-Krankentransporter über Ersatzteile für einen Golf-Motor bis zu Bremsbelägen für einen Golf haben die drei alles dabei, was angefordert wurde.

Weiterhin befanden sich Saatgut und Kleidungsstücke im Gepäck der Afrika-Reisenden. Fußbälle, gespendet von Sportvereinen aus dem Kreis Heinsberg, und auch Sportbekleidung vervollständigten das umfangreiche Reisegepäck.

Zudem hatte Buyel vor seiner Abreise wieder 1000 rot-weiße Kugelschreiber, versehen mit seinem Namen, als Geschenke mit an Bord. Insbesondere der Polizei, die überall gegenwärtig ist, und anderen Behörden sind diese kleinen Geschenke überaus willkommen. Bei jeder Polizeikontrolle steckt Buyel den Beamten einen dieser Stifte zu. Die Wirkung ist verblüffend: Meistens salutieren die Polizisten und geben sofort den Weg zur Weiterfahrt frei, so Buyel.

Selbst wenn die Ordnungshüter Buyels Fahrzeug entdecken, dessen Motorhaube ein rotes Kreuz ziert und die beiden Türen mit der Aufschrift „Diocese Bujumbura – Service-Medical“ versehen ist, salutieren die Polizisten. „Diese Inschrift an all meinen hier in Afrika betriebenen Fahrzeugen ist meine Lebensversicherung. Während der gegenwärtig unsicheren politischen Situation – im Mai dieses Jahres stehen Wahlen an – respektieren mich die Menschen.“

Anfang März reisten Klaus Buyel und seine beiden Begleiter zu einer 240 Kilometer entfernt gelegenen Missionsstation in Tansania. Dort lieferten sie Saatgut für Gemüse und Salate, aber auch unterschiedlicher Blumen ab. Dankbare Gesichter der Ordensfrauen waren der Lohn für diese strapaziöse und lange Fahrt über teils schwer zu befahrenen Straßen. Zuvor hatten die Drei in einer Station für behinderte Kinder eine Schaukel repariert. Auch dort gab es letztlich nur strahlende Mienen.

Auch als Seelsorger trat Buyel zwischenzeitlich in Aktion. Während einer Messe in der Kirche der burundischen Stadt Muyinga wirkte der Geistliche aus Erkelenz gemeinsam mit seinen schwarzen Amtsbrüdern und dem dortigen Bischof „Joachim“ an einer festlichen Messfeier mit.

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