Pilotprojekt der Jugendämter soll Reintegration von Kindern verbessern

Von: hewi
Letzte Aktualisierung:
6539253.jpg
Mit der Unterschrift die Kooperation der Jugendämter besiegelt: die Bürgermeister Peter Jansen (l.) und Bernd Jansen. Foto: hewi

Erkelenz/Hückelhoven. Erkelenz und Hückelhoven arbeiten bei der Jugendhilfe im sensiblen Bereich der Rückführung von Kindern in ihre Familien eng zusammen. Das landesweit einzigartige Pilotprojekt wird vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) finanziell und fachlich unterstützt. Bei der Konzeption des Projektes erhielten die beiden Jugendämter auch fachliche Unterstützung vom Frankfurter Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS).

Im Erkelenzer Rathaus unterzeichneten Bürgermeister Peter Jansen und sein Hückelhovener Amtskollege Bernd Jansen eine Kooperationsvereinbarung, in der die Jugendämter beider Städte eine intensive Zusammenarbeit im Bereich der Reintegration von Kindern in ihre Familien starten. Das Modellprojekt ist nicht nur aufgrund der Zusammenarbeit der beiden Jugendämter einzigartig in NRW.

Auch die Schaffung einer klaren Struktur, die im Falle einer Heimweinweisung eines Kindes oder Jugendlichen greifen soll, ist neu. Dafür arbeiten die Jugendämter eng mit stationären und ambulanten Trägern zusammen. Die Wahl fiel auf den Caritasverband Heinsberg, die evangelische Jugend- und Familienhilfe Neuss und den Neukirchener Erziehungsverein.

Bei der Vertragsunterzeichnung hob Dr. Hans-Heiner Gotzen die Bedeutung dieses gemeinsamen Schrittes hervor. Der erste Beigeordnete der Stadt Erkelenz betonte, dass die Jugendämter oftmals kritisiert würden, weil sie Kinder „zu schnell“ aus den Familien herausholen, wenn sich Probleme ergeben. Nun solle strukturierte Hilfe angeboten werden, um die Kinder nach Beendigung der Krisensituation schnell wieder in die Familien zu integrieren.

Die ersten Bemühungen um diese interkommunale Zusammenarbeit begannen vor zwei Jahren. In den kommenden zwei Jahren muss sich das verzahnte Konzept aus Amt und stationärem sowie ambulantem Träger in der Praxis bewähren. Bestandteil des Konzeptes ist auch eine aktive Einbeziehung der Eltern. „In diesen Fällen müssen die Eltern verstehen, dass sie sich auch bewegen müssen, damit die Kinder in die Familien zurückkehren können“, betonte Bernd Jansen. Dort greift die Arbeit der ambulanten Träger, die die Familien aufsuchen und einen mehrmonatigen Prozess der Annäherung begleiten.

Am Ende soll die Wiederzusammenführung von Eltern und Kind stehen, doch auch dann wird die Familie noch eine Zeit lang individuell betreut. „Angesichts der demografischen Lage brauchen wir jedes Kind“, erklärte Jansen. Da die Unterbringung in einem Heim ein einschneidendes Erlebnis im Leben eines Kindes und der ganzen Familie sei, könne diese langfristig nur als letzte Lösung betrachtet werden.

Die Eltern werden darin unterstützt, ihre Elternrolle neu zu definieren und zu erfahren. In immer ausgedehnteren Zeitintervallen lernen Eltern und Kinder wieder, den Alltag gemeinsam zu bewältigen. Die entsprechenden Abläufe und Vorgehensweisen des gemeinsamen Reintegrationsprozesses werden dokumentiert und nach zwei Jahren gemeinsam ausgewertet.

„Wir haben noch kein Erfolgsrezept, sind aber auf einem guten Weg“, erklärte auch Karl-Ernst Dahmen vom Caritasverband. Die Zusammenführung von Fachwissen zugunsten der Kinder und Jugendlichen sei ein richtiger Schritt in die richtige Richtung.

Jutta Pusch-Runge vom LVR hob die Bedeutung der Vernetzung für das Gelingen des Pilotprojektes hervor. Von den dabei gewonnenen Ergebnissen könnten auch andere Jugendämter und Träger der Jugendarbeit lernen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert