Möchengladbach - Pier-Prozess: Angeklagter bricht in Tränen aus

Pier-Prozess: Angeklagter bricht in Tränen aus

Von: Manfred Kutsch
Letzte Aktualisierung:

Möchengladbach. Das Landgericht Mönchengladbach verkündete am Donnerstag im Verfahren gegen den Ex-Chefarzt der Wegberger Antonius-Klinik, Arnold Pier, dass es dessen ungewöhnliche Behandlungsmethode mit Zitronensaft definitiv als „ärztlichen Kunstfehler” einordnet.

Diesen Sachverhalt sieht der Vorsitzende Richter Lothar Beckers als „aufgeklärt” an. Die Anklage wertet die ungewöhnliche Therapie als „gefährliche Körperverletzung”, so Oberstaatsanwalt Lothar Gathen.

Ungeachtet dessen kam es am Donnerstag zum wohl emotionalsten Verhandlungstag seit Beginn des Mammutprozesses im September 2009. Nach der Aussage eines Krankenpflegers brach der Angeklagte in Tränen aus. Wie bei dem 34-jährigen Zeugen wird in dem Verfahren generell immer deutlicher, dass Pier zwar von etlichen Mitarbeitern in früheren Polizeiverhören deutlich belastet wurde, aber sich dieselben Personen vor dem Landgericht kaum noch an etwas erinnern können.

Ungeachtet dessen ging es um den grausigen Tod des Patienten Georg S. Die Familie des 65-Jährigen, Nebenkläger in dem Verfahren, saß im Zuschauerraum, als sein qualvolles Sterben aufgerollt wurde. Die Anklage wirft Pier und der Ärztin vor, dem Darmkranken ohne dessen Einwilligung den Bauchraum geöffnet zu haben - dies zudem noch fehlerhaft.

Schließlich sei eine zweite Operation durchgeführt worden, die nicht nötig gewesen wäre. Der gravierendste Vorwurf: Pier habe „sorgfaltswidrig eine Vielzahl von Anzeichen einer bestehenden Sepsis” (Entzündungsreaktion des Organismus) ignoriert. In dem Fall sei „zwingend eine operative Maßnahme” angesagt gewesen.

Die Unterlassung habe schließlich zu einem Tod geführt, den die vernommenen Krankenschwestern am Donnerstag als „fürchterlich” schilderten. Der um sein Leben kämpfende Patient hatte in der Intensivstation panikartig nachts das Bett verlassen. Dabei platzte seine Bauchwunde auf. Der Mann verblutete.
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