Pflegemutter eine Lebensaufgabe mit Herz

Von: Anna Petra Thomas
Letzte Aktualisierung:
11006420.jpg
Über das Thema Pflegefamilie diskutierten Yvonne Storms (links) und Monika Pillath (rechts) mit Martina Geiser, Beate Schneider und Martina Meurers (von links). Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Alles läuft gut. Der Traum vom eigenen Kind hat sich erfüllt, sehnsüchtig wird der neue, kleine Erdenbürger erwartet. Und doch kann es sein, dass nach der Geburt nicht mehr alles so rund läuft, wie es sich Mutter und Vater erhofft haben.

Manchmal sind beide oder auch die Mutter alleine mit der Versorgung oder später auch mit der Erziehung ihres Kindes derart überfordert, dass eine ambulante Hilfe durch das Jugendamt notwendig wird.

In einigen Familien findet sich jedoch eine derartige Anhäufung von Problemen, zum Beispiel die psychische oder physische Erkrankung der Eltern, eine Verwahrlosung, eine körperliche und emotionale Vernachlässigung oder sogar eine sexuelle Misshandlung, so dass als letzte Möglichkeit für das Kind die Unterbringung in einer Pflegefamilie für eine gewisse Zeit oder auch auf Dauer unumgänglich ist.

68 Kinder sind im Zuständigkeitsbereich des Heinsberger Stadtjugendamtes derzeit bereits in Pflegefamilien untergebracht. Doch auch weiterhin ist der Bedarf groß an Familien, die ein Kind dauerhaft in Pflege aufnehmen können oder auch an Familien, die flexibel bereit sind, ein Kind ganz kurzfristig und auch nur für kurze Zeit zu betreuen, etwa dann, wenn die Mutter in einer Familie plötzlich schwer krank wird.

Wer sich für ein Engagement als Pflegefamilie interessiert, dem stehen drei Mitarbeiterinnen im Pflegekinderdienst des Jugendamtes vom ersten Schritt an mit Kompetenz zur Seite: Martina Geiser, Martina Meurers und Beate Schneider. Sie betreuen auch Yvonne Storms und Monika Pillath aus dem Stadtgebiet Heinsberg, die sich beide bereits seit langem als Pflegemütter in ihren eigenen Familien engagieren.

Obwohl Yvonne Storms vier eigene Kinder hat, von denen ein 17- und ein 13-jähriges noch in der Familie leben, betreut sie derzeit gleich drei Pflegekinder im Alter von 8, 6 und 5 Jahren. Vor 22 Jahren schon begann sie mit der Tagespflege, vor elf Jahren startete die 45-Jährige mit Bereitschaftspflegen in ihre neue Vollzeit-Aufgabe. Vor acht Jahren nahm sie ein kleines Mädchen als Säugling auf, das dann als erstes Pflegekind dauerhaft in ihrer Familie blieb. Zwei weitere kamen sukzessive hinzu.

„Das ist eine Aufgabe, aber auch eine Bereicherung“, zieht sie aus den vielen Jahren als Pflegemutter ein positives Fazit. „Eine Lebensaufgabe mit Herz“, pflichtet ihr Monika Pillath bei. „Wir geben viel, bekommen aber auch sooo viel zurück“, weiß auch sie aus Erfahrung. Sie hat ebenfalls mit der Tagespflege von Kindern begonnen. „Als ich nach zwei Jahren gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könne, ein Kind für drei bis vier Monate in Form einer Bereitschaftspflege aufzunehmen, war das für mich zunächst gar keine Option“, erzählt sie. Als sie dann aber den kleinen Jungen gesehen hätte…, „da hat meine Tochter die Entscheidung für uns gefällt“.

Drei eigene Kinder hatte Monika Pillath damals, vor acht Jahren. Dass der seinerzeit Zweijährige eine Entwicklungsbeeinträchtigung mitbrachte, war zu Beginn des Dauerpflegeverhältnissen noch nicht absehbar. Für Monika Pillaths Familie, in der heute noch die 15-jährige Tochter lebt, war und ist das auch heute kein Problem. „Er hat Stöpsel im Kopf, die gehen nicht immer auf“, sagt Monika Pillath zu der Kommunikation über die Entwicklungsdefizite ihres Pflegekindes. „Aber das hat doch eigentlich jeder mal!“

Bereut haben beide Pflegemütter ihre gemeinsam mit ihrer Familie getroffene Entscheidung zur dauerhaften Aufnahme von Pflegekindern nicht. „Es muss einem einfach von Anfang an klar sein, dass diese Kinder nicht die süßen kleinen Mäuse sind“, erklärt Yvonne Storms. „Diese Kinder haben alle ihren kleinen Rucksack dabei, den sie erst nach und nach auspacken“, sagt sie und meint damit vor allem die Kinder, die aus Gründen einer Gefährdung des Kindeswohls, wie es juristisch heißt, aus ihren Ursprungsfamilien herausgenommen werden müssen.

„Aber man wächst mit seinen Aufgaben“, sagen beide Mütter übereinstimmend, rückblickend auf ihre jeweils ganz individuellen Erfahrungen. In einem weiteren Punkt sind sie sich ebenfalls einig: „Funktionieren kann das alles aber nur in einer gut funktionierenden Partnerschaft.“ Wichtig war und ist ihnen bei ihrer Arbeit zudem die kontinuierliche Begleitung durch die Expertinnen im Jugendamt. „Die braucht man“, sagen beide. Genauso wichtig ist die Zusammenarbeit mit der Herkunftsfamilie, die auch für alle Pflegekinder immer von Bedeutung bleibt. So finden im Jugendamt regelmäßige Besuchskontakte und gemeinsame Gespräche über die Entwicklung des Kindes statt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert