Pilze machen Krabblern das Leben schwer

Von: Rainer Herwartz
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Als Spaziergänger geht man meist achtlos daran vorüber, doch für Revierförster Wolfgang von der Heiden zeigen sich an diesem Bäumchen eindeutige Fegespuren, bei denen ein Rehbock versucht hat, seine Basthaut am Gehörn loszuwerden. Foto: Rainer Herwartz
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Wildschweine sind die erklärten Lieblinge des Försters. Nicht zuletzt aufgrund ihrer Intelligenz. Foto: Rainer Herwartz
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Die Zahl der geschossenen Böcke ist immens, doch Wolfgang von der Heiden kann sich noch an jeden genau erinnern. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberger Land. Er kommt jedes Jahr, doch immer anders. Er ist längst da, doch sehen kann ihn niemand. Was wie der Einstieg zu einem Rätsel klingt, beschreibt den Winter, der in diesem Jahr nicht so recht in die Puschen kommen will. Abgesehen von einigen Schneetagen vor ein paar Wochen ließe sich beinahe vermuten, dass sich dem Herbst nahtlos der Frühling anfügen wird. Und schon herrscht bei manchen Zeitgenossen erstes Wehklagen darüber, dass durch die viel zu milden Temperaturen im nächsten Sommer jede Menge Ungeziefer ins Haus steht. Aber ist das wirklich so?

Revierförster Wolfgang von der Heiden, der zwischen Gangelt, Selfkant, Waldfeucht, Geilenkirchen, Heinsberg und Übach-Palenberg rund 2300 Hektar Wald betreut, weiß Genaueres. Im Gespräch mit unserer Zeitung nennt er wirkliche Vor- und Nachteile des warmen Winters.

Dass als Resultat mit einer Insektenschwämme gerechnet werden müsse, verweist Von der Heiden allerdings gleich mit einem Lächeln in den Bereich der sich hartnäckig haltenden Unwahrheiten. „Die Eier von Insekten überleben in Minusbereichen, die hier nie erreicht werden. Im Gegenteil, das feuchte Klima begünstigt sogar Pilzwachstum, das die Gelege viel eher schädigen kann.“

Für Vögel und Säugetiere sei der milde Winter ein zweischneidiges Schwert, erläutert der Förster. Einerseits sei es leichter, Nahrung zu finden als bei frostigem, schneebedecktem Boden. Andererseits bestehe die Gefahr, dass sich Krankheiten im Tierbestand schneller ausbreiteten. So sei ein milder Winter denn auch keineswegs ein Garant für eine höhere Überlebenschance der Tiere.

Tiere zählen ist nicht leicht

Wie viele es am Ende sind, lässt sich nicht bei allen Gattungen leicht ermitteln. „Das Rotwild lässt sich gut zählen, weil die Tiere im großen Verband auf Freiflächen treten. Rehwild tritt hingegen als Einzelgänger oder allenfalls in Kleingruppen in Erscheinung.“ Das liege auch daran, dass Rotwild „eher weidet wie eine Kuh“. Rehwild nasche lieber Kräuter, Bromberblätter oder Knospen. „Rehe sind Gourmets, deshalb schmeckt vielleicht das Rehfleisch so lecker“, schmunzelt Von der Heiden.

Seine Lieblinge sind jedoch die „Schwarzkittel“. „Für mich sind Wildschweine die faszinierendsten Wildtiere, weil sie so intelligent sind.“ Bei der Bejagung komme es trotz eng besetztem Hochstandnetz oft vor, dass die Leitbache es dennoch schaffe, ihre Rotte so hindurch zu lavieren, dass die Tiere von maximal einem Sitz aus überhaupt gesehen würden. In nur einer Nacht legten sie spielend bis zu 50 Kilometer zurück. Zählen ließe sich der Bestand denn auch nicht. Lediglich über das Ausmaß des angerichteten Schadens könne der Umfang der Population geschätzt werden. Die Schweine entwickelten sich generell prächtig. Kehrseite der Medaille für die Vierbeiner: eine Schonzeit gibt es für sie nicht.

Von der Heiden, der schon seit 30 Jahren als Förster arbeitet, beklagt, dass im Moment in der freien Natur kaum gearbeitet werden kann, „weil jede Maschine praktisch versäuft. Weder die Pflanzung von Bäumen ist derzeit möglich noch der Holzeinschlag“. Einzig das Markieren der Bäume, die demnächst der Kettensäge zum Opfer fallen sollen, sei noch möglich. Daher stehe im Augenblick die Inventur im Vordergrund.

„Wir haben im gesamten Kreis fast nur junge Bäume, weil nach dem Krieg kaum noch etwas stand und der Rest als Reparationshieb an die Alliierten ging.“ Rund 90 Prozent der Bäume seien daher 65 Jahre und jünger. Im Wesentlichen handele es sich um Kiefern entlang der Grenze zu Holland und Pappeln in den Bach- und Flusstälern.

Für das Fällen und „Rücken“ sei Frost natürlich die beste Witterung, so Von der Heiden. Doch auch der hat wieder zwei Seiten: „Denn junge, gepflanzte Nadelbäume können in frostigen Wintern vertrocknen.“

Nicht nur in den Köpfen der Menschen scheiden sich also die Geister in puncto Winter, sondern auch die Natur scheint nicht so recht zu wissen, wie sie ihn lieber mag.

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