Pfarrer nach Burn-out wieder im Dienst

Von: kalauz
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Sven Dreiser, Pfarrer in Lövenich, war an Burnout erkrankt. Am Sonntag hält er den ersten Gottesdienst nach seinem Klinkaufenthalt. Foto: kalauz

Erkelenz-Lövenich. „Ich bin dann mal wieder da“, sagt Sven Dreiser und lacht dabei. Wer wiederkommt, muss vorher gegangen sein. Und wer sich auf dieses Wiederkommen freut, dem muss auch etwas gefehlt haben. „Natürlich habe ich mein normales Umfeld vermisst.", sagt der Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Lövenich.

„Aber ich habe diese Zeit gebraucht, um mich selbst wieder zu finden, um mich wieder lebendig zu fühlen, um wieder mit meinen eigenen Kräften und der eigenen Hoffnung in Kontakt zu kommen.“

Das, was Dreiser mit „diese Zeit“ umschreibt, beginnt am 23. Januar mit dem, was man gemeinhin als einen Nervenzusammenbruch bezeichnet und in die Einweisung in der Psychiatrie, in die ViaNobis-Fachlinik nach Gangelt mündet. Diagnose: Burn-out und Depression. Man kann das hier so deutlich schreiben, weil Sven Dreiser das so will, weil er offensiv mit seiner Krankheit umgeht. „Ja, ich möchte damit auch ein Zeichen setzen. Ein Zeichen für Menschen, die das erleben, was ich erlebt habe: Dass Freude, Lebensmut und Gefühle wie ausgelöscht sind. Ich bin jetzt wieder soweit, dass ich Hilfe anbieten kann“, sagt Dreiser. Er betont das so, weil er seinen Beruf als Pfarrer ganz bewusst auch als den eines „Seelsorgers“ versteht. Und dabei, sagt er, will er seinen Dienst als Mensch mit allen Facetten eines Lebens „wahrnehmen“. Und nicht nur eine Rolle mehr oder weniger gut „spielen“.

20 Wochen hat er in der Klinik an sich gearbeitet, um diese Mauer des Schweigens in sich abzutragen, mit sich selbst wieder in Kontakt zu kommen, sich selbst wieder zu fühlen, um auch anderes wieder spüren zu können. „Durch die Krankheit habe ich zu neuen Themen gefunden“, sagt er. Er bezieht das sowohl auf sich persönlich als auch auf den Umgang mit seinem sozialen Umfeld, mit den Menschen, die ihm am Herzen liegen und damit natürlich auch auf seine Arbeit: „Ich weiß jetzt, dass Angst, Anfechtung und auch Schwermut zum Dienst eines Pfarrers und Seelsorgers gehören“. Die Depression, sagt Sven Dreiser, habe ihm die Augen und das Herz neu für seine Berufung geöffnet.

Für ihn, den seit 2012 in Lövenich an der Hofkirche arbeitenden Pfarrer, „zeigt sich Gott mit seiner ganzen Liebe und seinem Erbarmen in der Tiefe des Menschenlebens, dort, wo es keinen Selbstbetrug und keine fromme Fassade mehr gibt, wo ich mir und anderen nichts mehr beweisen muss und wo ich nicht perfekt sein kann: In den Erfahrungen des Zerbrechens und des Schweigens“.

Zu seinem 50. Geburtstag im Dezember vergangenen Jahres hat er sich einen neuen Talar, das nach außen getragene Zeichen seiner geistlichen Würde, anfertigen lassen. „Ich habe ihn noch nie getragen“, sagt er, „ich bin davor regelrecht zurückgeschreckt, ihn überzuziehen. Es hat sich einfach nicht angefühlt“.

Jetzt, nach der Therapie, nachdem er zu sich selbst gefunden hat und wieder bei sich angekommen ist, „jetzt“, sagt Pfarrer Sven Dreiser, „jetzt fühlt er sich gut an“. Zu seinem ersten Gottesdienst nach seiner Erkrankung am kommenden Sonntag in der Lövenicher Hofkirche wird er den neuen Talar tragen.

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